Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Filme

[3 x Kino] The Hateful Eight, Erschütternde Wahrheit und Hail, Caesar!

In dieser Woche war ich doch tatsächlich drei Mal im Kino. Wie so ein Millionär. Obwohl, wenn ich Millionär wäre, hätte ich mein eigenes Kino. Aber egal. Es kam nun mal irgendwie so und weil ich momentan sowieso mit diversen Rezensionen usw. hinterher hänge, gibt es heute 3 in 1: ich stelle euch alle drei Filme meiner Kinowoche in einem Beitrag vor und ihr müsst auch nur einmal kommentieren, um euren Senf dazu loszuwerden. (Gut, streng genommen müsst ihr natürlich gar nicht kommentieren, aber ich würde mich natürlich freuen, wenn ihr es tätet.)

Wie dem auch sei, die gesehenenen Filme waren:

  • The Hateful Eight
  • Hail, Caesar!
  • Erschütternde Wahrheit

The Hateful Eight

Der neueste Film von Regisseur Quentin Tarantino ist, wie auch zuvor schon Django Unchained, ein Western. Die Besetzung liest sich alles andere als schlecht: Neben Samuel L. Jackson sehen wir auch Kurt Russell, Walton Goggins, Jennifer Jason Leigh, Michael Madsen und andere in diesem Film.

Ich bin ein Fan von Tarantinos Filmen. Meiner Meinung nach sind seine frühen Werke, Pulp Fiction und Reservoir Dogs, bis heute die besten, aber auch die neueren Django Unchained und Inglorious Basterds konnten mich überzeugen, deswegen war ich, trotz der durchwachsenen Kritiken, gespannt auf den Film.

Leider konnte mich „The Hateful Eight“ nicht so ganz von sich überzeugen. Die erste Hälfte des Films zieht sich sehr und es passiert im Grunde nichts. Die Figuren werden eingeführt, die Situation wird geschildert. Dort, wo man normalerweise bissige, coole Dialoge von Tarantino gewohnt ist, herrscht in diesem Fall gähnende Langeweile. Samuel L. Jackson und Walton Goggins waren hier meine Lichtblicke, die aber über das meiner Meinung nach schwache Drehbuch nicht hinweg trösten konnten. In der zweiten Hälfte wird der Film, üblich für Tarantino, blutig, aber auch hier vermisste ich die gewohnte Coolness, den Schneid, einfach das, was einen Tarantino ausmacht. Ich erlebte insbesondere zwei Enttäuschungen. Die erste war Jennifer Jason Leigh, die für ihre Rolle als Daisy Domergue für den Oscar nominiert ist. Ich versprach mir also eine coole Frauenrolle. Aber, wie Miss Booleana so treffend formulierte: Sie war da in dem Film und ihr wurde die Fresse poliert – mehr nicht. Die zweite Enttäuschung war Tim Roth, den ich in Pulp Fiction und Reservoir Dogs so gerne mochte. Aber in The Hateful Eight hatte man das Gefühl, dass er für Christoph Waltz eingesprungen ist, der vielleicht zu sehr mit James Bond beschäftigt war. Schade, Tim Roth war nur ein Abklatsch von Waltz‘ Rollen in Inglorious Basterds und Django Unchained.

Insgesamt kroch der Film also so vor sich hin und hat mir leider nur wenig Spaß gemacht. Ich sah nicht viel von dem, was ich an Tarantino so mag und auch schauspielerisch konnte mich das Ganze nicht wirklich von sich überzeugen. Letzten Endes gebe ich 5.5/10 Punkten.


Hail, Caesar!

Hail, Caesar! ist wohl vor allem eines: skurril. Der Film ist auch irgendwie lustig, irgendwie komisch, aber es ist keine Komödie, bei der man lauthals auflachen muss. Vielmehr ist es ein Film, der einen zum Schmunzeln bringt. Aber so richtig ausgereift wirkte das ganze nicht. Ich habe nicht so richtig gesehen, in welche Richtung der Film gehen wollte und mit welchen Themen er sich nun wirklich befassen wollte. Im Großen und Ganzen geht es um das Hollywood der 50er Jahre und im Speziellen um die Entführung des berühmten Schauspielers Baird Whitlock (George Clooney). Daneben geht es aber auch um andere Probleme, die Eddie Mannix (Josh Brolin) zu lösen hat: mit der Presse und mit anderen Schauspielern.

Ich habe ein wenig das Gefühl, das große Staraufgebot soll über einen doch eher mittelmäßigen Film hinweg täuschen. Neben Clooney und Brolin sehen wir nämlich auch Ralph Fiennes, Scarlett Johansson, Tilda Swinton, Channing Tatum, Jonah Hill und andere bekannte Gesichter in dieser Produktion der Coen-Brüder. Bei der Fülle an Figuren passiert es leider, dass viele nur relativ wenig Screentime haben und nicht nur ihre Charaktere, sondern auch ihre Storyline im Prinzip vollkommen belanglos sind. (Und es bleibt die Frage, warum Jonah Hill im Abspann vor Scarlett Johansson genannt wird…)

Insgesamt ist Hail, Caesar! also von allem ein bisschen, aber nichts so richtig: nicht richtig lustig, nicht richtig dramatisch, nicht richtig satirisch und auch nicht richtig gesellschaftskritisch. Viele Stars können eine maue Story nicht retten. Der Film war nicht schlecht, er war okay, aber er war vor allen Dingen wohl etwas fürs Auge. Die süßen, zum Teil skurrilen Sets erinnerten mich fast ein wenig an Wes Anderson, und haben dem Film einiges gegeben. Über Mittelmaß kommt er dennoch nicht hinaus. 6.0/10 Punkte.


Erschütternde Wahrheit

Dieser Film mit Will Smith beruht auf einer wahren Geschichte. Im Jahr 2005 veröffentlichte der Neuropathologe Bennet Omalu den ersten wissenschaftlichen Bericht über Chronisch-traumatische Enzephalopathie bei einem ehemaligen Footballspieler. Diese Krankheit wird und wurde auch Boxer-Parkinson oder Boxer-Syndrom genannt, da Boxer hiervon ebenso betroffen sind wie Football-Spieler. Durch wiederholte Gehirnerschütterungen, ausgelöst durch wiederholte Schläge auf den Kopf während eines Spiels oder Trainings, kommt es zu Blutungen im Gehirn, die sich (auch erst einige Jahre nach der Sportlerkarriere) bemerkbar machen durch Gedächtnisverlust, Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen, Parkinsonismus, Sprechstörungen, verlangsamtem Gang sowie Depressionen, Suizidrisiko, Aggressivität und eventueller Demenz.

Dr. Omalu war also der erste, der dieses Syndrom auch bei ehemaligen Footballspielern entdeckte und publik machte. Der Film thematisiert seinen darauf folgenden Kampf mit der NFL. Die NFL ist eine der mächtigsten Organisationen in den USA und bemühte sich, Omalus Funde zu vertuschen und herunterzuspielen, ihn selbst als Scharlatan dastehen zu lassen.

You’re going to war with a corporation that owns a day of the week … the same day that church used to own.

Ich fand den Film sehr spannend und gleichzeitig erschreckend. Will Smith und Alec Baldwin haben mir sehr gut gefallen und haben die Geschichte über die ganze Länge getragen. Und ganz sicher ist der Film nicht nur für Fans von American Football sehenswert, sondern für alle, die einen interessanten Thriller sehen wollen, der veranschaulicht, welche Macht eine Institution wie die NFL ausüben kann. Aber gerade für Football-Fans ist dieser Film besonders empfehlenswert. 7.0/10 Punkte.


 

PS: Chronisch-traumatisch Enzephalopathie kann bisher nur post mortem, nach dem Tod, festgestellt werden. Bisher wurde die Krankheit bei 88 von 92 verstorbenen NFL Spielern festgestellt, sowie 33 Personen, die in der High School oder im College Football gespielt hatten. Im Dezember 2009 starb Chris Henry mit nur 26 Jahren bei einem Autounfall. Später wurde bekannt, dass auch er an CTE litt. Er ist damit der erste bekannte Fall eines noch aktiven Spielers mit dieser Krankheit.


Welche von diesen Filmen habt ihr auch schon gesehen? Wie haben sie euch gefallen? Und welche Filme schaut ihr momentan so im Kino?

 

 

 

10 Kommentare

  1. „Erschütternde Wahrheit“ werde ich mir auch ansehen, sobald mein Kino den endlich in’s Programm holt… Deine Review bestärkt mich auch noch mal darin, den Film zu sehen, zudem freue ich mich, Will Smith mal wieder in einer anspruchsvolleren Rolle zu sehen. 🙂

  2. Hui da waren ja vor allem die gehyped Filme diesmal so gar nichts. The Hateful Eight, da hatte ich mich auch sehr drauf gefreut, weil ich Django Unchained richtig mochte, werde den aber mal in Prime schauen und da lieber abwarten. Gleiches gilt nun für Hail Cesear, denn ein toller Cast reißt für mich auch nichts mehr raus, wenn die Storyline zu dünn ist. Neugierig gemacht hast du mich aber auf Will Smiths neuen Film, den hatte ich gar nicht so auf dem Schirm, aber Thriller mag ich total. Viele sagen ja auch, für diese Rolle hätte er eine Oscar Nominierung verdient. Kann ich jetzt nicht beurteilen, weil ich den Film nicht kenne, aber muss ja scheinbar was dran sein.

  3. Hallo,
    gut zu wissen, wollte mir hail cesear ansehen und war noch unschlüssig. Dann warte ich lieber, bis er ins TV kommt. Mein letzter Film war Deadpool und für März sind Kung Fu Panda 3 und Batman vs. Superman geplant
    Liebe Grüße
    Tanja

  4. Danke für die Erwähnung 😀
    Ich bin auch ein bisschen erstaunt darüber, dass Jennifer Jason Leigh überhaupt für diese Rolle nominiert wurde. In den Kommentaren unter meinem Artikel, den du auch hier verlinkt hast, meinte ein Kommentator, dass sie seiner Meinung nach alle an die Wand gespielt hätte. Das kann ich gar nicht nachvollziehen. Da frage ich mich doch … guckt man als Frau diesen Film anders?
    Weiß ich nicht. Ich sehe es immer noch so wie du.

    Erschütternde Wahrheit wäre vielleicht auch ein Oscar-Kandidat, hinterlässt einen komischen Beigeschmack. Klingt ja ziemlich gut in deiner Review! Warum gabs keine 10/10 Punkt von dir? 🙂

    1. 10/10 gab es von mir nicht, weil mir die Darstellung des Privatlebens von Dr. Omalu nicht gefallen hat. Das war nach meinem Geschmack nichts halbes und nichts ganzes. Entweder hätte man auf sein Privatleben intensiver eingehen müssen, sodass es ein Porträt von Omalu als Person geworden wäre, oder man hätte es kürzen sollen, damit der Fokus eindeutig auf dem Fall und der Entdeckung der Krankheit liegt. Die Mischung war mir da nicht ausgewogen genug. Dadurch ergaben sich ein paar Längen und Schwachstellen, die man hätte vermeiden können.

      Und ja, vielleicht sieht man The Hateful Eight bzw Jennifer Jason Leighs Rolle als Frau anders. Oder: vielleicht sehen gerade wir die Rolle anders, weil wir beide auf starke Frauenrollen wert legen und da mehr sehen wollen als eine kratzbürstige Straftäterin, die Blut im Gesicht hat!? Vielleicht wissen wir einfach, dass es besser geht? 😉

  5. Ich fand Jennifer Jason Leigh in „The Hateful Eight“ eigentlich ziemlich gut und gehöre damit wohl zur Minderheit unter den weiblichen Zuschauern, hab ich das Gefühl 😀 Ihre Abgebrühtheit und auch, dass sie nicht bei den frauenfeindlichen Sprüchen der Kopfgeldjäger kuscht, sondern sich im Gegenteil dagegen auflehnt, haben mir sehr gefallen. Ich hab das also ziemlich anders wahrgenommen 😉

    „Hail, Caesar“ wollte ich ja sowieso nicht sehen, weil ich die Filme der Coen-Brüder nicht mag und schon beim Trailer wusste, dass es mir hier genauso gehen würde. Die haben immer großartige Schauspieler dabei und dann langweilt mich die gesamte Story grundsätzlich komplett. (Ausnahmen: True Grit und Fargo.) Ich bin aber nun ganz froh, dass ich ihn tatsächlich nicht geschaut habe 😀

    Und „Erschütternde Wahrheit“ finde ich auch sehr interessant, der wird’s bei mir nun aber wohl auf DVD werden. Danke aber für den Tipp, so weiß ich, dass sich der Kauf dann auch lohnt!

  6. Ich hab Tarantinos neues Meisterwerk (und damit weißt du jetzt schon, wie ich ihn fand) und den Coen-Hollywood-Rundumschlag gesehen. Und ich fand beide wirklich sehr gelungen. Letzterer ist durchweg amüsant, gerade aufgrund der Seitenhiebe auf Religion und Politik und dem eigentlichen filmischen Anliegen: der Kritik am System Hollywood. Und Tilda Swinton in ihrer Doppelrolle ist einfach nur köstlich anzuschauen. 🙂

    1. Die Kritik am System Hollywood wurde für mich im Coen-Film leider nicht deutlich. Ich hab gemerkt, dass das die Absicht des Films war, aber das war für mich nicht gut umgesetzt. Da hätte man zB aus der Storyline um Scarlett Johansson so viel rausholen können, aber am Ende wurde es mit einem „Es wird ja doch alles gut“ abgebügelt. Vielleicht ist das aber auch zu komplex für mich 😉

  7. Echt schade das die The Haitful 8 nicht gefallen hat. Ich kann deine Kritik absolut verstehen. Aber das die erste Hälfte nichts passiert ist meiner Meinung nach nicht ganz korrekt. Ich fühlte richtig die Dicke Luft in dem Raum und das es doch etwas viele komische Zufälle sind, wer alles in diesem Raum sein soll. Ich fand das die erste Hälfte seinen Beitrag zum gesamt Film passt. Die Dialoge sind doch recht unterhaltsam und treiben die Spannung ins unermessliche.

    The Haitful 8 ist sicherlich nicht Tarantinos Meisterstück. Doch hat auch der Film seine Daseins Berechtigung. Mich würde lieber das Originale Drehbuch interessieren. Da Quentin ja recht angepisst war, als sein Drehbuch im Internet landete. Ich kann mir vorstellen, dass er das eine oder andere sicher abgeändert und angepasst hat. Daher wäre die Originale Fassung sicher interessant zum Vergleich. Ich hoffe das zumindest etwas davon auf der BlueRay / DVD erscheint.

    1. Für mich war die Atmosphäre in der ersten Hälfte des Films leider nicht greifbar. Aber ich gebe dir Recht: Ein Blick auf das Originaldrehbuch wäre sicher interessant. Tarantino ist sonst berühmt für seine schnittigen Dialoge, die habe ich persönlich vermisst, v.a. in der ersten Hälfte. Gut möglich, dass dies unter dem Leak gelitten hat.
      Mit 5,5 Punkten bewerte ich Tarantino mittelmäßig – es ist kein Verriss. Ich muss den Film nicht unbedingt bald wieder schauen. Er war mir zu lang und zu öde, aber er hatte durchaus seine Momente, ja. Davon gab es für mich nur leider zu wenige.

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