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Antihelden – Die echten Protagonisten [Blogparade]

Miss Booleana hat zu einer Blogparade aufgerufen, bei der ich einfach nicht Nein sagen kann. Denn es geht um Antihelden, und wie ich ja bereits bei der Marry Me-Blogparade festgestellt habe, ist es viel einfacher, schwierige, verkorkste Charaktere zu finden als nette.

Doch was ist ein Antiheld?

Miss Booleana definiert den Begriff so, dass Antihelden echter und menschlicher sind:

Daher der Beititel der Blogparade: ‚echter‘ Protagonist. Denn Antihelden sind nicht frei von Fehlern. Sie haben Ängste, Schwächen, eher Einzelgänger oder sind nicht hübsch. Im Gegensatz zu so manchem Saubermann, der mit seinem Zahnpasta-Lächeln den Tag rettet und dem scheinbar alles gelingt. In den Antihelden können wir uns aber besser hineinversetzen, denn wir sind alle nicht fehlerfrei. Und das ist es, was den Antiheld meist dann doch irgendwie liebenswert macht. Oder dafür sorgt, dass wir umso mehr mit ihm oder ihr mitfiebern. Selbst wenn der Antiheld so ‚anti‘ ist, dass wir ihn oder sie nicht mal besonders mögen.

(Miss Booleana)

Antihelden sind für mich diejenigen, die nicht durchweg gut sind. Sie zweifeln, sie hadern, sie scheitern und manchmal greifen sie vielleicht auch zu den falschen Mitteln, um ihre Ziele zu verfolgen. Hier folgt nun also meine Liste der Antihelden 🙂

Die Reihenfolge entspricht der alphabetischen Ordnung, keine Wertung.

Billy Hope (Jake Gyllenhaal in Southpaw, Film)

Auch wenn es sich bei „Southpaw“ um eine relativ klassische Comeback-Story handelt, finde ich Jake Gyllenhaal hier als Antihelden großartig. Er ist der Boxer und der Vater, der sich wieder nach oben und zurück ins Leben kämpfen muss – und dabei ist er bei weitem nicht perfekt. Er verliert, auch durch seine eigenen Fehler, beinahe alles, was ihm wichtig ist und muss sich dann selbst beweisen, dass er es besser kann.

David “Noodles” Aaronson (Robert De Niro in Es war einmal in Amerika, Film)

Ich denke, Helden in Gangsterfilmen können fast nur Antihelden sein, denn zumindest ich stehe ihnen immer ambivalent gegenüber. Vielleicht kann ich verstehen, wofür sie kämpfen und was ihre Ziele sind – aber sie bleiben Gangster. Sie gehen im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen, setzen Waffe ein, schmuggeln Drogen und Alkohol. All das sollte ein wahrer Held doch eigentlich nicht tun, oder? In „Es war einmal in Amerika“ begleiten wir Robert De Niros Figur Noodles über Jahrzehnte hinweg auf seinem Weg durch die Gangsterwelt und fragen uns, ob er am Ende vielleicht doch noch zu einem wahren Helden werden kann.

Driver (Ryan Gosling in Drive, Film)

„I drive“, sagt Ryan Gosling so lässig. Er fährt doch nur. Ist ja eigentlich nichts dabei, oder? Ja, leider hat der namenlose Driver dann doch ein paar Probleme sein Temperament im Zaum zu halten, um es mal freundlich auszudrücken. Für mich ist er der Antiheld – die erste Figur, die mir zu diesem Thema eingefallen ist.

„My hands are a little dirty.“

Elliot Alderson (Rami Malek in Mr Robot, Serie)

Elliot ist so dermaßen kaputt, dass ich ihn einfach nur in den Arm nehmen und trösten möchte. Sein Charakter tut mir in der Seele weh, anders kann ich es nicht sagen. Und eigentlich kann ich auch nicht viel über ihn erzählen, ohne allzu viel über die Serie zu spoilern. Ich sage nur Drogen, Sozialphobien, Einsamkeit, schwierige Kindheit. Und trotzdem ist er mein Held.

„This is it. Time to shut them down.“

Jimmy “B-Rabbit” Smith (Eminem in 8 Mile, Film)

From rags to riches, der amerikanische Traum – Rabbit versucht ihn zu leben, versucht, sich aus der Hölle von Detroit zu lösen und es in der Rapszene zu irgendwas zu bringen, um seiner Familie, vor allem seiner kleinen Schwester, etwas bieten zu können. Sein Charakter und Verhalten dabei ist fragwürdig, aber er kennt es nicht anders. Und obwohl Eminem bestritten hat, der Film wäre autobiographisch, frage ich mich gerade doch, ob auch Eminem selbst ein Antiheld ist? 😉

Keller Dover (Hugh Jackman in Prisoners, Film)

Selbstjustiz ist wohl ein starkes Motiv, um einen Helden zum Antihelden zu machen. Und Hugh Jackmans Charakter in „Prisoners“ ist ein herausragendes Beispiel dafür. Wir fühlen mit ihm, wir können ihn verstehen, wir können nachvollziehen, was in ihm vorgeht – und doch greift er zu Mitteln, die ihm nicht zustehen und die ihn zur Gefahr werden lassen. Ein beeindruckender Charakter in einem großartigen Film.

Louis Bloom (Jake Gyllenhaal in Nightcrawler, Film)

Eigentlich gibt es an Louis Bloom nichts, das ich sympathisch finde. Und doch folge ich ihm durch diesen Film, voyeuristisch und sensationsgeil wie er. Louis ist gierig, egozentrisch und skrupellos und hält uns oder zumindest unserer Gesellschaft damit einen Spiegel vor. Er ist kein Charakter, den man mögen soll; er ist ganz sicher kein Held, aber interessant ist er allemal.

Max Rockatansky (Tom Hardy in Mad Max: Fury Road, Film)

Max, der ewige Einzelgänger, der in seiner eigenen Geschichte beinahe eine Nebenfigur ist. Ich weiß gar nicht, ob ich zu Max noch viel sagen muss – er ist definitiv ein Held, aber ein sperriger, ein schweigsamer, ein eigenbrödlerischer.

„As the world fell, each of us in our own way was broken. It was hard to know who was more crazy: me or everyone else.“

Rorschach (Jackie Earle Haley in Watchmen, Film)

Der Mann mit der Maske, der das ganze Geschehen in seiner zynischen, beinahe poetischen Art kommentiert. Ist er überhaupt noch einer von den Guten, ein Superheld? In ‚Watchmen‘ stehen er und seine Kollegen vor genau dieser Frage: Polizei und Bevölkerung wollen die Watchmen nicht mehr, denn wer passt auf die Watchmen auf? Also müssen Rorschach & Co zu anderen Mitteln greifen, um nicht nur ihr Ansehen, sondern vielmehr ihr Leben und die Welt zu schützen.

„The world will look up and shout: ‚Save us!‘ and I’ll whisper ‚No‘.“

Walter White (Bryan Cranston in Breaking Bad, Serie)

Walter White, anfangs ein unscheinbarer Chemielehrer aus Albuquerque, ist wohl einer der bekanntesten und beliebtesten Antihelden. Die Entwicklung seines Charakters ist beeindruckend und für mich der Grund, warum Breaking Bad so gut ist. Wir können seine Motive nachvollziehen, sehen in ihm anfangs nicht den Bösewicht – aber genau das ändert sich im Laufe der Serie (mehrfach) und das macht „Heisenberg“ eigentlich zum perfekten Antihelden.

So, das war meine Liste.

Wie würde eure Liste aussehen? Wer sind eure liebsten Antihelden? Schreibts in die Kommentare oder macht auch bei der Blogparade mit 🙂

9 Kommentare

  1. Großartige Liste! Ich freu mich über Elliot aus Mr. Robot (auch wenn ich aufgrund schlechter Qualität mitten in der ersten Staffel aufgehört hab^^) und Keller Dover aus Prisoners – gerade bei letzterem stimme ich absolut mit dir überein. Seine Motive sind edel, seine Vorgehensweise mal so überhaupt nicht.^^

  2. Eine tolle Liste! Die mir vor Augen hält, dass ich definitiv zu wenig Filme kenne. Die allermeisten aus deiner Liste habe ich nicht gesehen, aber schon mindestens drei, die ich nun dringend sehen will. 🙂

    Lieben Dank und Grüße!
    Sarah

  3. Super Liste – du hast einige Leute drauf, die ich auch aufm Schirm hatte, dann aber doch nicht gewählt habe: den Driver, Elliot und Louis! <3 Statt Walter White habe ich Jesse Pinkman gewählt. Auf Rabbit/Eminem wäre ich im Traum nicht gekommen, obwohl ich "8 Mile" liebe. Auch Hugh Jackmans Charakter in "Prisoners" war mir nicht präsent genug, aber beide sind auch richtig gute Kandidaten!

    Aber Tom Hardys Max ist wohl irgendwie zu sehr Held für mich. 😉 Ja, er ist sperrig, "mad", aber für mich gehört zu einem Antihelden auch, dass er teilweise in einer Art und Weise handelt, die ich nicht gut heißen kann. Und da finde ich bei ihm irgendwie nix.

  4. Nightcrawler Jake, na klar! Das passt perfekt. Hätt ich auch drauf kommen können! Prisoners Hugh, Mad Max Hardy und Walter White, auch gut gewählt. Der Driver ist für mich allerdings der perfekte tragische Held. Den Rest kenne ich nicht oder kann mich zu weing erinner. Tolle Liste!

    1. Ohja, die Figur des tragischen Helden – ich gestehe, an diese Klassifizierung habe ich nicht gedacht. Das hat sich wahrscheinlich hier bei mir mit dem Antihelden vermischt, vermutlich nicht nur beim Driver.

  5. An 8 Mile hätte ich nie gedacht.

    Breaking Bad schaue ich gerade und Walt ist wohl tatsächlich der klassische Antiheld. Aber mögen kann ich ihn einfach nicht 😀 Auch wenn die Serie gerade wegen ihm so gut ist.

  6. Vielen Dank fürs mitmachen! 😀 Habe deine Liste sehr gelesen, da sind einige Antihelden dabei, die ich selber auch sehr gern mag und bei denen ich gern zwischen Gut und Böse viele Grauschattierungen sehe. Besonders freut mich, dass du Nightcrawler und Elliott aus Mr Robot genannt hast 😀

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