Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Bücher

[Gelesen] Antonia Michaelis – Der Märchenerzähler

Anna ist ein ganz normales Mädchen aus der oberen Mittelschicht. Sie macht Abitur, spielt Querflöte und Klavier, ihr Vater ist Arzt, ihre Mutter Professorin, sie wohnen in einem schönen Haus mit blauem Licht. Nach dem Abi will Lena nach England gehen, und dann Musik studieren.
Dann wird sie in der Schule eines Tages neugierig auf den geheimnisvollen Abel Tannatek, über den sie nicht viel mehr weiß, als dass er mit Drogen handelt. Doch Abel ist anders. Abel erzählt Geschichten, wunderschöne Geschichten. Ehe Anna sich versieht ist sie Teil dieser Geschichte – doch was, wenn die Geschichte wahr ist? Was, wenn sie einen Mörder küsst?
Meine Meinung
Ich habe nun einige Tage überlegt, wie ich die Rezension zum Märchenerzähler aufbauen soll. Was soll ich sagen zu diesem Buch? Wie beschreibt man ein Buch, das einen dermaßen fassungslos, aufgewühlt, berührt zurücklässt? Ich werde es versuchen, aber ich weiß, dass es mir nicht zur Gänze gelingen wird.
Die Atmosphäre in Der Märchenerzählerist sehr dicht, der Schreibstil ist sehr poetisch und träumerisch, aber doch nicht zu abgehoben. Gleichzeitig gelingt es der Autorin den richtigen sprachlichen Mittelweg zum Jugendbuch zu finden. Ich klebte an Antonia Michaelis‘ Worten wie Honig und ich denke gerade ihr Sprachstil hat so sehr dazu beigetragen, dass ich mich so in die Geschichte einfühlen konnte. Nicht nur die reale Welt, nein, auch die Märchenwelt ist so fein gezeichnet und so plastisch beschrieben, dass ich immer das Gefühl hatte, dort zu sein. Und das liebe ich.
Anna und Abel sind keine einfachen Charaktere, aber sie passen und sie waren mir sympathisch. Ich konnte Annas Gefühle für Abel sofort nachvollziehen, auch wenn es vielleicht etwas schnell ging. Und auch obwohl diese Gefühle eigentlich gar nicht nachvollziehbar sind. Es ist komisch, aber ich war sofort auf Annas Seite. Und auch als ihre Beziehung an einen schrecklichen Wendepunkt gerät konnte ich Anna verstehen. Annas und Abels Geschichte hört sich so klischeehaft an: Reiches Mädchen verliebt sich in bösen Buben – aber sie ist so viel mehr, so ganz anders als jedes Klischee. Sie ist laut und leise zugleich, schön und schrecklich, schnell und unglaublich zäh im gleichen Moment. Und man wird selbst zu Anna, möchte die Hand ausstrecken und Abel retten.
Und während Abel seine Märchen erzählt weiß der Leser, das da noch irgendwas anderes ist – irgendwer. Die Frage, wer da nun ist, konnte ich bis zum Ende nicht so ganz beantworten. Immer wieder wurden Fährten in die falsche Richtung gelegt, und somit die Spannung aufrecht erhalten. Bis zum Ende, welches mich dann vollkommen aus der Bahn geworfen hat. Um Sonne zu zitieren: „So etwas trauen sich nicht viele. Und deswegen liebe ich dieses Buch.“
Spannung ist sowieso ein gutes Stichwort. Das Buch ist spannend, auf seine eigene Weise. Vor allem aber ist es voll mit Gefühl, mit Liebe und Leid und mit Hilferufen. Ich hatte schon vorlaut behauptet, Elfenmagie würde mein Buch des Jahres werden. Jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher, denn Der Märchenerzähler hat ebenfalls Chancen auf diesen Titel. Der Märchenerzähler hat mich aufgewühlt, aufgeschreckt, berührt, sprachlos gemacht. Deswegen verliere ich an dieser Stelle keine weiteren Worte, sondern empfehle euch das Buch zum Lesen!

9 Kommentare

  1. eine wirklich gut gelungene rezension! nicht zu lang, nicht zu kurz, eher persönlich und gut geschrieben 😀 ich finde das buch jetzt so ansprechend, dass ich es gleich auf meine amazon wunschliste packe! vor dem ende habe ich zwar ein bisschen angst, aber unerwartete enden sind es, die einen eine geschichte nicht so schnell vergessen lassen. zumindest geht es mir so.

  2. Wie du es beschreibst, klingt es so unglaublich interessant O_O

    Das kommt direkt auf die Einkaufsliste!

    und jaaa…wegen Apfelstrudel und Co. du bist nicht die erste, die ungläubig den Kopf schüttelt. Wobei beim Apfelstrudel lasse ich mich gerne belehren. Ich habe nur einmal einen in Prag probiert und da war er so grauenhaft! 😀 da konnten auch die zwei Kugeln Eis nicht hinweg helfen T__T
    Apfelkuchen hingegen ist der reinste Wahnsinn *__*
    da könnte ich mich reinsetzen!

  3. Ich freu mich sehr, dass dir das Buch ebenso gefallen hat wie mir! Wobei ich Anna zwischenzeitlich noch arg naiv fand [ich glaube nicht, dass ich das, was in dem Bootshaus geschehen ist, je verziehen hätte]. Dennoch, Michaelis hat mit dem Werk sicherlich etwas ziemlich geniales und schönes geschaffen. Kann dir also nur zustimmen 😉

  4. Tolle Rezension, hatte direkt wieder Gänsehaut bei dem Gedanken an das Buch 🙂 Du hast genau auf dem Punkt getroffen, was ich mir damals auch gedacht habe. Ein Wahnsinns-Buch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: