Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Allgemein Alltag Schreiben

Ashley und ich. Eine Geschichte.

EswareinmalAshley und mich, uns verbindet eine ganz besondere Geschichte. Wir trafen uns, als ich ungefähr vierzehn Jahre alt war und sie muss damals im gleichen Alter gewesen sein.

Ashley – das kleine, aber robuste Mädchen aus Detroit. Sie hatte immer so strohiges blondes Haar, große braune Augen und eine Menge Sommersprossen auf der Nase. Mit ihren Eltern, ihrem älteren Bruder und ihrer kleinen Schwester wohnte sie in einem wunderschönen, großen Haus. In der High School besuchte sie einen Deutschkurs und manchmal half sie nach der Schule in einem Café aus, das den Eltern ihrer besten Freundin gehörte. Sie war ein bisschen wie ich, aber auch ganz anders. Wahrscheinlich weil wir beide mitten in der Pubertät steckten. Wir hatten den Kopf voll von Jungs und anderen Dummheiten. Vor allem Ashley, sie hatte ziemlich viele Dummheiten im Kopf.

Ashley – das Mädchen, das ich erfunden habe.

Ich habe schon immer geschrieben, mir schon immer Geschichten ausgedacht. Meistens waren es kurze Geschichten, die nach wenigen Tagen oder Wochen wieder vergessen waren. Aber nicht Ashleys Geschichte.

Ashleys Geschichte sollte etwas größeres werden, das wusste ich von Anfang an. Sie war eine der ersten Geschichten, die ich an meinem eigenen Computer tippte. Vor zehn, elf Jahren. Es grenzt an ein Wunder, dass die Geschichte bis heute nicht verloren gegangen ist, muss sie doch sicher über drei, vier, fünf PCs gewandert sein. Ich habe sonst nichts digitales mehr, das so alt ist. Keine Fotos, keine Musik, keine anderen Geschichten aus dieser Zeit. Nichts, nur Ashley.

Ashley und ich, wir haben uns verändert im Laufe der Zeit. Ich lasse sie sehr oft, sehr lange links liegen. Dann schau ich sie wieder an und sie gefällt mir nicht mehr. Nein, stopp, Ashley gefällt mir immer. Aber die Leute um sie herum gefallen mir nicht mehr oder die Wege, die sie geht, gefallen mir nicht mehr. Dann nehme ich Ashleys Geschichte und schreibe sie noch mal neu, aber immer bleibt ein Teil unserer gemeinsamen Vergangenheit erhalten.

Ich habe Ashleys Geschichte nie geplant. Habe ich mal versucht, hat nicht funktioniert. Ich weiß, wo sie enden wird, das wusste ich von Anfang an, so wie ich es bei meinen Geschichten immer weiß. Aber ich weiß noch nicht, was Ashley noch alles erleben wird, bis es zuende ist. Das letzte Mal, als ich sie gesehen habe, hat sie sich in einen Jungen verliebt, von dem ich es nie erwartet hatte. Oder hatte ich es doch? Er war eigentlich schon immer etwas besonderes gewesen.

Und nun blätter ich durch all die Geschichten und stelle fest, dass ich Ashley im November 2013 zum letzten Mal gesehen habe. Schon wieder fast zwei Jahre her.

Wo sind nur all die Jahre hin? Und was soll nur aus Ashley werden?

10 Kommentare

  1. Das klingt ein bisschen wie bei mir und meiner kleinen Fantasy-Geschichte – auch immer wieder rumgeschrieben und dann monatelang oder gar jahrelang liegen gelassen. Ich würde deshalb sagen: Schreib immer dann, wenn du Lust drauf hast. Quäl dich damit nicht, sonst magst du Ashley irgendwann nicht mehr 🙂

    1. Nein, damit quäle ich mich ganz sicher nicht. Das ist so eine Geschichte, die quasi immer mal wieder in mein Leben tritt, die ich dann wieder aufgreife und dann halt liegen lasse, bis mir wieder was Neues einfällt. Ich komme halt immer nur an einen bestimmten Punkt und weiß dann nicht mehr, wie es weitergehen soll. Aber vielleicht muss es das ja gar nicht 😉

  2. Sehr schön geschrieben. Und mir gefällt die Idee irgendwie, dass auch so eine Figur ihre unvorhergesehenen Dinge und Wendungen erlebt und sich verändert. Sicherlich sehr spannend so was als Autorin zu erleben. 😉

    1. Danke 🙂 Ja, Figuren haben irgendwie tatsächlich oft ihren eigenen Kopf und auf einmal schreibt man etwas, was man nie geplant hat. Da haben sie sich durchgesetzt.

  3. Interessant, dass es nicht nur mir so geht, dass ein bestimmter Charakter immer mal wieder sein Haupt erhebt und sagt: Hier bin ich und ich mach jetzt was, womit du gar nicht gerechnet hast!

    In meinem Fall ist einfach nicht der richtige Zeitpunkt, um mit dieser Figur dann auch wirklich etwas anzustellen. Aber wieso soll es deiner Ashley nicht besser gehen? Ich würde auch sagen: schau einfach mal, was passiert, wenn ihr euch regelmäßig sehen solltet. Müssen ja nicht immer zwei Jahre sein. Vielleicht machst du dir einen kleinen vierteljährlichen Reminder in deinen Kalender, wie du es bei realen Freundinnen vielleicht auch tun würdest: ich muss mal wieder nach Ashley sehen.

    Ich wäre sehr gespannt, wie es dir damit geht!

  4. Liebe Frau Margarete,

    das finde ich höchst spannend, eine Geschichte und eine Figur, die Dich so lange begleitet.

    Da bin ich mal gespannt wie das mit Ashley und Dir weiter geht 🙂

    Liebe Grüße,
    Mirtana

    1. Danke, das positive Feedback zu diesem Beitrag freut mich wirklich sehr und ich werde bestimmt in Zukunft noch mal über Ashley berichten 🙂

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