Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Bücher

[Gelesen] Beth Gutcheon – Ein Käfig voller Mädchen

1959 ist das Jahr, in dem Muffin, Lisa, Jenny, Ann und Sally aufeinandertreffen: Sie sind „die Neuen“ in Miss Pratts Schule für höhere Töchter. Gemeinsam erleben die Mädchen die Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens – in einer Zeit, in der auch die Gesellschaft einen tief greifenden Wandel erfährt. 15 Jahre später begegnen die Freundinnen sich wieder, und es wird klar, wessen Träume sich erfüllt haben und wer gescheitert ist…

„Das einzige Mal, dass ich mich erinnere, wirklich Angst gehabt zu haben, war, als wir in einem Nationalpark auf einen Feuerwachturm geklettert sind. Da hatte ich ein bisschen Angst, weil es so hoch war, aber nicht wirklich vor dem Fallen. Irgendwie hatte ich mehr Angst, ich könnte auf die Idee kommen, zu springen.“ (S.88)
Meine Meinung
Der amerikanische Originalroman erschien bereits 1979 unter dem Titel „The New Girls“, doch erst 2008 wurde die deutsche Version im Weltbild-Verlag veröffentlicht. Ich fand das Buch im Regal meiner Mutter und der Klappentext lockte mich sehr. Trotz überwiegend negativen Kritiken im Internet begann ich zu lesen. Und möchte nun ein Plädoyer für dieses Buch schreiben.
Dass man keinen Abenteuerroman oder Actionthriller erwarten darf, wenn man dieses Buch liest, sollte klar sein. Viel mehr stöbert man in einer kritischen Gesellschaftsstudie, in einem Roman, der die Geschichte vom Erwachsenwerden erzählt, eingebettet im neureichen Amerika der 60er Jahre. Ein Buch über fünf Freundinnen, die außergewöhnlich gewöhnliche Probleme haben und spannende Erfahrungen machen – von der ersten Liebe zur Sexualität, über Alkohol und Drogen, Anerkennung, Streitigkeiten, Figurprobleme..!

„Selbst mit geschlossenen Augen konnte sie jeden Zentimeter von ihm sehen, und sie wünschte sich, dass er blieb, genau hier, genau so, für immer und alle Zeit.“ (S.164)

In einer sehr hasserfüllten Rezension las ich die Kritik, ein Mädchen würde dem anderen gleichen, man könne sie nicht unterscheiden. Dem muss ich vehement widersprechen, denn wenn man das Buch wirklich mit Interesse liest (und selbst wenn nicht), unterscheiden sich die Mädchen deutlich.
Die stürmische Sally, die aus einem zerrüttenen Elternhaus kommt und deren wichtigste Bezugspersonen ihre chaotischen, rebellischen Brüder sind.
Die hübsche Lisa, die einen krankhaften Geltungsdrang hat, mit Essstörungen kämpft und auf der Suche nach der wahren Liebe viele Frösche küssen muss.
Die talentierte Jenny, deren Herz nicht nur für die Musik, sondern auch für eine verbotene Liebe schlägt, und die nicht zuletzt mit dem Tod ihrer Mutter und der Homosexualität ihres Vaters konfrontiert wird.
Die moppelige Muffin, die mit der Zurechtweisung ihrer Mutter kaum klar kommt und die stets bemüht ist, es allen recht zu machen und die Schuld für schiefgelaufene Dinge immer bei sich sucht.
Und schließlich die ruhige Ann, die sich von ihren Eltern ungeliebt fühlt, sich früh der Poesie widmet und sich elementaren Fragen der Religion und Gerechtigkeit stellt.
Alle die Mädchen sind fein gezeichnet, gut beschrieben und man entwickelt ganz besondere Sympathien oder Antipathien für sie. Auch die männlichen Personen im Buch, die nicht ganz so differenziert sind, wirken glaubhaft, amüsant und doch irgendwo tragisch.

Natürlich wird man in diesem Buch mit vielen Namen, Orten und Gesellschaftstraditionen konfrontiert, doch der rote Faden, nämlich die Entwicklung der Mädchen und ihre Freundschaft, bleibt stets im Fokus. Leichte Kost ist das Buch mit all den schwierigen Themen nicht unbedingt, doch Autorin Beth Grucheon schafft es hin und wieder mit trockenem Humor die Situationen aufzulockern und die Charaktere glaubhafter zu machen. Generell schreibt sie sehr pragmatisch und gleichzeitig einfühlsam. Der direkte und wenig verschnörkelte Schreibstil trifft die Emotionen oft auf den Punkt, sodass ich nicht selten selbst ein Kribbeln im Bauch oder Tränen in den Augen hatte.

„Ich hatte eine Freundin, die einmal gelogen hat. […] Sie hat Gerüchte über ein Mädchen verbreitet, das niemand von uns leiden konnte. Aber dann hat sie ein schlechtes Gewissen bekommen und ist zur Beichte gegangen. […] Auf jeden Fall hat der Priester ihr befohlen, eine große Schachtel mit Federn auf die Treppe des Hauses zu stellen […]. Und am nächsten Tag, wenn der Wind alle Federn weggeblasen hatte, sollte sie mit der Schachtel losgehen und die Federn alle wieder einsammeln.“ (S..287)

Man muss sich schon ranwagen an das Buch und auch darauf einlassen, denn eine Lektüre für Zwischendurch ist dies gewiss nicht. Doch wenn man bereit ist, den Geist der 60er und des Internatslebens in sich aufzunehmen und Interesse an der Geschichte findet, die ich aufgrund der vielen Höhen und Tiefen und dem weniger glücklichen Ende als „Drama“ verorten würde, dann kann ich dieses Buch durchaus empfehlen. Ich vergebe 6 von 7 Buchpunkte!

4 Kommentare

  1. Hört sich echt gut an, komme aber momentan sooo ganrnicht zum lesen, hab neben zahlreicher Schullektüre noch 3 weitere Bücher liegen, die ich gerne lesen würde!

  2. heeey 🙂
    ich möchte mir auf der rechten schulter was geschnörkeltes machen mit kirschblüten, einigen wörtern, den anfangsbuchstaben meiner mama, papa und meines bruders und dann noch schmetterlinge 🙂 hab das alles selbst gezeichnet mal schauen wann denn mein tattootermin kommen wird.

    Liebste Grüße moni_♥
    'Schmetterlingsparadies ♥

  3. Klingt gar nicht schlecht, das Buch! Vielleicht schaue ich mich mal danach um, deine Rezension ist nämlich total gut gelungen. Interessant finde ich auch deine Anspielung auf andere Rezensionen!
    Sehr schön gelungen 🙂

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