Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Allgemein Alltag

„Ich wäre niemand, der für sich alleine Tagebuch schreibt. Da fehlt mir die Motivation.“

Von Oktober 2014 bis September 2015 habe ich mich im Rahmen einer Forschungsarbeit an der Ruhr Universität Bochum mit dem Thema Blogger und Blogs beschäftigt. Dabei habe ich untersucht, welche Motivation Blogger antreibt, ob sie das Bloggen als Arbeit betrachten und wie sich Arbeit/Bloggen/Freizeit verschieben und miteinander verschwimmen. Diese Ergebnisse teile ich in der Artikelreihe „Wie ticken Blogger?„.

Inhalt der Artikelreihe „Wie ticken Blogger?“
  1. Einleitung & Motivation: Informationen und Mehrwert
  2. Motivation: Kommunikation
  3. Motivation: Spaß und Selbstverwirklichung
  4. Motivation: Geld
  5. Ist Bloggen Arbeit oder Vergnügen?
  6. Entgrenzung von Arbeit und Leben: Wie wirkt sich Bloggen auf den Hauptberuf oder die Freizeit aus?
  7. Fazit / Überblick

Ein Blog ist eine zeitintensive Beschäftigung, auch wenn man es nicht hauptberuflich betreibt. Die im Rahmen dieser Forschungsarbeit befragten Blogger gaben an, dass sie wöchentlich rund fünfzehn Stunden in ihren Blog investieren, also etwas mehr als zwei Stunden täglich. Ein Blogger befasst sich nicht nur mit dem reinen Schreiben eines Beitrags. Hinzu kommt beispielsweise das Pflegen von Kontakten, sei es zu Kooperationspartnern, Lesern oder anderen Bloggern. Viele Blogger sind in dieser Hinsicht stolz auf ihre breite Stammleserschaft und die gute Beziehung, die sie zu dieser pflegen.

Motivationen zum Bloggen

Die Frage ist nun also, was veranlasst Blogger, einem derartig zeitintensiven Hobby nachzugehen? Welche Motivation treibt sie an? Ausgehend vom Interviewmaterial können 3 Bereiche ausgemacht werden, in denen die Hauptmotive zu finden sind: Erstens Information und Mehrwert, zweitens Kommunikation und drittens Spaß und Selbstverwirklichung. Heute stelle ich Euch den Bereich „Kommunikation“ vor.

Kommunikation

Das Prinzip eines Blogs ähnelt dem eines online geführten Tagebuchs. Von Beginn an war es jedoch so, dass sich Blogs durch die Kommentarfunktion von anderen Webseiten unterschieden. Sie forderten und förderten die Kommunikation mit Lesern und deren Partizipation an Diskussionen.

Einerseits scheinen Blogger durch ihre Beiträge den Lesern etwas mitgeben zu wollen (Mehrwert), andrerseits fühlen sie sich durch die Rückmeldung der Leser auch in dem bestätigt, was sie tun. Diese Wechselwirkung in der Kommunikation zwischen Blogger und Leser ist für alle eine entscheidende Motivation, einen Blog zu führen.

“ (…) weil wenn mir die Leser irgendwann anfangen wegzubleiben, habe ich auch keine Grundlage mehr um überhaupt zu bloggen oder Kooperationen zu bekommen.“

“ (…) ich hab Spaß dran, weil ich Feedback bekomme, weil ich Kommentare kriege (…) Ich wäre niemand, der jetzt für sich alleine in sein Tagebuch schreibt. Dann, da fehlt mir dann die Motivation.“

Dies sieht man auch an der aktuellen Diskussion in der Blogosphäre, in der zum Beispiel die Chaosmacherin beklagt, dass auf ihrem Blog zu wenig Interaktion herrscht. Das macht deutlich, wie wichtig die Kommunikation zwischen Blogger und Leser für die Motivation ist. Und Bullion formuliert treffend: Kommentare sind der Applaus der Blogosphäre.

Die Kommunikation mit den Lesern, zum Beispiel die Erfahrung von Lob, ist eine extrinsische Motivation. Dies wird vor allem deutlich in der Aussage „Ich wäre niemand, der für sich alleine in sein Tagebuch schreibt.“ Das zeigt, dass das Schreiben an sich nicht allein die Motivation sein kann, sondern dass die Kommunikation mit Außenstehenden ein wichtiger Antrieb ist.

Extrinsische Motivationen, zum Beispiel in Form von Geld, können zur Folge haben, dass die intrinsische Motivation nachlässt (Korrumpierungs-/ Unterminierungseffekt, vgl. Schürmann 2013: 32). Bei dieser Form eines nicht-materiellen äußeren Einflusses durch Kommentare (Lob, Anerkennung) jedoch kann die Kompetenz und Selbstbestimmtheit des Bloggers bestärkt werden und somit auch die intrinsische Motivation steigern.

Während die oben gewählten Zitate darauf hindeuten, dass die Kommunikation mit Lesern eher eine egoistische Motivation darstellt, um für die eigenen Beiträge Lob oder Diskussionsanregungen zu bekommen, zeigen andere Aussagen jedoch, dass dies nicht immer ausschließlich der Fall sein muss.

„Dass ich eben andere Leute irgendwie auf irgendeiner Ebene erreichen kann und dass die so ein bisschen aus ihrem Alltag rauskommen.“

„Ich möchte weiterhin, dass es mir Spaß macht und ich möchte weiterhin, dass ich anderen Leute damit irgendwie Freude machen kann.“

Neben der reinen Vermittlung von Informationen und Mehrwert und der sozialen Anerkennung, ist es den Bloggern also auch wichtig, ihren Lesern Unterhaltung und Inspiration zu bieten. In der Tat ist „Unterhalten“ ein wichtigeres Motiv für Blogger als „Soziale Anerkennung“ (Schenk et al 2014: 28).


Welche Rolle spielt die Kommunikation mit den Lesern für euch beim Bloggen? Wie wichtig sind euch die Kommentare unter euren Artikeln? Und welche Möglichkeiten nutzt ihr neben dem Blog, um mit Lesern zu kommunizieren?


Quellen
  • Schürmann, Lisa Katrin (2013): Motivation und Anerkennung im freiwilligen Engagement. Kampagnen und ihre Umsetzung in Internet und Social Media. Springer VS Results: Wiesbaden/Nürnberg.
  • Schenk, Michael; Niemann, Julia; Briehl, Anja (2014): Blogger 2014. Das Selbstverständnis von Themenbloggern und ihr Verhältnis zum Journalismus, online verfügbar unter https://www.dfjv.de/documents/10180/178294/DFJV_Studie_Das_Selbstverstaendnis_von_Themenbloggern.pdf (zuletzt abgerufen am 26.09.2015, 19:30 Uhr)

Im nächsten Teil dieser Artikelreihe geht es um Spaß & Selbstverwirklichung als Motivation. Schaltet wieder ein, wenn es heißt: wie ticken Blogger?

 

8 Kommentare

  1. Danke für die Verlinkung. Schön, dass sich das Thema so organisch hier einfügt. Wird deine Forschungsarbeit eigentlich auch noch weiter verwertet? Ist ja ein Thema, das auch für die Geschäftswelt, sprich Influencer Marketing usw. interessant wäre.

    1. Da ist momentan keine weitere Verwertung geplant, nein. Ich denke mit nur 4 Befragten ist da vielleicht die empirische Basis doch zu klein. Aber vielleicht sammel ich mal das Feedback, das ich hier bekomme, füge es noch in die Arbeit ein und biete es dann als kostenlosen Download an oder so 🙂 Für diejenigen, die sich auch für den theoretischen und wissenschaftlichen Hintergrund interessieren.

  2. Yay, auf die Artikelserie freue ich mich schon sehr. Und du hast mich damit zum Kommentieren angestiftet … Habe ich das hier jemals schon oder habe ich bloß still mitgelesen? Ich weiß es nicht.
    Ist aber auch egal, denn beim Bloggen geht es mir in erster Linie ja ohnehin darum, dass ich hemmungslos vor mich hin salbadern kann und einen Ort habe, wo ich die vielen Worte in meinem Kopf abladen kann.
    Obwohl, eigentlich … Nein … Dass es vertrackt ist, wissen wir wahrscheinlich alle. Ich habe dennoch genau so angefangen: Gedanken abladen … Und ein Blog statt einem Tagebuch ist es geworden, weil ich natürlich Resonanz haben wollte für meine Gedanken. Aber das war erst der zweite Schritt. Für mich war Blog statt Tagebuch schon von Anfang an eine Selbstverständlichkeit. Tagebuch ist weniger Teil meines Denk-Kosmos gewesen als Blog.

    Mittlerweile lege ich viel Wert auf die Kommunikation. Bei meinen Viel-Kommentierern habe ich eine Vermutung, was sie wohl sagen werden und freue mich gleichermaßen, wenn ich recht habe oder daneben liege und sie mich überraschen. Ich bemühe mich, auf jeden Kommentar zu reagieren, weil ich es wie bullion sehen. Kommentare sind – auch – Applaus. Und bei vielen Beiträgen, gerade wenn man mal eine Meinung raushaut, der eigentlich interessante Teil des Bloggens.

    1. Ob du hier schon kommentiert hast, weiß ich auch nicht 🙂 Auf Twitter aber auf jeden Fall. Trotzdem ein „Hallo“ auf meinem Blog und danke für deinen Kommentar.
      Es ist wirklich schön, wenn man Leser hat, die sehr häufig kommentieren und mit denen man immer wieder Meinungen und Ideen austauschen kann und sich so im Laufe der Zeit auch virtuell gut kennenlernt. Das habe ich auch zu schätzen gelernt 🙂

  3. Bore da, Katie.
    Die Zeitintensivität ist ein wesentlicher Faktor von Blogs, die sich über einen Zeitraum (sic!) aufbauen, nicht also einer trendigen Laune entspringen. Spreu & Weizen trennen sich da schnell.
    Ich ziehe also gern den Hut vor all denjenigen, die Ihren jeweiligen Blog mit dem Herzblut Ihrer Leidenschaften füllen.

    Kommentare sind definitiv mein Aufmerksamkeits-Obulus, den ich einem interessierenden, ja anmerkenswerten Post gernst zu geben bereit bin; dies zumal wenn die Kommunikation in beide Richtungen verläuft. Keine der Beteiligten kommt sich dadurch irgendwann wie einsam & rufend im Wald vor.

    Als notorischer „Sans blog“ kann ich mich ausgiebig aus der Sicht des Rezipienten melden, feedbacken & an Kommunikation Teilhabe genießen. Anders als jetzt in Chat-Foren, die nicht selten Varianten diverser Eitelkeiten zu bedienen scheinen.
    Kommentare? Gern, weil eher selten einseitig werdend. 🙂

    bonté

    1. Und nach wie vor weiß ich deine Kommentare zu schätzen. Es ist wirklich toll, wenn sich Leser immer wieder zu Wort melden und man dadurch merkt, dass man sich eine gewisse Stammleserschaft aufgebaut hat. Auch das fördert die Motivation zu Bloggen und die Leidenschaft aufrecht zu erhalten.

  4. Ja ich finde mich mal wieder komplett wieder. Tagebuch schreiben habe ich früher mal gemacht, aber je älter ich wurde, umso mehr fehlte mir die Motivation. Ich habe es immer mal wieder versucht, mir extra ein schönes, gekauft aber konnte mich dann einfach nicht wirklich dazu motivieren. Ich brauche vor allem den Austausch mit anderen, die Möglichkeit Erfahrungen zu teilen und anderen so villeicht zu helfen, sie zu berühren oder auch einfach nur für etwas Ablenkung zu sorgen. Das gibt mir der Blog und genau aus dem Grund bleibe ich dort dran. Somit merke ich es auch, dass ich mir Gedanken mache, sobald ein Beitrag mal nicht so viele Kommentare bekommt oder es Zeiten gibt, wo generell wenig Kommentare hinterlassen werden. Da fängt man sofort an zu zweifeln, überlegt wie man das wieder ändern kann und steigert sich vielleicht auch ab und an rein. Aber man merkt ja anhand der Diksussionen in der Bloggerwelt, das sich da derzeit jeder Gedanken drüber macht.

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