Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Alltag Schreiben

Blut und Salz auf deinen Lippen.

Es gibt einen Moment, da wird dir bewusst, dass du die ganze Zeit am Abgrund gestanden hast. Und das ist der Moment in dem du fällst.
Alles ist wie immer. Die Sonne scheint, wärmt deine Haut, dein Herzchen schlägt. Du lachst, du tanzt, du singst. Bis dieser Moment kommt und dich trifft. Er packt dich an den Schulten und schubst dich mit ganzer Kraft. Und bevor du noch irgendetwas sagen, fühlen oder tun kannst fällst du. Erschrocken, panisch, schreiend, denn du wusstest nicht, dass dieser Abgrund direkt hinter dir ist.
Du hast keine Zeit dich zu fragen was geschieht, denn du schlägst unvermittelt auf dem Boden auf. Der Schmerz und die Kälte vermischen sich mit deinen Tränen, Blut und Salz auf deinen Lippen. Was ist geschehen? Wie konnte dieser Moment, der eben noch so schön war, plötzlich so schmerzhaft werden? Wo, wann, warum hat er dich getroffen?
Stille, in deinem Kopf und in deinem Herzen. Stille, dort wo du liegst und leidest. Stille, die dich erdrückt und dich allein lässt mit dem Schmerz und der Wut und dem Hass. Doch wen sollst du hassen? Diesen Moment, der dich zu Boden geworfen hat? Oder dich selbst, weil du nie zurückgeblickt hast um die Gefahr des Abgrunds zu erkennen? Nie hast du über deine eigene Schulter geschaut, dir selbst den Spiegel vorgehalten. 
Aber hast du nicht vielleicht dann und wann doch gespürt, dass der Boden unter deinen Füßen nachgibt? War dort nicht schon seit langem dieses Gefühl der Unsicherheit? Dieses Kribbeln im Nacken, das dir gezeigt hat, dass da etwas lauert? War es nicht schon immer dort? Und du hast es ignoriert?

So liegst du da und denkst nach. Und am Ende fragst du dich: Wurdest du hinab gestoßen oder hast du dich fallen lassen?

4 Kommentare

  1. Salut, Katie.

    „Uns ist nie bewußt wie & wann das eigene Leben von Worten, Gefühlen, Taten zerpflügt oder unterhöhlt werden wird. Erfahren und erleben läßt uns verändern. Ungewißheit über Unbill ist unser Ruhekissen, um Sein zu können.“
    (Florance Ippdit)

    bonté

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