Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Bücher

[Gelesen] Charles Dickens – Oliver Twist

Oliver Twist
Verlag: cbj Klassiker

Klappentext [3.Ausgabe, cbj Klassiker Verlag]
„Der Waisenjunge Oliver Twist kämpft sich durch das harte Leben der Londoner Unterschicht. Als er der Gaunerbande des alten Fagin in die Hände fällt und zum Stehlen gezwungen wird, scheint sein Schicksal besiegelt. Da nimmt sich Mr Brownlow des Jungen an, und zum ersten Mal erfährt Oliver Liebe und Geborgenheit. Gemeinsam begeben sie sich auf gefährliche Verbrecherjagd – und kommen dem dunklen Geheimnis um Olivers Herkunft auf die Spur…“

Oliver Twist ist bis heute Charles Dickens’ wichtigstes und meistgelesenes Buch, das viele Leser erstaunte, da es, eingebettet in eine Kriminalhandlung, scharfe Kritik am englischen Sozial- und Fürsorgesystem und den gesellschaftlichen Missständen übt, denen vor allem die Armen, Kranken und Kinder hilflos ausgeliefert waren und aus denen wachsende Verelendung und Kriminalität entstanden.

Dieses Buch war mein erster Klassiker, den ich gelesen habe (freiwillig, außerhalb der Schule). Obwohl mir die Figur Oliver Twist vom Namen her bekannt war und ich auch wusste, dass es hier um einen Waisenjungen geht, der an eine Diebesbande gerät, hatte ich mir doch anderes vorgestellt. Ob besser oder schlechter, kann ich nicht sagen, einfach anders.

Die Sprache ist natürlich zunächst etwas ungewöhnlich, aber ich denke, dass man sich als einigermaßen erfahrener Leser da schnell reinliest. Ich zumindest hatte keine großen Verständnisschwierigkeiten, da waren viele Schullektüren um einiges komplizierter! Der Sprachstil erinnert einen vielmehr immer wieder daran, dass die Geschichte in London um 1830 spielt.
Im Buch gibt es viele kleine Illustrationen, die Schauplätze oder Figuren zeigen, was ich persönlich sehr niedlich fand. Die Bilder sind schlicht, aber doch mit Liebe gestaltet und auch die hervorgehobenen Capitals am Anfang jeden Kapitels schmücken das Buch zusätzlich.

Den kleinen Oliver und seine Lebensgeschichte lernt man auch sogleich kennen, genau wie viele andere wichtige Figuren in seinem Umfeld, wie zB Mr Bumble. Nachdem Oliver (mit schätzungsweise 10 oder 11 Jahren) eine Lehre bei einem Bestatter begonnen hatte, flüchtet er aus dessen Haus und Betrieb und schlägt sich bis nach London durch – ein Fußmarsch von mehreren Tagen. Dort gerät er an Fagins Bande, die ihr Geld mit Taschendiebstählen macht und zum übelsten Gesindel zählt, das man in London finden kann.
Aus dem, was ich bisher so über Oliver Twist wusste, hatte ich angenommen, dass Oliver einer von ihnen wird – ein kleiner Taschendieb, der sich verwegen durchs Leben schlägt und doch das Herz am rechten Fleck hat. Tatsächlich wird Oliver aber nie selbst zum Taschendieb und kann Fagins Bande sehr schnell entkommen. Zunächst findet er Unterschlupf bei Mr Bronlow, später bei Mrs Maylie, die ihn beide sehr herzlich und fürsorglich behandeln. Die Geschichte dreht sich nun vor allem um Fagin und seinen Boss Bill Sikes, die auf der Suche sind nach Oliver, denn sie fürchten, dass dieser sie verraten könnte. Wichtig und interessant fand ich vor allem Nancy, die zur Gaunerbande gehört und mit Sikes zusammenlebt. Sie setzt sich für Oliver ein, möchte ihn retten und beschützen, doch obwohl sie die Chance hat ihr elendes Leben zu verlassen, bleibt sie aus Liebe und Verzweiflung bei Bill – was ihr am Ende zum Verhängnis wird…
Ebenso begibt sich Mr Brownlow auf die Suche nach Olivers Vergangenheit: Wer waren seine Eltern? Haben sie ihm wirklich nichts hinterlassen?
Die ein oder andere unerwartete Verstrickung wird hier noch aufgedeckt und überrascht den Leser. Durch den leicht dahin plätschernden Schreibstil, der wenig detailverliebt ist, kommt jedoch keine wirkliche Spannung auf, aber nun gut, Oliver Twist ist ja auch kein Thriller, sondern ein Krimi und Kriminalhandlung ist hier in der Tat allerhand gegeben.

Ich denke, Oliver Twist ist ein guter „Einsteiger-Klassiker“, da er nicht zu schwer zu lesen ist und man der Handlung gut folgen kann. „Leicht zu lesen“ würde ich den Klassiker trotzdem nicht nennen; man versteht die Sprache zwar gut, aber sie bleibt trotzdem so ungewohnt, dass man wirklich genau lesen muss. Der veraltete Sprachstil führt eventuell auch dazu, dass die Spannung und die Emotionen etwas auf der Strecke bleiben, doch nichts desto trotz kann man sich gut reindenken und –fühlen in die vielen lieben Personen wie Oliver, Nancy oder Rosa, fürchtet oder ekelt sich aber auch vor den fiesen Charakteren Fagin, Sikes und Monks.

Wer auch gerne mal einen Klassiker lesen möchte, aber sich noch nicht richtig traut, dem kann ich Oliver Twist wirklich empfehlen!

Oliver Twist deckt einen weiteren Buchstaben in meiner ABC-Challenge ab!

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