Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Filme

[Buchverfilmung] Der Vorleser

Deutschland, Ende der 50er Jahre: der fünfzehnjährige Michael Berg beginnt eine Affäre mit der deutlich älteren Hanna Schmitz. Schnell entsteht eine Liebesbeziehung zwischen den beiden, wobei Hanna stets etwas auf Distanz bleibt. Es entwickelt sich das Ritual, dass Michael Hanna vor dem Sex aus Büchern vorliest.
Eines Tages ist Hanna – aus Gründen, die nur dem Zuschauer offenbart werden – plötzlich verschwunden.
Fast 10 Jahre später beobachtet Michael im Rahmen seines Jurastudiums einen Prozess gegen mehrere ehemalige KZ-Aufseherinnen. Unter ihnen ist Hanna Schmitz…
Meine Meinung
Kate Winslet erhielt 2009 für ihre Darstellung der Hanna Schmitz endlich den ersehnten Oscar. Ich halte dies für berechtigt, denn ihr Schauspiel in diesem Film ist einzigartig und darf ruhig hoch gelobt werden. Was mich gestört hat, ist die Rolle, die sie verkörperte. Da ich das Buch nicht gelesen habe, kann ich dies nicht mit der Romanvorlage vergleichen, aber im Großen und Ganzen geht es um eine Frau, die zum Tod von mehreren hundert Menschen beigetragen hat – und sich am meisten dafür schämt, dass sie nicht lesen und schreiben kann.
Michael Bergs Rolle in dieser Geschichte, verkörpert von den großartigen Schauspielern David Kross und Ralph Fiennes, kann man einerseits als die eines bedingungslos Liebenden interpretieren, andrerseits als naiven Idioten.
Ich denke es war nicht der Sinn des Films, dass einem die Figuren sympathisch werden, aber mich hat es sehr gestört, dass ich keinerlei Sympathien aufbauen konnte. (Nicht falsch verstehen: Die drei Hauptdarsteller haben toll gespielt, hatten aber schlechte Rollen – so wie Ralph Fiennes den Voldemort gut gespielt hat, aber den findet man ja auch nicht nett) 
Insgesamt tröpfelte der Film zwei Stunden lang vor sich hin, einen Spannungsbogen suchte ich vergebens. Der amerikanische, jüdische Kritiker Ron Rosenbaum schrieb, dies sei vermutlich der schlechteste Film, der je über den Holocaust gedreht wurde. Ganz so weit wurde ich nicht gehen, aber eine Oscarnominierung als Bester Film ist für mich nicht nachvollziehbar. Der Vorleser bleibt blass, ohne große Bilder, ohne mitreißende Emotionen, ohne Spannung und ohne Paukenschläge.
Dass ich diesem Film letztlich noch vier Oscars gebe hat der den ausgezeichneten Darstellern zu verdanken, die das schwache Drehbuch aber nicht mehr rausreißen konnten.

3 Kommentare

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