Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Alltag

Von Freundschaft | Kapitel 4: Wir sind Sterne

Es gibt da einen Freund, der mich überhaupt erst auf die Idee zu dieser Reihe gebracht hat und mir die nötige Inspiration geliefert hat. Denn er hat mir in den letzten Tagen und Wochen gezeigt, dass Freundschaft auch über große Entfernungen bestehen kann und dass es tatsächlich solche Freundschaften gibt, bei denen man sich ewig nicht sieht und man trotzdem reden kann, als hätte man sich gestern erst getroffen.

Diesen Jemand lernte ich kennen, als ich 2006 die Schule wechselte. Um ehrlich zu sein: Ich weiß gar nicht mehr wie wir uns angefreundet haben. Ich vermute, dass wir in irgendeinem Kurs mal nebeneinander saßen und es hat einfach gepasst. Ich war verrückt und er hat’s ertragen. Er war immer mein ruhiger Gegenpol, meine Stimme der Vernunft, die aber nicht zu vernünftig war und wusste, wann ich meine Verrücktheit brauchte. Wir waren genau im richtigen Maße gleich und doch verschieden. Ich hatte vorher nie einen besten Freund und auch nachher hatte ich keinen Freund wie ihn. Ich konnte über alles mit ihm reden, wir trafen uns auch außerhalb der Schule, wir schliefen nebeneinander in einem Bett, wir nannten uns Hasi und Schatz – und das hört sich furchtbar kitschig an, wenn ich das erzähle, aber im Grunde genommen war es nur eins: Schön.

Ein Hintergedanke war nie dabei. Natürlich fragt man sich bei so einer engen Freundschaft: Was wäre wenn..? Könnte man..? Würde man..? Meine Antwort war immer Nein. Mein heutiger Boyfriend war damals ebenfalls ein guter Freund von mir, und irgendwann funkte es zwischen uns. Ich sagte damals zu meinem besten Freund: „Ich weiß nicht wie das passiert ist. Liebe war nie ein Thema zwischen uns.“ Und er erwiderte bloß: „Es war immer ein Thema, ihr habt nur nie darüber geredet.“

Doch zwischen ihm und mir war das nie ein Thema. Es war Freundschaft. Reine, ehrliche Freundschaft. Nach dem Abitur trennten sich unsere Wege, doch während er hier in der Nähe blieb und ich ein paar hundert Kilometer weit weg zog, hielten wir Kontakt. Nicht jeden Tag, auch nicht jede Woche. Oft nicht mal einmal pro Monat. Ja, manchmal sprachen wir Monate nicht miteinander, aber irgendwann verspürte immer einer von uns den Wunsch, den anderen anzurufen. Und dann telefonierten wir und wir redeten wie früher Stunden miteinander. Wir waren immer noch ein Teil im Leben des Anderen. Kitschig gesagt wie Sterne: Nicht immer sichtbar, aber immer da.

Und gerade eben schrieb ich wieder mit meinem Kumpel. Darüber, dass er seinen Master, genau wie ich, im Ruhrgebiet machen möchte und wie schön das wäre, wenn wir uns wieder häufiger sehen könnten. Und dass wir beide sehr froh sind, dass wir uns immer noch haben. Dann fiel uns auf, dass unser letztes persönliches Treffen so lange her ist, dass wir uns nicht mal mehr daran erinnern. Im Jahr 2013 haben wir uns (nach unserer Erinnerung) nicht gesehen, aber das macht nichts. Wir sind Sterne. Immer da.

2 Kommentare

  1. Sind das nicht die besten Freundschaften? Ich hab auch zwei davon und es ist umso schöner, wenn man sich über lange Zeit nicht trifft und sich dann wieder sehen kann. Und ich bin so unendlich dankbar, dass ich die beiden habe, weil ich mich trotz Entfernung immer auf sie verlassen kann.
    Ein schöner Post zum Wochenende 🙂
    Liebe Grüße ♥

  2. Ui, das ist wirklich eine schöne Freundschaft! Vor allem, wenn sie auch noch zwischen Mann und Frau besteht. Ich hatte nur vom Kindergarten bis zur 4. Klasse einen besten Freund. Wir waren auch unzertrennlich und haben uns jeden Tag gesehen. Wir haben sogar gesagt, dass wir mal heiraten werden 😀 Aber dann kamen wir auf andere Schulen und haben von da an nicht mal mehr miteinander gesprochen. Eigentlich total schade. Ab und zu sehe ich ihn noch, er ist jetzt nämlich Fahrlehrer 🙂
    Dafür habe ich dann kurz danach meine Mail-Freundin kennengelernt. Wir schreiben uns jetzt schon seit über elf Jahren und wir wissen wirklich alles voneinander. Wir haben die Realschul-/Gymnasiumszeit miteinander durchgemacht, das Verliebtsein und die erste große Liebe, die ersten Reisen, die erste eigene Wohnung, Ausbildung, Studium, Beruf…wir schreiben uns wirklich über alles. Getroffen haben wir uns in all den Jahren aber auch viel zu selten, höchstens fünf oder sechs mal. Das letzte Mal hab ich sie im Dezember besucht und ich hatte auch Angst, dass wir uns vielleicht nichts zu sagen haben. Aber es war, als wäre ich mit der besten Freundin unterwegs. Wir haben stundenlang gelabert und am Ende war ich wirklich traurig, als ich schon wieder heimfahren musste. Große Entfernungen sind wirklich kein Problem wenn es sich dabei um so eine tolle Freundschaft zwischen zwei Menschen handelt 🙂
    Halte deinen Freund gut fest 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: