Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Alltag

Die anstrengendste Zeit meines Lebens, oder: 10 Minuten auf dem Crosstrainer

Diese Woche startete wie schon viele Wochen zuvor: ich hatte mir vorgenommen, endlich etwas an meinem faulen Dasein zu ändern, früh aufzustehen, Sport zu treiben und mich gesund zu ernähren. Zu diesem Zweck wollte ich mal wieder mein Fitnesstudio besuchen, das ich in diesem Jahr noch gar nicht von innen gesehen hatte.

Wie gesagt, solche guten Vorsätze habe ich häufig und meistens sind sie dann Dienstagmittag Geschichte. Aber nicht diese Woche, denke ich, dieses Mal wird alles anders! Ich stehe also für meine Verhältnisse früh auf (8.30 Uhr), frühstücke eine Kleinigkeit und mache mich dann frohen Mutes auf zum Fitnessstudio. Meinen Rucksack hatte ich in weiser Voraussicht schon am Abend zuvor gepackt, denn ich kenne mich ja mittlerweile und weiß, dass ein nicht-gepackter Rucksack ein guter Grund sein kann, den Sportkurs zu schwänzen.

Ich schwänz nicht. Hätte ich aber vielleicht mal besser…

Es regnet ausnahmsweise mal nicht, deswegen entscheide ich mich gegen Auto und Bahn und gehe den Weg zu Fuß. Ist auch nicht weit, laut Google ganz genau 1 km, den man in 13 Minuten bewältigt haben sollte. Ich bin bemüht, diese Zeit einzuhalten und lege ein zügiges Tempo an den Tag. Nach 635 Metern kommt eine Ampelkreuzung und ich bin froh, dass ich an der roten Ampel kurz verschnaufen kann. Der Rucksack drückt auf meinen Schultern und während ich unter der Winterjacke jetzt schon schwitze, frieren meine Ohren, weil ich keine Mütze dabei habe.
Aber die restlichen Meter schaffe ich auch noch. Ich habe übrigens die wenig vorteilhafte Angewohnheit, mir die Fitnesstudios auszusuchen, die direkt neben Fast Food Restaurants liegen, das war schon in meiner alten Stadt so und ist auch jetzt so. Aber es ist erst kurz vor 10 Uhr, da habe selbst ich noch keinen Hunger auf einen Burger. (Scherz. Ich habe immer Hunger auf Burger.)

Mein Fitnesstudio befindet sich, wie sich das für so ein Fitnesstudio gehört, im zweiten Stock. Es gibt einen Aufzug, aber den habe ich noch nie benutzt, weil ich mich nicht schon blamieren will, bevor ich das Studio überhaupt betreten habe. Also nehme ich die Treppe. Als mir zwei junge, gut trainierte Männer entgegen kommen, senke ich den Kopf, damit sie mein hochrotes Gesicht nicht sehen und ich ihnen nicht ins Gesicht keuche. Oben angekommen, suche ich im Rucksack nach meiner Chipkarte und nutze dies als kurze Atempause, bevor ich freundlich lächelnd das Drehkreuz passiere und damit mein Schicksal besiegel.

Ich habe mir für heute vorgenommen, zunächst 45 Minuten an den Geräten zu trainieren und danach in den 45-minütigen Zumbakurs zu gehen. Den habe ich schon häufiger besucht (oder das, was man bei mir „häufiger“ nennen kann) und finde ihn wirklich gut. Aber zuerst halt das Krafttraining. Dafür will ich mich auf dem Crosstrainer 10 Minuten aufwärmen.

00:00 — Los geht’s! Ich bin total motiviert und stolz auf mich, dass ich hier bin. Ich starte den Crosstrainer auf Level 3.

00:51 — Meine Beine brennen. Nach 51 Sekunden? Mache ich hier irgendwas falsch? Erst mal ein Level runter.

01:54 — Ich glaube ich sterbe. Vielleicht bin ich auch schon tot. Dann bin ich offensichtlich in der Hölle gelandet.

02:37 — Meine Beine brennen immer noch. Ich erinnere mich daran, dass meine Freundin Julia mal erzählt hat, dass sie eine Stunde auf Level 18 auf dem Crosstrainer verbringt. Beschämt erhöhe ich wieder auf Level 3.

03:43 — Vielleicht geht es ja besser, wenn ich meine Arme mehr zum Einsatz bringe?

03: 53 — Nein.

04:00 — Wow, ich habe schon 42 Kalorien verbraucht. Damit habe ich bestimmt den Schokoriegel abtrainiert, den ich vorhin auf einem Plakat angeschaut habe.

05:44 — Ich spüre meine Beine nicht mehr. Um mich abzulenken, sehe ich aus dem Fenster, im Ruhrgebiet ist ja immer was los. Aber scheinbar nicht montags um 10 Uhr: ein Rentner und ein Typ, der aussieht wie ein Pirat sind meine einzigen Highlights. Nicht mal ein Rettungswagen mit Blaulicht fährt vorbei. Essen, du enttäuschst mich.

06:16 — Die Aussicht ist wirklich nicht berauschend. Der Himmel über dem Pott ist grau, was auch sonst. Ich blicke auf die vierspurige Straße, die Bahngleisen und das graue Gebäude der Arbeiterwohlfahrt. Ich habe nicht mal Musik, um mich abzulenken, stattdessen dröhnt das nervtötende wuuuiwuuuui der Laufbänder neben mir in meinen Ohren.

07:13 — Hm, das fängt irgendwie an Spaß zu machen. Wenn die Beine erstmal abgestorben sind, gehts also. Obwohl… nee, doch nicht. Ist immer noch anstrengend.

08:22 — Auf dem Laufband neben mir rennt ein Typ um sein Leben. Ich steigere mein Tempo ebenfalls. Schon 80 Kalorien verbrannt, dann kann ich zum Mittag vielleicht einen Teelöffel Reis mehr essen.

09:10 — Mir wird, im Schweiße meines Angesichts, bewusst, dass das hier erst mein Aufwärmprogramm ist. Überlege kurz, einen Ohnmachtsanfall vorzutäuschen, um dann festzustellen, dass meine Beine mir nicht mehr gehorchen.

09:50 — 10… 9… 8… 7… 6… 5… 4… 3… 2… 1… Fertig! Nichts wie raus hier! Das war die anstrengendste Zeit meines Lebens. Das mache ich nie wieder. Und überhaupt, riecht es hier nicht irgendwie nach Burgern und Pommes?


Beitragsbild: Ben_Kerckx via pixabay, CC0 Public Domain

15 Kommentare

  1. Haha. Sorry, aber ich kann nicht anders als zu lachen. Ich hab ja nen Crosstrainer Zuhause und war da gestern 45 Minuten drauf. Bist du sicher, dass der richtig eingestellt war, wenn das so anstregend war? So oder so, ein wenig tust du mir auch leid. Aber immerhin bist du zu Fuß gegangen, so hat sich der Besuch des Fitnessstudios wenigstens ein bisschen gelohnt ;o)

    Liebe Grüße, Carmen

    1. Lache laut und herzlich, dafür ist dieser Beitrag da 🙂

      Mein Beitrag ist natürlich ein wenig überspitzt geschrieben 😉 Ich habe danach noch Krafttraining und Zumba gemacht, also alles gut. Aber anstregend war es trotzdem und während ich da so auf dem Crosstrainer war kam mir die Idee zu diesem Beitrag 🙂 Man muss ja auch mal über sich selbst lachen können.

      1. Hab ich mir schon gedacht ;o) Obwohl es natürlich Leute gibt, die an dieser Stelle tatsächlich aufgeben. Ist toll geschrieben. Da freue ich mich um so mehr auf dein Buch ;-*

        Liebe Grüße, Carmen

  2. Haha, ich weiss noch genau wie ich mich fuehlte, das ich das erste mal joggen war. Denk immer dran: es wird einfacher, das schwerste ist, es regelmaessig zu machen. Aber dann wire es einfacher ^^

  3. Hahaha…das hätte ich sein können! Aber danke, dass du mich jetzt motiviert hast…NICHT! 😉 Ich muss auch dringend mit Sport anfangen und schiebe es jeden Tag vor mir her…und jetzt kommst du mit diesem abschreckenden Beispiel…vielen Dank auch 😀 . Echt genial! Und? Hast du an dem Tag noch nen Burger gefüttert?
    Ganz liebe Grüße
    Monika

    1. Nein, ich hab keinen Burger gefuttert. Ich hab wie geplant das Sportprogramm durchgezogen und mich danach gut und ausgewogen ernährt 😉
      Ich wollte niemanden vom Sport abschrecken. Obwohl – vielleicht doch 😀 Aber ich bin sicher, du schaffst das! Zähne zusammenbeißen und durch, irgendwann wird es besser! 😀

  4. Oh ha, das erinnert mich an mein erstes Mal auf ’nem Crosstrainer. Die Hölle. Ich dachte ich sterbe. Und war nach 10 Minuten auch kurz davor das Aufwärmprogramm als gesamtes Training zu sehen. Und mittlerweile habe ich einen Zuhause und benutze den auch schon mal 99min (eine Folge Downton Abbey) am Stück. Allerdings: Ohne Ablenkung, also Serie vor der Nase, würde ich das auch nicht schaffen.
    Dir also noch viel Spaß auf’m Crosstrainer. Ein tolles Gerät 😉
    Liebe Grüße
    Alexandra

  5. Kann ich sooo gut nachfühlen! Besuche seit 2 Wochen ein Studio und mache CT zum Abschluss. Die meisten sind viel länger drauf als ich,mache auch so wie du 10min auf Level 3 + 2min auslaufen. Bin danach immer tot! Aber irgendwo muss man ja anfangen…Lass dir nichts einreden. Es ist toll, dass du’s anpackst, bäms 🙂

  6. Oh Gott, ich kann es dir so gut nachfühlen! Ich glaube, ein Fitnessstudio wäre meine persönliche Hölle …
    Ich hätte sicher nicht mal 5 Minuten auf dem Cross Trainer durchgehalten Oo Also umso mehr Respekt, dass du es geschafft und danach noch weitertrainiert hast und sogar zum Zumba gegangen bist.
    Ich bin ja eher für die „netteren“ Sportarten wie Pilates und Yoga, was auch echt anstrengend sein kann (besonders wenn man so wie ich nur unregelmäßig hingeht ^^).

    1. Pilates und Yoga mache ich auch total gerne, sowohl zuhause (mit dem Happy & Fit Yoga Channel bei YouTube) als auch im Studio. Da will ich demnächst auch mal wieder hingehen 🙂

  7. 😀 Also ob ich es jetzt noch so lange auf dem Crosstrainer aushalten würde. Bin momentan schon froh, wenn ich 20 Minuten auf der kleinsten Stufe schaffe 😀
    Aber ich denke, dass kommt auch auf den jeweiligen Crosstrainer an. War auch ganz stolz als ich vor zwei Wochen zum ersten Mal in diesem Jahr in einem Kurs war und ich wäre auch fast gestorben 😀

    Grandios geschrieben! Ich fühle mit 😀

    1. Haha, ja, ich glaube auch dass es auf den jeweiligen Crosstrainer ankommt. Ich weiß nicht mal, ob der bei mir im Fitti bis 18 geht 😀 Ich werde es niemals herausfinden.
      Aber heute war ich schon zum dritten Mal drauf und es wird wirklich besser und ich habe 2 Minuten geschafft ohne zu weinen 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: