Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Alltag

Dorfkind #2

Ich betrete die beste Pommesbude der Stadt und gleich strömt mir der vertraute Duft in die Nase. Zugegeben, es gibt nicht viele Pommesbuden in dieser Stadt, ich glaube es sind zwei. Doch die andere wird niemals an diese hier heran kommen. Früher war diese Pommesbude in einem heruntergekommenen Schuppen, in meinen Erinnerungen nur eine Bretterbude. Es passten kaum fünf Leute hinein, doch sie warteten bis auf die Straße. Warteten auf die besten Pommes der Welt. Es gab da einen Automaten, an dem man diese roten Nüsschen ziehen konnte. Den habe ich geliebt. Und vor der Tür war direkt ein Kaugummiautomat.
Und heute betrete ich den Laden, der zwar größer ist als früher aber immer noch genauso voll. Der Besitzer nimmt zwölf Bestellungen gleichzeitig auf, vergisst keine einzige, macht keinen Fehler. Ich bestelle vier Hamburger und er weiß, dass davon drei ohne Gurken sind. Nur Mama mag ihren Hamburger mit Gurken. Das ist seit über fünfzehn Jahren so. Er weiß das. Und das ist schön.

7 Kommentare

  1. Oh, sowas ist toll.
    Wir sind früher oft umgezogen, deshalb gabs überall immer wieder neue Lieblingsläden…Bei meiner Oma gabs aber ganz lange so´nen kleinen Laden an der Ecke und obwohl wir fast nur im Sommer da waren, wenn wir Ferien hatten, haben die Leute uns gekannt. Find sowas schön, aber ich glaub es wäre für mich auf Dauer auch anstrengend, wenn mich jeder so gut kennen würde und jeder alles und mehr sieht…^^

  2. Oh ja, das sind wirklich die besten Pommes der Welt! 🙂 Muss auch ständig dahin, wenn mein Bruder da ist und ne „Mantaplatte“ bestellen 😀
    Da mich hier keiner kennt und ich wohl irgendwie auch hier nicht hingehöre, weiss keiner wer ich bin und was ich will…
    So ist das halt wenn man nur zugezogen ist. Wäre froh, wenn ich wissen würde wo ich hingehöre, würde so einiges erleichern 🙁
    In M. werde ich immer W. sein, in B. ist man sowieso nur annonym und in W. waren wir eben auch nur „zugezogen“ auch wenn man schon 30 Jahre dort wohnt.
    Was das angeht, finde ich das Dorfleben schwer: Man bekommt immer irgendwie vermittelt, dass man eben nicht dazu gehört, zugezogen ist und irgendwie fremd ist.

  3. Hm, ich komme ja auch aus dem ländlich-sittlichen, aber wir sind zu groß, um derartige Bindungen aufzubauen. Das gab es früher mal, als unser Viertel noch funktionierte. Aber das hat sich damit gewandelt, daß alle zu den Discountern gefahren sind. Das übliche Schicksal. Nur noch der sehr große Kiosk, der hat sich gehalten. Und da kann ich auch nach 5 Jahren mal wieder reingehen und werd noch mit Namen begrüßt. Das ist auch schön, nur eben auch teurer. Damit haben viele Menschen heute ein Problem.

  4. Wenn ich reinkomme, dann bin ich immer wieder am überlegen, was ich denn nun nehme. Dann guckt Winnie mich aber an und fragt: „Pommes weiß mit Currypulver?“ und mein Problem ist gelöst 😀

    Als Kind habe ich auch im Hamburger ohne Gürkchen genommen, das wusste er auch immer;)

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