Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Alltag

Es gibt Tage…

Es gibt Zeiten, da möchte man reden. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Über schöne Dinge oder vielleicht auch nicht so schöne Dinge. Über das Leben, die Liebe, das Leiden. Da möchte man der Welt erzählen, wie sehr man sein Leben liebt, dass man frisch verliebt ist und gerade befördert wurde. Vielleicht möchte man der Welt aber auch erzählen, dass man fünf Kilo zugenommen hat, vom Freund verlassen und im Job gekündigt wurde. So oder so. Manchmal möchte man reden.

Und manchmal, an diesen seltsamen Tagen, da möchte man einfach nur schweigen. Da will man nicht mal mit sich selbst reden. Vor allem will man sich selbst keine Fragen stellen und auch keine Fragen von anderen hören. Man will diesen Schalter umlegen im Kopf, auf dem „Leer“ steht. Augen zu, Kopf aus. Schlafen. Drei Tage lang oder vielleicht drei Wochen. Man möchte nicht darüber reden, was man über sein Leben denkt, ob es in der Liebe funktioniert und ob der Job noch Spaß macht. Eigentlich möchte man gar nicht reden. Nichtmal übers Wetter – Sonne, Regen, Sturm, mir egal, ich will nicht darüber nachdenken.

Weil die meisten von uns aber in einer Familie leben, Freunde haben, arbeiten gehen oder an der Uni studieren ist das mit dem Schweigen irgendwie schwierig. Und dann kommen die Fragen. Wie geht es Dir. Bist du noch mit ihm zusammen. Was machst du beruflich. Hast du abgenommen. Wollen wir mal was zusammen unternehmen.

Wie früher, als man aus der Schule kam. Wie ein Verhör. Wie wars in der Schule. Habt ihr einen Test geschrieben. Habt ihr einen Test wiederbekommen. Welche Note hast Du und was für Noten haben die anderen. Was ist denn los. Hast Du dich gestritten.

Nein. Nein. Nein.

Es gibt Tage, da möchte man nicht reden. Da möchte man nur schreien, weinen, weglaufen. Die Tage, an denen die Schwere in deinem Kopf so fest ist, dass du sie zerschneiden könntest. Die Tage, an denen der Graue Wolf, dein guter Freund, dein alter Feind wieder direkt hinter dir steht. Die Tage, an denen es nur regnet und die, an denen die Sonne dich verhöhnt. Weil sie scheint. Einfach scheint. Wie kann sie nur.

Es gibt Tage, da möchte man nicht reden.

7 Kommentare

  1. Richtig schön geschrieben!
    Jeder kennt solche Tage. Bei mir waren es teilweise leider auch Wochen. Aber es renkt sich alles irgendwann ein. 😉

    Nur nicht die Hoffnung verlieren und trotz allem immer positiv denken!

  2. Sehr schön geschrieben, ich finde mich absolut wieder.

    Und mir fiel am Schluss Farin Urlaub ein:
    „Traurig sein macht keinen Sinn, die Sonne scheint auch weiterhin. Das ist ja grad die Schweinerei, die Sonne scheint, als wäre nichts dabei.“

    Ich drücke dich. Schweigend.

  3. Wirklich schön geschrieben. Kann das gerade heut sehr gut nachvollziehen. Die Arbeit hat mich echt geschafft, ich will eigentlich nur noch schlafen, aber ausgerechnet heute Abend muss ich noch zu einem Familientreffen…und ich weiß, dass dort eine Person sein wird, die ich nicht ausstehen kann. Den ganzen Tag schon liegt mir das im Magen und ich krieg immer ein ganz blödes Gefühl, wenn ich nur daran denke. Ich weiß genau, dass heute Abend viel geredet wird, weil man sich schon lange nicht mehr gesehen hat. Dabei will ich eigentlich nur stumm und teilnahmslos dasitzen, weil ich gar nicht in Stimmung zum Reden bin. Ich mag nicht hin, aber ich muss. Der Familie zuliebe….

    Ich hoffe bei dir ist alles gut und es scheint bald wieder die Sonne für dich. Und zwar so, dass auch du sie genießen kannst. Meistens kommt nach einem Tief wieder ein ganz hohes Hoch 🙂 Am besten die Lieblingsmusik anschmeißen oder die Lieblings-Comedy-Serie anschauen, das hebt bei mir die Laune immer ein bisschen. Vor allem wenn ich die Nerds von „The IT Crowd“ schaue. Lach-Faktor garantiert 🙂

    Liebe Grüße *knuddel*
    Lia

  4. Bei mir gibt´s zur Zeit auch nur Tage, an denen ich nicht reden will. Und an diesen Tagen sollte man auch nicht reden.
    Aber ich hoffe für dich ebenso wie für mich, dass auch wieder andere Tage kommen.

  5. Tolle geschrieben, ich denke, dies ist ein Gefühl das wir alle kennen. Auch wenn ich meist eine richtige Labertasche bin, bei meinen Freunden mit meinen Gefühlen nicht hintern Berg halte, gibt es diese Tage wo ich einfach mal nicht über alles reden möchte. Das sind die Momente, wo meine Eltern sich schwer tun, weil ich einfach nicht mit ihnen rede. Aber manchmal braucht man einfach seine Zeit und die müssen andere einem einfach geben ;).Ich hoffe aber, dass für dich bald wieder eine bessere Zeit kommt. Nach jedem Tief, kommt ja immerhin ein Hoch, in dem man dann über all die ungenuzten Tage, die man Trübsaal geblasen hat, schmunzeln muss.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Ich bin mir gar nicht mehr so sicher, ob ich seine weiteren Alleinstehenden Bücher überhaupt noch lese, weil über Flammenbrut habe ich jetzt schon öfter gehört, das dass nicht das Wahre sein soll. Schade das ich jetzt nur noch 2 Bücher der David Hunter Reihe vor mir habe, ich hoffe dass Simon Beckett im Anschluss noch einmal mit einer so tollen Reihe überzeugen kann.

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