Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Filme

Die Oscarverleihung 2015

Eigentlich war dieses Thema gar nicht für meine Kolumne geplant. Aber weil die Oscars heute Nacht verliehen werden und weil sich ein Blog, in dem es hauptsächlich um Filme geht, gerne auch mit diesem Filmpreis beschäftigen darf, mache ich das heute. In meinem Beitrag geht es um die Nominierten und meine Favoriten, um die Filme mit den meisten Auszeichnung und um die brisante Diskussion um das Thema #oscarssowhite – Diskriminierung bei den Oscars? Lohnt es sich dann überhaupt noch, diese Verleihung anzuschauen?

Die Nominierten und meine Favoriten

Um jede Kategorie hier vorzustellen und zu besprechen, fehlt sowohl mir als auch wahrscheinlich euch die Ausdauer und die Zeit. Deswegen beschränke ich mich auf vier der Hauptkategorien: Bester Film, Beste Regie sowie Hauptdarsteller und Hauptdarstellerin. Gerne dürft ihr aber in den Kommentaren eure Tipps für andere Kategorien abgeben und mit mir darüber diskutieren.

Bester Film
  • American Sniper
  • Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)
  • Boyhood
  • Die Entdeckung der Unendlichkeit
  • Grand Budapest Hotel
  • The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben
  • Selma
  • Whiplash

Von diesen 8 Nominierten habe ich bisher 3 Filme gesehen: The Imitation Game, Birdman und Selma. Noch immer finde ich es schade, dass ich Boyhood und Grand Budapest Hotel bisher nicht gesehen habe. American Sniper startet bei uns erst in der nächsten Woche. Mein Tipp kann also nur recht wage sein. Ich würde mir wünschen, dass Birdman gewinnt, ich tippe aber auf American Sniper, weil es die typische, patriotisch-pathetische Heldengeschichte erzählt, die bei den Oscars in der Regel gute Chancen hat. Boyhood würde ich aufgrund des umfrangreichen Projekts ebenfalls noch gute Chancen zurechnen.

Grand Budapest Hotel wird es als Komödie eher schwer haben, in dieser Kategorie zu gewinnen. Und die Geschichten um Alan Turing (Imitation Game) und Stephen Hawking (Entdeckung der Unendlichkeit) sind zwar schön erzählt, meines Erachtens nach aber keine Oscar-Favoriten, weil sie zu wenig auf die Pauke hauen. Gleiches dürfte für Whiplash gelten, der im Film zwar gut auf die Pauke hat, aber ihr wisst schon…. (Wortspiel aus der Hölle). Selma werden übrigens keine großen Chancen zugesprochen, weil Präsident Lyndon B. Johnson nicht gut wegkommt und das sieht die Jury aus alten, weißen Männern nunmal nicht gerne. Die guckt sich lieber Kriegshelden an, die für ihr Land gekämpt haben, deswegen auch mein Tip auf American Sniper.

Beste Regie
  • Wes Anderson – Grand Budapest Hotel
  • Alejandro González Inárritu – Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)
  • Richard Linklater – Boyhood
  • Bennett Miller – Foxcatcher
  • Morten Tyldum – The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Auch hier habe ich 3 Filme gesehen: wieder Birdman und The Imitation Game, sowie Foxcatcher. Meiner Meinung nach wird es sich hier zwischen Birdman und Boyhood unterscheiden, wobei ich eher auf Boyhood setzen würde. Linklater schuf hier ein einmaliges Projekt, indem er den Film über zwölf Jahre mit den immer gleichen Schauspielern drehte und somit nicht nur die Protagonisten des Films sondern auch den wahren Personen dahinter beim Älterwerden zusah. Birdman wird dann vermutlich bei der Kamera die Nase vorn haben – zumindest wünsche ich mir das.

Bester Hauptdarsteller
  • Steve Carell – Foxcatcher
  • Bradley Cooper – American Sniper
  • Benedict Cumberbatch – The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben
  • Michael Keaton – Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)
  • Eddie Redmayne – Die Entdeckung der Unendlichkeit

Nachdem Eddie Redmayne ja bereits bei den Golden Globes und anderen Preisverleihungen abgeräumt hat, gilt er als klarer Favorit für den Oscar. Ich habe Die Entdeckung der Unendlichkeit noch nicht gesehen, kann seine Leistung daher nicht beurteilen, aber da ich ihn aus anderen Filmen kenne und ihn sehr sympathisch finde, würde ich es ihm gönnen. Mein Favorit an dieser Stelle wäre jedoch Benedict Cumberbatch, der Alan Turing großartig verkörpert hat. Und auch Bradley Cooper würde ich, wegen der bereits genannten pathetischen Heldengeschichte, noch nicht ganz abschreiben. Auch wenn ich mir noch nicht sicher bin, ob/wie mir American Sniper gefallen wird, gönne ich es Bradley Cooper, weil ich ihn einfach mag.

Steve Carell legte in Foxcatcher übrigens eine beängstigend gute und vor allem ungewohnte Leistung hin. Der sonst eher aus Komödien bekannte Schauspieler verkörperte einen exzentrischen Millionär und schon allein beim Gedanken an seine Darstellung läuft mir ein Schauer über den Rücken. Dennoch denke ich, dass er hier neben den anderen untergehen wird. Die Nominierung ist aber immerhin eine schöne Würdigung seiner Leistung.

Beste Hauptdarstellerin
  • Marion Cotillard – Zwei Tage, eine Nacht
  • Felicity Jones – Die Entdeckung der Unendlichkeit
  • Julianne Moore – Still Alice – Mein Leben ohne Gestern
  • Rosamund Pike – Gone Girl – Das perfekte Opfer
  • Reese Witherspoon – Der große Trip – Wild

Leider habe ich von den hier gelisteten Filmen bisher nur einen gesehen, nämlich Gone Girl. Entgegen der vorherrschenden Meinung fand ich den Film aber nur durchschnittlich und ich würde Rosamunde Pike auch keinen Oscar für ihre Leistung geben. Die Frage scheint sich allerdings auch kaum zu stellen: Julianne Moore gilt quasi als sichere Gewinnerin des diesjährigen Oscars. Sie ist nun zum fünften Mal nominiert und ich wünsche ihr von Herzen, dass sie keine weibliche Leonardo DiCarpio wird.

Beachtlich ist übrigens auch die Nominierung von Marion Cotillard, die (wie bereits bei ihrem Gewinn für La vie en rose) für eine Hauptrolle in einem nicht-amerikanischen bzw. nicht-englischsprachigen Film nominiert wurde.

Die meisten Nominierungen
  • 9 Nominierungen: Birdman, Grand Budapest Hotel
  • 8 Nominierungen: The Imitation Game
  • 6 Nominierungen: American Sniper, Boyhood
  • 5 Nominierungen: Die Entdeckung der Unendlichkeit, Foxcatcher, Interstellar, Whiplash

Ich bin schon gespannt, ob es auch diese Filme sein werden, die am Ende mit den meisten Auszeichnungen nach Hause gehen werden. Um ehrlich zu sein, Grand Budapest Hotel rechne ich keine großen Chancen zu, einfach weil es eine Komödie ist. Auch The Imitation Game sehe ich etwas abseits, obwohl ich den Film großartig fand, aber ich denke, er wird nicht dem Geschmack der Academy entsprechen. Birdman, Boyhood und American Sniper sehe ich als Gewinner der Oscars.

Interessant ist übrigens, dass Interstellar mit ordentlichen 5 Nominierungen ins Rennen geht, keine davon aber in den Hauptkategorien einheimsen konnte. Der Film ist nominiert für Szenenbild, Filmmusik, Ton, Tonschnitt und visuelle Effekte.

#OSCARSSOWHITE

Wer sich die Nominiertenliste anschaut, stellt schnell fest: Unter den 20 Nominierten in den Schauspielkategorien ist kein(e) einzige(r) afroamerikanische(r) Schauspieler(in) zu finden. Und auch in den anderen Kategorien sehen nicht nur Afroamerikaner, sondern alle, die sich für Chancengleichheit und Gleichberechtigung einsetzen, klare Defizite. Rasch verbreitete sich der Hashtag #oscarssowhite auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken. Man spricht vom schlimmsten Jahr in Sachen Diversity (Vielfältigkeit) für die Oscars seit 1998.

Wie oben bereits angesprochen, besteht die ominöse „Academy“ aus vorwiegend alten, weißen Männern (94% weiß, 77% männlich, durchschnittlich 63 Jahre alt; Link s.oben) – und diese Menschen entscheiden, welche Filme nominiert werden und welche gewinnen. Viele sehen hier – meiner Meinung nach zu Recht – eine Ungleichverteilung und eine Benachteiligung für Minderheiten. Die Academy ist bei weitem nicht so vielfältig wie das tatsächliche Kinopublikum oder die Landschaft der Schauspieler, Regisseure oder Autoren. Und wenn wir uns die Nominierten und Gewinner anschauen, stellen wir fest, dass die Academy scheinbar am liebsten ihresgleichen auszeichnet.

Von denen als „Bester Hauptdarsteller“ ausgezeichneten Schauspieler sind nur 7% afroamerikanisch. Als Denzel Washington 2002 den Oscar gewann, waren bereits fast 40 Jahre vergangen, seit zuletzt ein Farbiger diese Auszeichnung entgegen nehmen konnte (Sidney Poitier 1964). Halle Berry gewann 2002 einen Oscar als beste Hauptdarstellerin und ist damit die erste und bis heute einzige farbige Frau, die diese Kategorie gewonnen hat. In 87 Jahren Oscargeschichte. Natürlich kann man damit argumentieren, dass vor allem bis in die 60er Jahre kaum bis gar keine farbigen Schauspieler oder Regisseure gab, die man hätte auszeichnen können. Dass aber auch scheinbar heute noch afro- und auch lateinamerikanische Künstler übergangen werden, scheint schon kein Zufall mehr zu sein. Ich finde es wichtig und richtig, dass über dieses Thema diskutiert wird und habe es deswegen in diesen Beitrag mit aufgenommen.

Lohnt es sich überhaupt, die Oscarverleihung anzuschauen?

Das muss natürlich jeder für sich selber entscheiden. Für mich haben die Oscars keinen besonders großen Stellenwert – ich mag einen Film oder ich mag ihn nicht, egal wie viele Preise er gewonnen hat. Aber mein Interesse ist dennoch da, deswegen werde ich zumindest versuchen die Verleihung anzuschauen. Bei uns läuft sie ab 00:40 Uhr auf ProSieben, und da die Verleihung (im Gegensatz zu den Golden Globes) als recht starr und ein wenig angestaubt gilt, wird es vielleicht schwer, die ganze Nacht wach zu bleiben. Ein Lichtblick könnte Moderator Neil Patrick Harris sein, der durch den Abend führen wird.

Seht ihr Euch die Oscars an? Wenn ja: wer sind eure Favoriten? Und habt ihr Euch mit dem Thema #oscarssowhite schon mal auseinander gesetzt?

Die Zahlen und Fakten zum Thema #ocarssowhite habe ich vor allem aus diesem Video der Huffington Post. Das Video (auf englisch) beinhaltet noch einige weitere interessante Fakten, reinschauen lohnt sich also.

Alle Nominierten können auf der offiziellen Seite The Oscars eingesehen werden.

Schriftarten im FamS-Logo: SF Distant Galaxy & Seven Arts

5 Kommentare

  1. Interessant finde ich es schon und ich schaue auch immer am nächsten Tag, wer was gewonnen hat, aber das sagt wie Du schon angemerkt hast, ja nichts darüber aus, ob einem der Film gefällt oder nicht 😉 Die Nacht um die Ohren schlagen (obwohl ich Neil Patrick Harris sehr mag) will ich mir aber nicht. Es gibt ja dann immer in den nächsten Tagen reichlich Zusammenfassungen, die man gucken kann 🙂

  2. Danke für die wunderbare Zusammenfassung und Übersicht. Schön zu sehen das es diesesmal tatsächlich fast nur Topfilme geschafft haben auch nominiert zu werden (ist natürlich nur meine subjektive Meinung). Was mich dann doch überrascht ist die Tatsache mit der Ungleichheit bzgl Schwarz und Weiß…. Schade….

  3. G’day, Katie.
    Die Oscars bringen den Part meiner Gedanken, die sich mit Film beschäftigen, zumindest seit Ende der Achtziger auf Trab. Nicht, weil mich der Glam & Glitter-Nymbus, oder gar die künstlerische Wertung des pompigen Events tangiert. Nope – ich sehe eher die zelebrierte Selbstbeweihräucherung oder die Unfähigkeit/den Unwillen eine herausragende Leistung zu erkennen, selbst wenn sie den Abstimmern aufs Hühnerauge fallen würde.
    Weitaus Lieber läßen sich angegraute Männer von der befeuerten Publicity & emsigen Lobbyisten um den Finger wickeln. Eine Aufmerksamkeit hier, ein Geschenk dort – Kontakte pflegen.

    Hat demnach der Oscar für mich eine Bedeutung? Nope – ein Film, nebst Entourage, wird durch das Goldmandl nicht um einen Yota besser, interessanter,sehenswerter. Am ehesten freue ich mich, über Nominierungen/Auszeichnungen von Leuten/Arbeiten, die ich zu schätzen gelernt habe. Julie Delpy & Ethan Hawke für Ihr Drehbuch zB.

    Richard Linklater hat durchweg Erfahrungen mit derartigen Langzeitprojekten a la ‚Boyhood‘. Seine anmerkenswert schönsinnige Trilogie ‚Before Sunrise‘ – ‚Before Sunset‘ – ‚Before Midnight‘ arbeitet mit einer ähnlich gelagerten Option, wenn wir der Französin Celine (Delpy) & dem Amerikaner Jesse (Hawke) alle 9 (tatsächliche) Jahre wieder begegnen. Sehenswert!

    ‚Interstellar‘ erleidet das Schicksal vieler Science-Fiction-Filme, die in der Abteilung „Technik“ (sic!) abgeladen werden.

    Du kannst sagen, die selektive Blindheit der Academy-Mitglieder sprichwörtlich ist. Außer von den Leistungen, die ihnen auf dem Silbertablet serviert werden, haben sie vom jeweiligen Filmjahrgang (in den Staaten!) keinen sonderlichen Schimmer.

    Eine fadenscheinige Veranstaltung mit ordentlich Bodennebel, peinsamer Publikumsbeschimpfung, einer Parania vor politischen Statements („Shame on you Mr. Busch!“), verödenden Werbe- & Musikunterbrechungen sowie null Atmosphäre. Die Oscars!
    Woody Allen macht das seit Ewigkeiten richtig – sich nicht antun! 🙂

    bonté

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