Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
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Superhelden überall: Sind wir noch zu retten?

Sie sind überall, wo man auch hinsieht. Sie fliegen, rennen, springen, kämpfen scheinbar um die Wette und lassen uns kaum eine Minute zum Durchatmen. Die Rede ist von den Superhelden, die derzeit die Kinoleinwände stürmen und die Fernsehschirme erobern. Schon lange beschränken sich Superhelden nicht mehr nur auf ihre Comics. Sie brechen aus und machen unsere Kinoleinwände und Fernsehschirme unsicher. So reiht sich eine actionreiche Verfilmung an die andere, ein Serien-Spin-Off an das nächste. Und bei all dem Spaß an den coolen Helden, den lustigen Sprüchen und der krachenden Action drängt sich auch eine Frage in den Vordergrund: Reicht es nicht so langsam mal?

Welche Superhelden kennen wir schon?

Werfen wir einen kurzen Blick zurück auf diejenigen Superhelden, die uns bereits begegnet sind. Und damit meine ich in Film oder Serie, denn in Comics gibt es einige unserer Helden bereits seit über 70 Jahren. Aber Moment mal: Auch in Serien oder Filmen haben wir den ein oder anderen Superhelden schon sehr früh getroffen. Captain America flimmerte bereits in den 40er Jahren über die Mattscheiben, wenn auch nicht in der Version, die wir heute kennen. Unvergessen ist beispielsweise auch Adam Wests Verkörperung des Batmans in Batman hält die Welt in Atem und der dazugehörigen Fernsehserie aus den 1960er Jahren. Ohnehin wurde Batmans Geschichte recht häufig verfilmt, unter anderem von Joel Schumacher und Tim Burton in den 90er Jahren. Immer wieder gab es außerdem Zeichentrickserien zu Batman, Spiderman und Co, die viele sicher aus ihrer Kindheit noch kennen.

Ich spreche jedoch vom aktuellen Boom der Comic- und Superhelden, der sicher keinem Film- und Fernsehfan entgangen sein dürfte. Eingeleitet wurde dieser Boom wohl von X-Men (2000), spätestens aber durch Spider-Man (2002). Die X-Men-Reihe umfasst mittlerweile 7 Filme, während Spider-Man mit Tobey Maguire bis 2007 drei Filme erhielt und dann 2012 ein Remake mit Andrew Garfield als The Amazing Spiderman.

2008 stieg Marvel dann so richtig ein in den Hype mit der Begründung des Marvel Cinematic Universe. Der erste Film war Iron Man, gefolgt von Hulk, Thor, Captain America, Guardians of the Galaxy, Avengers und diversen Fortsetzungen zu den Filmen. Aktuell können wir noch Avengers 2: Age of Ultron im Kino bestaunen. Serientechnisch bietet uns Marvel aktuell vor allem Agents of S.H.I.E.L.D und Daredevil, die man derzeit online über Amazon Instant Video bzw Netflix schauen kann.

DC hängt mit seinen Comicverfilmungen etwas hinterher. Mit Man of Steel brachten sie 2013 den ersten Film ihres eigenen Cinematic Universe in Umlauf. Das soll aber nicht heißen, das wir keine DC-Helden in Bewegtbild bestaunen dürfen. Im Kino durften wir neben Green Lantern auch jüngst wieder Batman bestaunen, nämlich in der Dark Knight Trilogie von Christopher Nolan. DCs Helden scheinen indes etwas stärker in Serienform vertreten zu sein: Sowohl Arrow als auch The Flash stammen von DC, und mit Gotham findet sich eine weitere Batman-verwandte Produktion.

Es ist einfach unfassbar schwer, alle Comic- und Superhelden zu berücksichtigen, die in den letzten Jahren im Kino oder Fernsehen zu sehen waren, deswegen war dies nur ein relativ kurzer Abriss über die bekanntesten Werke. Und selbst da habe ich sicher noch den ein oder anderen übersehen. Klar gibt es nicht nur DC und Marvel, aber gerade das Marvel Cinematic Universe hat die Kinolandschaft in dieser Hinsicht stark geprägt und wird es vermutlich auch in den kommenden Jahren noch tun.

Welche Filme wird es noch geben?

Die einfachere Frage wäre: Welche Filme wird es nicht geben? Gefühlt wird jetzt nämlich jeder Superheld und Superschurke auf die Leinwand geworfen. In diesem Jahr erwarten uns ganz konkret noch Ant-Man und Fantastic Four (beide Marvel). Danach dürfen wir uns auf Batman v Superman freuen, also einem neuen Beitrag aus dem Hause DC. Hier laufen die Vorbereitungen außerdem für Suicide Squat auf Hochtouren, um ein Team von Superschurken auf die Leinwand zu bringen. Das kann Marvel natürlich nicht auf sich sitzen lassen und so werden wir vermutlich auch die Sinister Six irgendwann im Laufe der nächsten zwei Jahre zu sehen bekommen. Mit der Justice League will DC dann außerdem noch auf die Avengers antworten – aber frühestens 2017. Weitere Pläne gibt es für Wonder Woman, Aquaman und Shazam, alle Teil des DC Cinematic Universe. Und wir dürfen dabei natürlich nicht vergessen, dass noch weitere Fortsetzungen von X-Men/Wolverine, Fantastic Four, Guardians of the Galaxy, Captain America, Thor und vermutlich noch einigen weiteren anstehen. Um es nicht noch weiter in die Länge zu ziehen: Nein, ein Ende des Superhelden-Booms ist nicht in Sicht.

Ist das jetzt gut oder schlecht?

Tja, hier kommen wir zum schwierigen Punkt, denn ob man die Filme mag oder nicht ist wohl Geschmackssache. Das sehen allerdings nicht alle so, denn für viele scheint es mittlerweile eine Glaubensfrage geworden zu sein, ob man denn Comicverfilmungen nun mögen darf oder nicht.

Die einen feiern jeden neuen Superheldenfilm als großes Actionkino, der perfekt unterhält und einfach nur Spaß macht. Auf der anderen Seite stehen die Kritiker, die eben hinter der aufgeblasenen Hülle aus Action nur leere Luft sehen und in den Filmen (insbesondere des MCU) keine Bereicherung für das Kino mehr erkennen.

Bild: KinosaalKann man nun sagen, ob die eine Seite Recht oder Unrecht hat? Kann man irgendwie davon sprechen, dass der Markt erschöpft wäre? Fakt ist: Vor allem das Marvel Cinematic Universe ist unschlagbar erfolgreich. Es ist das (finanziell) erfolgreichste Filmfranchise aller Zeiten. Der erste Avengers-Film hat rund 1,5 Milliarden Dollar eingespielt und auch der 2.Teil hat die 1-Milliarde-Dollar-Marke bereits geknackt. Beide Filme gehören damit (ebenso wie Iron Man 3) zu den Top 10 der Milliarden-Filme. Finanziellen Erfolg kann man dem Franchise also nicht absprechen und ganz offensichtlich wollen immer noch sehr viele Leute diese Filme sehen.

Doch: Was ist dran an dem Vorwurf, dass wir im Superheldengenre nur (noch) hohle Action vor die Nase gesetzt bekommen, ohne gute Story und ohne Tiefgang? Sind Comicverfilmungen wirklich der Untergang des Kinos? Darf man diese Filme als selbsternannter Filmfan oder Cineast überhaupt gut finden?

Ich finde: Man darf. Ist ja klar, dass ich das sage, schließlich mochte ich zum Beispiel Avengers 2 auch total gerne. Ja, der Film hat seine Schwächen was die Story angeht und er ist natürlich sehr actionlastig. Dennoch finde ich die Ausarbeitung der Figuren besser als dem Film nachgesagt wird, ich fand die Beziehungen untereinander gut dargestellt und – kurzum – ich hatte einfach meinen Spaß.

Klar, die Marvel-Filme sind Filme für die „breite Masse“, die sicher nicht den gleichen Regeln oder Ansprüchen folgen wie kleinere Indenpendent-Filme. Ich für meinen Teil weiß aber beide Seiten des Kinos zu schätzen und ich denke, so geht es vielen filminteressierten Menschen. Ich bewege mich da wohl zwischen den Fronten, zwischen denjenigen, die nur hohles Actiongeballer gucken und Fast&Furious 7 für den geilsten Film aller Zeiten halten, und denjenigen, die nur französisches Arthousekino gucken. Im Originalton. 😉 So kommt es mir zumindest manchmal vor. Das heißt nicht, dass ich jeden Marvel-Film abnicke und pauschal für gut befinde, ganz und gar nicht. Ich finde nur, dass man an unterschiedliche Filme und Genre auch unterschiedliche Erwartungen und Ansprüche haben darf und sollte, damit Kino und Film noch Spaß machen.

Was ich natürlich ebenso blöd finde wie viele andere auch: Die Verleihpolitik von Disney (Mutterkonzern der Marvel Studios), die viele kleine Kinos durch stark erhöhte Abgaben auf Kinotickets zum Boykott des Films gezwungen hat. Ja, da kann man tatsächlich davon sprechen, dass solche Aktionen das Kino kaputt machen und das ist schade.

Doch hier soll es vielmehr um die Fragen sehen: Wollen wir das noch sehen? Wollen wir noch mehr Superhelden? Wollen wir immer wieder die gleichen Superhelden, in der x-ten Fortsetzung, im x-ten Crossover? Oder haben wir so langsam die Nase voll? Wenn ja, warum?

Was ist eure Meinung dazu? Schreibt sie in die Kommentare 🙂

5 Kommentare

  1. Also, ich kann ja nicht von „uns“ sprechen, aber ich für meinen Teil kann ganz klar sagen, dass ich mich über jeden neuen Superheldenstreifen freue und auch viele der (von dir ausgelassenen) Flops der Vergangenheit zumindest auf einer trashorientierten Basis gut finde. Ich meine, auf welcher Basis soll man Filme wie „Ghost Rider 2“ oder „Elektra“ denn sonst gut finden?

    Was mir am Marvel Cinematic Universe so gut gefällt ist, dass da wirklich eine übergreifende Strategie erkennbar ist, eine echte „Marvel-Welt“, in der eine Handlung in dem einen Film gleichzeitig auch eine Konsequenz in einem anderen Film hat. Das hat DC bis jetzt ja noch nicht hinbekommen.

    Was ich ein wenig skeptisch sehe sind die zahlreichen Reboots, auch wenn ich den Sinn dahinter verstehe. Es macht einfach keinen Sinn, wenn Spider-Man auf einmal in der Avengers-Welt auftaucht, als sei er immer schon da gewesen. Aber gefühlt haben wir einen neuen Spider-Man eben nicht erst dreimal (die Fernsehserie mitgezählt), sondern schon hundertmal gesehen. Und bei Batman habe ich langsam ein ähnliches Gefühl.

    Uneingeschränkt freue ich mich auf die bisher noch nicht groß in Erscheinung getretenen neuen Helden und Schurken. Ob die in cineastischer Hinsicht wesentlich neues beizutragen haben werden, da bin ich mir auch nicht sicher. Aber unter den Aspekten Spaß, Action und Epik wird uns da mit Sicherheit einiges geboten werden. Denn eines muss man Marvel lassen: eine Figur wie Ant-Man so aufzubereiten, dass der Trailer wirklich Appetit auf den fertigen Film macht, das muss man auch erst einmal hinkriegen.

    Fazit: Superhelden – ja bitte! Jedenfalls solange sie weiterhin so gut gemacht und „ernsthaft“ angegangen sind, wie im Augenblick. Und alle paar Filme eine Trashgranate schadet dann auch nicht übermäßig.

  2. Ich sags wie es ist: Mir geht der ganze Superheldenquark mittlerweile einfach völlig am Arsch vorbei. Das große Problem heißt: Übersättigung.
    Anfangs hatte ich ja sogar noch Spaß an den Superheldenverfilmungen. Spiderman mit Maguire (auch wenn mir nur Teil 1 wirklich gefallen hat), Batman mit Bale, Hulk von Ang Lee (den ich total scheiße fand), aber mittlerweile ist das einfach nur noch generischer Brei, der sich in keinster Weise voneinander unterscheidet. Alles Schema F, alles 100 Mal gesehen, ales nur Effektgetöse, alles todlangweilig.
    Wenn man einfach mal ein bisschen von diesem einheitlichen Schema abweichen würde, damit die Filme irgendwie eigenständig wirken, hätte ich vielleicht auch wieder Interesse daran, mir was davon anzugucken.
    Dazu kommt dann noch, dass alles nach gefühlt 2 Jahren rebootet wird. Wie viele Spidermans, Batmans, Hulks braucht die Welt? Ich kann nur für mich sprechen, aber ich brauche erst mal keine mehr.

  3. Bei Marvel gibt es etwas, was auf jeden Fall dafür sorgt, dass ich mir früher oder später jeden Film zu Gemüte führe. Und das ist schlicht und ergreifend, dass sie alle irgendwie tatsächlich ein gemeinsames Universum bilden und all diese über die Jahre auf die Leinwand geworfenen Einzelfilme ein Puzzle ergeben, das sich für mich (als Nicht-Kennerin der Comics) ganz allmählich ergibt.
    Für mich macht allein der Vorgang des Rätselns, was die Bonusszene nach den Credits bedeutet und das Diskutieren und gedankliche Zusammensetzen der Filme zu einem großen Ganzen sehr viel Spaß (abgesehen davon, dass ich auch vom Anschauen der Filme viel Spaß habe ^^). Es ist dieser Aspekt, der mich IMMER kriegt. Ich rätsle und vermute sehr gerne.
    Und vor allem weiß ich dadurch, dass das Ganze mehr ist als ein Actionfeuerwerk. Das Ganze läuft irgendwann auf etwas hinaus, das vielleicht erst 2020 oder so im Kino gezeigt werden wird, aber das schon seit 2000 im Grunde genommen vorgezeichnet war.
    Denn das ist auch etwas. An den Schnipseln merkt man, dass die nächsten Teile im narrativen Netz längst feststehen und man sie keineswegs nur auf den Markt wirft, weil es gerade „in“ ist, sondern weil man von Anfang an jeden einzelnen dieser Filme geplant und eingefügt hat.
    Und ja, das gefällt mir als Weltenbaujunkie einfach ungeheuer gut.
    Zu den Serien kann ich nicht so viel sagen. Da ich kein Netflix habe, kenne ich hier nur die DC-Serien und da gefällt mir Gotham besser als Flash, aber mehr kann ich auch nicht dazu sagen ^^

  4. Ich sehe das wohl so wie du: Ich liebe gut gemachte, tief gehende Filme. Aber manchmal möchte ich auch einfach nur unterhalten werden. Und ich gucke gerne Action-Filme dafür, denn die meisten Frauenfilme sind einfach nur mega-dämlich. Ein guter (Polit-)Thriller ist natürlich toll, aber auch nicht gerade leichte Unterhaltung. Dann bleiben irgendwelche Kriegs-, Auto-, Shooter-Filme, die mir auch nicht wirklich zusagen. Also: Comicfilme sind unterhaltsam ohne allzu dämlich zu sein (die meisten jedenfalls). Was sollte dagegen sprechen, wenn man sowas mag? Und ich finde auch nicht, dass sie an Anspruch verlieren. Avengers 2 konnte ich leider noch nicht sehen (buhuhuhu), aber Daredevil hat meines Erachtens für eine Serie einen sehr hohen Anspruch. Allerdings finde ich auch, dass manche Helden zu sehr ausgeweidet werden. Einen neuen Spider-Man hätte es für mich echt nicht geben brauchen (auch wenn ich Andrew Garfield in der Rolle echt gut fand) und Wolverine – so sehr ich ihn auch liebe – kann ich auch nicht mehr sehen. Zu schade, dass sie Edgar Wright aus Antman geschasst haben. Das hätte ich wahnsinnig gerne gesehen, aber so boykottiere ich.

  5. Als Cineast darf man imo natürlich die Superheldenfilme gut finden. Es gibt einfach verschiedene Reihen im Film und Action ist ein Teil davon! 🙂

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