Frau Margarete

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[Female Friday] Freeheld: Jede Liebe ist gleich

In ‚Freeheld‘ geht es um die wahre Geschichte von Laurel Hester und Stacie Andree. Hester war eine angesehene Polizeibeamtin in Ocean County, New Jersey, die ihre Homosexualität lange versteckt hielt. Doch als sie Stacie Andree kennenlernt und sich die beiden Frauen verlieben, gehen sie eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft ein, kaufen ein Haus, einen Hund und genießen ihre Zweisamkeit. Bis bei Laurel Lungenkrebs festgestellt wird und schnell klar ist, dass sie diese Krankheit nicht überleben wird. Sie kämpft bei den Behörden, um Gerechtigkeit, damit Stacie nach Laurels Tod ihre Pensionsansprüche bekommt – so wie es bei heterosexuellen Ehen der Fall ist.



Originaltitel: Freeheld
Kinostart DE: 07.04.2016
FSK: 6
Laufzeit: 104 Minuten

IMDB-Wertung: 6,5/10 (Stand: 22.04.2016)

Regie: Peter Sollett
Kamera: Maryse Alberti
Drehbuch: Ron Nyswaner
Schnitt: Andrew Mondshein

Darsteller: Julianne Moore, Ellen Page, Steve Carell, Michael Shannon, Luke Grimes u.a.


Dieser Film ist ganz sicher nicht perfekt, das ist wahr, er hätte besser umgesetzt werden können. Zuerst stimmt die Chemie zwischen Moore und Page nicht, aber in der zweiten Hälfte weiß Freeheld auf emotionaler Ebene zu überzeugen. Für mich funktionierte der Film letztlich sehr gut, weil ich mir bewusst gemacht habe, auf welcher Geschichte er beruht und was er dem Zuschauer vermitteln will. Der Kampf um Gerechtigkeit ist immer ein schwieriges, emotionales Thema, das mich persönlich schnell erreicht. Ich bin jedenfalls aus dem Kino gegangen und war bewegt von der Geschichte, die dort erzählt wurde und kann über die Schwachstellen hinwegsehen. Alleine um die Botschaft des Films wahrzunehmen, kann und sollte man sich ihn ansehen.


Der Kinofilm „Freeheld: Jede Liebe ist gleich“, der aktuell in den deutschen Kinos zu sehen ist, basiert nicht nur auf der wahren Geschichte von Laurel Hester und Stacie Andree, sondern auch auf dem oscarprämierten Dokumentarkurzfilm „Freeheld“ aus dem Jahr 2007.

Freeheld ist durchaus ein sehenswerter Film – allein schon wegen seiner Botschaft, die leider auch heutzutage noch nicht bei allen Menschen angekommen ist.
Leider hat es ein wenig gedauert, bis mich der Film vollkommen einnahm und, so traurig es auch ist, man muss sagen, dass Julianne Moore und Ellen Page kein verliebtes Knistern auf die Leinwand zaubern konnten. Ich habe ihnen die Liebesgeschichte vor allem in der ersten Hälfte des Films nicht abgenommen, was den Film zunächst etwas zäh machte.

In der zweiten Hälfte ging es dann für mich weniger um die Beziehung der beiden als um den Kampf für Gerechtigkeit. Hier zeigte Julianne Moore mal wieder, was sie kann, wobei ihr sicher auch eine erschreckend reale Maske behifllich war. Doch auch Ellen Page ging in ihrer Rolle als Stacie Andree auf und konnte mich letztlich überzeugen. Unterstützt wurden die beiden durch starke Nebendarsteller wie Michael Shannon. Schade dabei ist sicherlich, dass Carell die Rolle des homosexuellen Steven Goldstein sehr stereotyp und sehr übertrieben darstellt, was weder der Film noch die Rolle gebraucht hätte. Der komödiantische Aspekt seiner Rolle passt nicht in den Film und wirkte auf mich eher deplatziert.

Sicher bedient sich „Freeheld“ an manchen Stellen der emotionalen Manipulation, aber es geht nunmal auch um ein emotionales Thema. Laurel Hester, die sich über 20 Jahre lang als Polizistin für die Gerechtigkeit eingesetzt hat, kämpft nun nicht nur gegen den Krebs, sondern auch für ihre eigene Gerechtigkeit – denn sie wird ganz offensichtlich benachteiligt, nur weil sie homosexuell ist (die wahren Ereignisse spielten sich 2005/06 ab).

Der Film bespricht damit Themen, die auch heute, 10 Jahre nach Laurels Kampf, noch immer aktuell sind. Die Frage nach der „Heiligkeit der Ehe“ wird gestellt und damit natürlich auch die Frage, ob gleichgeschlechtliche Beziehungen in der Gesellschaft und vor dem Gesetz wirklich die gleichen Rechte genießen. Laurel Hester hat einen Kampf begonnen, der nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Dieser Film ist ganz sicher nicht perfekt, das ist wahr, er hätte besser umgesetzt werden können. Zuerst stimmt die Chemie zwischen Moore und Page nicht, aber in der zweiten Hälfte weiß Freeheld auf emotionaler Ebene zu überzeugen. Für mich funktionierte der Film letztlich sehr gut, weil ich mir bewusst gemacht habe, auf welcher Geschichte er beruht und was er dem Zuschauer vermitteln will. Der Kampf um Gerechtigkeit ist immer ein schwieriges, emotionales Thema, das mich persönlich schnell erreicht. Ich bin jedenfalls aus dem Kino gegangen und war bewegt von der Geschichte, die dort erzählt wurde und kann über die Schwachstellen hinwegsehen. Alleine um die Botschaft des Films wahrzunehmen, kann und sollte man sich ihn ansehen. 7/10 Punkte.

5 Kommentare

  1. Kia ora, Katie.
    Der konservative Teil der Menschheit pocht gerne auf einen status qua, der entweder gott- oder naturgegeben sein soll. Daß eben diese Natur – respektive die Schöpfung – allerlei Überraschungen auf Lager hat, wird dabei eher großzügig ausgeblendet. Homosexualität wird verdammt, weil sie am eigenen Credo & Weltbild nagt.
    Hirn & Herz dabei einzubeziehen fällt vielen schwer – wie immer wenn Dogmen über Empathie gestellt sind.

    Schade nur, daß es dem Film nicht gelingt die Liebe zwischen Beiden manifest zu machen, steht er damit doch lediglich auf einem Bein. Womit der Wille zur Botschaft die Überhand gewinnt – anstatt das Mitgefühl (durch die Betrachter) zu thematisieren.

    bonté

    1. Das kam in meiner Rezension vielleicht nicht richtig zur Geltung: Mitgefühl konnte ich durchaus aufbringen. Vermutlich allein schon deshalb, weil ich wusste, dass es sich um eine wahre Begebenheit handelt und weil heutzutage beinahe jeder weiß, wie grausam eine Krebserkrankung für Betroffene und Angehörige ist. Mein Mitgefühl war also da, nur nicht von Beginn an. Es hätte dem Film vielleicht gut getan, auf das Kennenlernen der beiden Frauen zu verzichten und sie direkt von Beginn an als Paar zu zeigen.

      1. …Deine Rezi bringt den Aspekt klar auf den Punkt; mein „Mitgefühl“ bezieht sich einzig auf den Aspekt der nicht stimmig inszenierten/gespielten Liebesgeschichte als Intro. Wie Du schreibst, hätte das funktioniert, würde einen das Geschehen danach noch wesentlicher treffen.
        Du hast Recht, der Film wäre besser gleich in medias res gegangen!

        Eine treffliche Besprechung Deinerseits.

        bonté

  2. Eine schöne Besprechung – und es freut mich für dich, dass du den Film doch noch sehen konntest! Bei uns läuft er, wenn ich Glück habe, im Kino für Kenner, aber sicherlich erst in 6 Monaten und da leb ich dann schon nicht mehr hier. Blöde Sache 😀

    Schade, dass die Liebesgeschichte bei dir nicht so recht ankam – ich muss aber sagen, so sehr ich beide Schauspielerinnen mag und obwohl Ellen Page meine Lieblingsschauspielerin ist, fand ich die Wahl doch auch seltsam. Die beiden passen nicht so wirklich zueinander (ist der Altersunterschied beim wahren Paar auch so groß gewesen?). Da hatte ich das Gefühl, man hat Ellen wegen ihrer realen Homosexualität ausgewählt.

    Trotzdem spricht mich der Kampf für Gerechtigkeit sehr an, den auch ich für sehr wichtig halte. Auf DVD wird’s der Film also definitiv!

    Danke dir für deine ausführliche Meinung 🙂

    1. Ja, ich glaube, der Altersunterschied beim realen Paar war auch recht groß und vom Typ her passten beide Schauspielerinnen auch gut in ihre jeweilige Rolle (die reale Stacie Andree war, den Fotos nach zu urteilen, noch deutlich maskuliner/androgyner als Ellen Page im Film). Wirklich schade, dass die beiden Top Schauspielerinnen da nicht so ganz die Verliebtheit rüberbringen konnten, ich mag ja auch beide sehr gerne.

      Danke für deinen Kommentar 🙂

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