Frau Margarete

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Female Friday: Warum Joanne K. Rowling und „Harry Potter“ einfach awesome sind

In meiner Reihe Female Friday möchte ich regelmäßig bemerkenswerte Frauen vorstellen, die einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft, zur Geschlechtergleichheit oder zum Feminismus geleistet haben. Frauen, die mich auf irgendeine Weise berühren und erreichen und von denen ich denke, dass mehr Menschen sie kennen sollten. Nachdem ich bereits bemerkenswerte Real-Life Frauen vorgestellt habe (der Titel ist natürlich irreführend, da ja alle vorgestellten Frauen aus dem „real life“ sind, war aber als Abgrenzung zu Figuren in Filmen und Serien gedacht), kommt in dieser Woche wieder eine ganz reale Frau dran – und die fiktiven Frauen, die sie geschaffen hat.

Autorinnen haben mit ihren Werken die Macht, ganz neue Welten zu erschaffen, Charaktere zu erfinden, die es noch nie gab und sie Probleme bewältigen zu lassen, die wir uns kaum vorstellen können. In Büchern kann man Figuren durch die Hölle gehen lassen oder aber in den Himmel heben – alles nur dank der Phantasie einer einzigen Autorin oder eines einziges Autors.

Hier und heute möchte ich Joanne K. Rowling vorstellen, die es meiner Meinung nach geschafft haben, in ihren Büchern tolle Charaktere zu erschaffen – vor allem tolle weibliche Charaktere. (Also, auch tolle männliche Charaktere, aber wir sind ja hier beim FEMALE Friday. Deswegen. Ihr versteht schon.)

Hermine – unsere Heldin

In der „Harry Potter“-Reihe hat Joanne K. Rowling eine ganze Reihe von interessanten und liebenswerten Figuren geschaffen. In ihren Geschichten spiegelt sich oftmals Gesellschaftskritik wieder und manches Mal kann man die Probleme der Zaubererwelt auch auf unsere reale Welt übertragen. Eine wunderbare Leistung von Rowling war aber die Erschaffung von Hermine Granger, wohl einer der besten weiblichen Charaktere überhaupt in Jugendbüchern.

Hermine ist schlau und anfangs auch sehr rechthaberisch und dominant, was ihrem unglaublichen Ehrgeiz geschuldet ist. Doch sie entwickelt sich zu einer hilfsbereiten und loyalen Freundin, die unserem Helden Harry so manches Mal weiterhelfen kann und muss. Zwar muss sie zu Beginn der Reihe von Ron und Harry vor einem Troll gerettet werden, doch bereits in der Kammer des Schreckens wären die beiden ohne Hermine dann aufgeschmissen.

Emma Watson als 'Hermine Granger' in den Harry Potter-Filmen. (© Warner Bros. Pictures)
Emma Watson als ‚Hermine Granger‘ in den Harry Potter-Filmen. (© Warner Bros. Pictures)

Hermine weiß, dass Wissen Macht ist und ist immer bemüht, ihr Wissen zu erweitern. Sie setzt sich für andere ein, wie zum Beispiel für die Hauselfen, obwohl sie in der magischen Welt als „mudblood“ oft ausgegrenzt und angefeindet wird. Und am Ende nimmt sie bezüglich ihrer Eltern ein unglaublich großes Opfer auf sich. So entwickelt sie sich weiter, zu einer selbstbewussten jungen Frau, die genauso tapfer in die Schlacht um Hogwarts tritt wie ihre Freunde.

„Young girls are told you have to be the delicate princess. Hermione taught them that you can be the warrior.“ – Emma Watson

HarryPotter

Die große Bandbreite weiblicher Figuren in der „Harry Potter“-Reihe

Aber Hermine ist nicht der einzige Aspekt, der J.K. Rowlings Arbeit so bemerkenswert macht. Die Bandbreite der weiblichen Charaktere ist ebenfalls positiv hervorzuheben. In Harry Potter sind die Frauen nicht alle süß-lieb-lustig, wir haben aber auch nicht nur die eine durchtrieben böse Frau. Nein, wir haben mit Hermine die kluge Kämpferin, während zum Beispiel Bellatrix Lestrange wohl eine der fiesesten Bösewichterinnen ist, die wir je gesehen haben. Dazwischen sehen wir Molly Weasley und Narcissa Malfoy, die für ihre Familie kämpfen. Wir sehen Ginny, die sich nicht hinter ihren Brüdern verstecken will und muss, wir lernen Cho Chang und Angelina Johnson kennen, die erstklassige Quidditch-Spielerinnen sind. Es gibt weibliche Lehrerinnen wie McGonagall, die als Mentorin fungieren, oder Lehrerinnen wie Trewlaney, die am Ende vielleicht doch nicht so verrückt sind wie alle dachten. Und natürlich Lehrerinnen wie Umbridge, die sich in ihrer Boshaftigkeit nicht hinter Bellatrix Lestrange verstecken muss. Wir sehen Luna Lovegood, die ein bisschen den clumsy Nerd verkörpert und treffen Tonks, die ein bisschen wie die coole, große Schwester ist, die Harry nie hatte.

Ihr seht schon: In Rowlings Figurenuniversum könnte ich mich ewig verlieren. Und das macht es so wundervoll und so bemerkenswert. Diese Darstellung von weiblichen Charakteren entscheidend für das feministische Verständnis, dass Frauen verschieden sind und eben nicht in eine spezielle Schublade oder Schablone passen.

Mutterschaft ist ein wichtiges Thema in der Harry-Potter-Reihe. Die Bücher und Filme bieten eine große Bandbreite von Mutterfiguren, zum Beispiel Petunia Dursley, Molly Weasley oder Narcissa Malfoy. Sogar die verstorbene Lily Potter spielt die ganze Zeit eine Rolle – denn wir alle wissen, dass es die mütterliche Liebe war, die Harry als Kind vor dem mächtigsten schwarzen Magier aller Zeiten rettete.

“Very early on in writing the series, I remember a female journalist saying to me that Mrs Weasley, ‚Well, you know, she’s just a mother.‘ And I was absolutely incensed by that comment. Now, I consider myself to be a feminist, and I’d always wanted to show that just because a woman has made a choice, a free choice to say, ‚Well, I’m going to raise my family and that’s going to be my choice. I may go back to a career, I may have a career part time, but that’s my choice.‘ Doesn’t mean that that’s all she can do. And as we proved there in that little battle, Molly Weasley comes out and proves herself the equal of any warrior on that battlefield.”  – Joanne K. Rowling, via goodreads

Joanne K. Rowling als Person

Viele werden die Geschichte kennen, wie und wann „Harry Potter“ entstand. Joanne K. Rowling war damals arbeitslos, litt an Depressionen, und lebte von der Sozialhilfe als alleinerziehende Mutter. Auf einer Zugfahrt hatte sie die Idee von diesem kleinen Zaubererjunge in seiner Zaubererschule… und der Rest ist Geschichte.

Laut Forbes ist Rowling die erste weibliche Autorin, die mit dem Schreiben von Büchern zur Milliadärin geworden ist. Sie tut gutes mit diesem Geld und unterstützt viele wohltätige Organisationen, zum Beispiel für alleinerziehende Eltern oder schwerkranke Menschen. Mit ihrer Meinung zu politischen oder gesellschaftlichen Themen hält sie nicht hinterm Berg, wenngleich sie ein schwieriges Verhältnis zur Presse (insbesondere zur Daily Mail) hat. Auf ihrem Twitteraccount kommuniziert Joanne K. Rowling sehr rege mit ihren Fans und der übrigen Außenwelt.

Ich finde es außerdem wirklich schön zu sehen, wie sie scheinbar noch immer den Kontakt hält zu den Darstellern der Harry Potter-Filme. Sie unterstützt zum Beispiel Emma Watsons #HeForShe-Kampagne und verfolgt auch die Aktivitäten der anderen jungen Stars aufmerksam… zum Beispiel die von Matthew Lewis (Neville), der für „Attitude“ die Hüllen fallen ließ.

Was schätzt ihr an Joanne K. Rowling, der ‚Harry Potter‘-Reihe und den weiblichen Charakteren darin?


 

Quellen und weiterführende Links:

11 Kommentare

  1. Schöne Übersicht! Ich finde Joanne K. Rowling auch toll! Obwohl ich Ginnny noch lieber mag als Hermine, weil sie sich von der schüchternen kleinen Schwester zur echten Kämpferin entwickelt. Hermine ist und bleibt ja Miss Superklug (im positiven Sinne). Ich mochte auch „A sudden vacancy“ sehr gerne. Anfangs hat es mich noch nicht in den Bann gezogen, aber dann, desto weiter ich gelesen habe, hing es mir immer mehr nach. Und da gibt es ja auch sehr viele unterschiedliche weibliche Charaktere und sehr interessante Wendungen (ich möchte da nicht näher drauf eingehen, im Falle, dass du es noch nicht gelesen hast ;)).
    Ansonsten bin ich immer wieder erschrocken, wie wenige Autorinnen sich in meinem Bücherregal befinden. Da haben wir gerade mal die Klassiker: Jane Austen ist natürlich großartig. Und Jane Eyre ist auch ein toller Charakter. Schon faszinierend, dass diese „alten“ Frauen teilweise viel feministischer waren als moderne Autorinnen.

    1. Jane Austen wollte ich auch nochmal vorstellen, ich habe zu Weihnachten alle ihre Romane bekommen, da werde ich mich demnächst mal „durcharbeiten“.
      Dass diese „alten“ Autorinnen feministischer waren lag vielleicht daran, dass sie die Ungleichheiten noch stärker wahrgenommen haben und in ihren Werken somit Frauenfiguren schaffen konnten, die es in der realen Welt nur selten gab oder nicht geben durfte (aus Angst vor Strafe). Eigentlich ein interessantes Thema, da muss ich mal näher drüber nachdenken 🙂

    2. Eine Autorin, deren interessante Biographie „Meine gute alte Zeit“ ich gerade (mal wieder) gelesen habe und vor der ich ganz tief den Hut ziehe: Agatha Christie. Bemerkenswerte Frau.

      Ich glaube, wir empfinden diese „alten“ Autorinnen feministischer als heutige weil wir sie besser in den Kontext ihrer Zeit einordnen können und Feminismus zu Zeiten einer Jane Austen einfacher zu erkennen war. Und heute immer noch ist.

      Liebe Grüße,
      Mirtana

  2. An Rowling ist für mich so faszinierend (von ihrer unglaublichen Phantasie müssen wir denke ich nicht anfangen), dass sie so viele Charaktere hat, die differenziert gezeichnet sind. Alicia und Angelina sind ja ebenso wenig Hauptcharaktere wie Seamus Finnegan, aber dennoch sind sie alle sehr facettenreich, manchmal durch Kleinigkeiten.
    Was ich übrigens auch erwähnenswert finde: Die Autoren von Lehrbüchern. Es ist einigermaßen ausgewogen zwischen Männern und Frauen, erwähnenswert ist für mich vor Allem Bathilda Bagshot, die das historische Lehrwerk geschrieben hat. Als ehemaliger Geschichtsstudent ist mir noch gut in Erinnerung, dass Geschichte nicht nur (immer noch) Geschichte über Männer, sondern nach wie vor auch Geschichte von alten Männern ist. Da hat sie einen für mich sehr sympathischen Kontrapunkt gesetzt.

    1. Ein toller Gedanke, das mit den Schul- und Geschichtsbüchern. Das ist zum Beispiel ein Aspekt, auf den ich persönlich gar nicht so sehr geachtet habe. Daher vielen Dank für die Ergänzung 🙂

  3. Ich liebe J.K. und „Harry Potter“! <3 Mir ist auch erst in letzter Zeit, dank Twitter, aufgefallen, wie witzig Frau Rowling eigentlich ist. 🙂

    Ich mach mich wahrscheinlich jetzt sehr unbeliebt, aber ich fand Hermine nie so toll… Für mich war schon immer Ginny die heimliche Heldin, statt Hermine, auch wenn sie eine viel kleinere Rolle hat. Ginny und Luna waren für mich die weiblichen Vorbilder, wenn man so will. Hermine fand ich schon immer overrated. *wegduck* ^^

    1. Es muss ja nicht jede(r) die gleichen Figuren toll finden. Ich mochte Harry zum Beispiel nie, obwohl er ja der offensichtliche Held ist 😀 Aber was ich deinem Kommentar entnehme: JK Rowling hat eben nicht nur eine weibliche Heldin geschaffen, sondern genug weibliche Figuren, damit sich jede(r) jemanden suchen kann, mit dem man sich identifizieren kann 🙂

      1. Ja, J.K. hat so viele tolle Figuren erschaffen, sodass man das Harry Potter Universum trotzdem lieben kann, obwohl man eventuell eine der Hauptfiguren nicht so gerne mag. 🙂

  4. Da ich ein großer Harry Potter Fan bin, bin ich natürlich auch ein großer Fan dieser Frau. Ihre Erfolgsgeschichte kenne ich nur zu gut, hatte darüber auch schon Dokumentationen gesehen und natürlich viele ihrer Interviews gelesen. Die ist wirklich berührend und beeindruckend, weil sie einfach zeigt, wie stark diese Frau ist und das man an seine Träume glauben soll. Harry Potter wollte ja zu Beginn kein Verlag haben ,aber sie hat an sich und ihre Ideen geglaubt und nicht aufgegeben und das zu Recht.

    Hermine ist von den Frauen zwar mein Liebling, einfach weil sie so taff und klug ist und ihre Meinung vertritt, aber natürlich mag ich auch Luna, die gerade aufgrund ihrer Eigenarten so symphatisch ist und ein gutes Herz hat, oder Mrs. Weasley, die einfach nur liebenswertig ist, aber für ihre Kinder kämpft. Oder McGonagall, die nach außen hin streng wirkt, aber eigentlich einen sehr weichen Kern hat und auch sehr lustig ist. Kann dir also nur zustimmen.

    Das sie noch den Kontakt zu allen Schauspielern hält finde ich toll, das zeigt nur wie nahe der Cast sich steht. Sie hatte damals ja auch die Castingentscheidungen mitgetroffen und so vielen jungen, englischen Schauspielern eine Bühne gegeben. Fand ich wirklich toll.

  5. Wunderbarer Post. <3
    Hermine habe ich beim Lesen immer unglaublich verehrt, sie und Ginny waren immer zwei meiner ganz großen Heldinnen. Als Kind hab ich das gar nicht so richtig registriert, aber einer der Gründe, weshalb ich gerade Hermine immer so gemocht habe war eben (genau wie du geschrieben hast), dass sie so ambivalent ist. Unglaublich klug und in ihrem ehrgeiz auch nicht unproblematisch, aber gleichzeitig auch sehr mutig und nicht einfach nur die stereotype Streberin im Hintergrund. Das gefällt mir insgesamt an den (Frauen-)Figuren in Harry Potter so gut: Sie dürfen alle gerne mal ungewöhnlich und vielleicht auch schwierig sein (da ist Luna wohl das beste Beispiel) oder es echt nicht leicht haben (z.B. Hermine mit der Schlammblut-Ausgrenzerei, aber auch in kleinen Dingen wie Ginny, die mit lauter Brüdern groß wird und dadurch auf ihre Art tough ist, oder ihre Mutter, die die ganze durchgeknallte Bande im Griff hält), aber egal, was passiert, am Ende überstehen sie es immer auf die eine oder andere Weise. Mit Verlusten und Verletzungen, aber sie geben nicht auf. Und das finde ich nicht nur immer wieder eine schöne Botschaft, sondern auch angenehm erfrischend bzw. hat für mich als Kind einen guten Teil der Magie der Bücher ausgemacht, weil dadurch unabhängig von den Rollen, die die Figuren hatten, sie immer echt gewirkt haben. Und mit was will man sich denn identifizieren, wenn nicht mit "echten" Menschen? 😉

    Hach, ich könnte mich gerade schon wieder in der awesomeness von Harry Potter verlieren, also danke für diesen Post. 😀

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