Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Filme

Feminismus im Film: Wo sind die starken Frauen?

So langsam ebbt sie ab, die Welle der Begeisterung über den neuen Mad Max: Fury Road. Neue Filme entern die Kinos, neue Helden werden geboren. Der rote Staub wird weggewischt, die Klamotten abgeklopft, die Filmbewertung gespeichert, die nächste Bluray ist schon eingelegt. Was bleibt ist die Erinnerung an einen grandiosen Actionfilm und der Hype um die starke Frauenfigur von Imperator Furiosa, gespielt von Charlize Theron.

Auch ich zeigte mich begeistert von ihrer Figur, einer starken Frau, die für sich, ihre Werte und die Rechte anderer Frauen einsteht. Die selber kämpft und nicht auf die Rettung durch den männlichen Helden angewiesen ist. Doch warum ist das eigentlich so ein großes Thema? Warum fällt es uns als etwas besonderes auf? Ganz einfach: Weil es das sonst nicht so häufig gibt.

Anstoß für diesen Beitrag war ein Artikel auf MaGo Filmtipps und ich möchte meinen Post als Ergänzung dazu sehen, nicht als Verbesserung, denn der Artikel von Ma-Go und Angela ist großartig. Und er greift ein Thema auf, das mich schon länger beschäftigt, das ich mir bisher aber nicht zugetraut habe: Feminismus im Film.

Was ist Feminismus eigentlich?

Einigen Männern und tatsächlich auch einigen Frauen platzt ja scheinbar schon die Hutschnur, wenn sie dieses Wort nur hören. Dabei ist doch der Feminismus in seinem Kern etwas durchweg positives: Eine Bewegung, die für Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung der Frau eintritt und die das Ende von Sexismus fordert. Nicht zuletzt Emma Watson (Hermine Granger und gleichzeitig UN-Sonderbotschafterin für Gleichberechtigung) betont im Rahmen der HeForShe-Kampagne, wie viel der Feminismus uns als Gesellschaft bringen kann und dass auch Männer von ihm profitieren. Feminismus bedeutet, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte habe – und sollte nicht als Synonym für Männerhass stehen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, warum das Wort „Feminismus“ so negativ besetzt ist. Denn wie Emma Watson sagt: Es ist nicht das Wort, um das es geht. Es geht um die Idee dahinter. Und die Frage ist: Wie werden Frauen im Film dargestellt? Welche Rollen haben sie und welche Rollen haben ihre männlichen Kollegen? Welche Stereotype gibt es für Frauen, welche Eigenschaften werden ihnen zugeschrieben? Natürlich gibt es auch Genderklischees für Männer – die werden vielleicht eines Tages Thema eines anderen Blogbeitrags sein.

Filme: Ein Abbild der Wirklichkeit?

Nichts desto trotz kann man aber davon ausgehen, dass Filme doch in gewisser Weise ein Abbild der Wirklichkeit sind. Natürlich spielen sie mit Klischees und natürlich wird die vermeintliche Wahrheit überspitzt dargestellt. Die Frage ist nur: Welche Ausmaße muss das ganze annehmen? Und: Geht es nicht auch anders?

Eine breit angelegte Studie des Geena Davis Institute on Gender in Media von 2014 kam unter anderem zum Ergebnis, dass nur 30,9% aller Sprechrollen weltweit von Frauen besetzt und nur 20,5% aller Filmschaffenden weiblich sind. Weibliche Charaktere werden mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit sexualisiert und sind mit verschwindend geringer Wahrscheinlichkeit in Rollen hochrangiger Politikerinnen (9,5%) oder als Führungskräfte (13,9%) zu sehen.

Quelle: Stigmatisierender Feminismus? auf moviepilot.de

Es gibt uns natürlich schon zu denken, dass nur 30,9% der Sprechrollen weltweit von Frauen besetzt sind, gleichzeitig sagt dies aber noch nichts über die Qualität der Rollen aus. In die gleiche Kerbe schlägt ja eigentlich auch der berühmt-berüchtigte Bechdel-Test, den auch MaGo und Angela zitieren. Ob nun zwei Frauen im Film auftauchen und ob sie miteinander sprechen (über etwas anderes als Männer), das sagt noch nichts über ihre Rollen aus.

Welche Frauenrollen wollen wir sehen?

Und da kann ich nur für mich antworten. Ich möchte Frauen sehen, die ihren eigenen Weg gehen und die sich nicht unterdrücken lassen oder abhängig machen. Frauen, die mehr sind als nur die Helfer der männlichen Helden und vor allem Frauen, die mehr sind als die berühmte Jungfrau in Nöten.

Es geht darum, Frauen die gleichen Rollen wie Männer zu geben. Darum, dass auch eine Frau mal die Heldin in einem Film sein kann – aber auch der Bösewicht. (Erst vor kurzem stellten ich und viele weitere Teilnehmer der 10 best Villains Blogparade nämlich fest, dass Frauen sehr selten als Antagonistin dienen).

Ich möchte mehr starke Frauen sehen wie zum Beispiel Ginger in Ginger & Rosa, Black Widow von den Avengers (Ja, ich kenne die feministische Kritik an Age of Ultron, aber ich finde sie nicht begründet, für mich ist Black Widow nach wie vor eine starke Figur), Eugenia und all die anderen Frauen in The Help, Hermine in Harry Potter. Oder, wenn es um Serien geht, Charaktere wie die viel gehasste Skylar White in Breaking Bad, wie die Gilmore Girls oder wie die Frauen bei den Agents of SHIELD.

Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie stehen für sich und andere ein, sie verfolgen ihre Ziele, sind clever und können es problemlos mit den Männern um sie herum aufnehmen. Manche von ihnen machen im Laufe des Films oder der Serie einen Wandel durch, sind vielleicht nicht von Anfang an so stark wie am Schluss oder haben zwischendurch ihre schwachen Momente. Aber es geht auch nicht darum, immer stark und immer perfekt zu sein. Es geht darum, authentisch und interessant zu sein, ohne entweder als Sexobjekt klassifiziert zu werden oder als Nebenfigur neben dem männlichen Helden unterzugehen. Gleichzeitig heißt das: Ich wünsche mir starke Frauen in den Hauptrollen, aber auch starke Nebenrollen wie Hermine oder Skylar White dürfen gewürdigt werden, sollten es sogar.

Dieses Thema ist so groß und so vielschichtig. Egal, was ich schreibe, ich habe das Gefühl, es ist nicht genug und es kratzt nur an der Oberfläche. Aber ich hoffe, dass ihr versteht, was ich meine und dass ihr vielleicht bei mir seid. Es hört sich polemisch an, aber: Feminismus ist nicht unser Feind, sondern eine Chance, nach wie vor und auch im Film.

Was denkst du über dieses Thema? Wie nimmst du Frauen in Filmen und Serien wahr und welche starken Frauen sind dir im Gedächtnis geblieben?

15 Kommentare

  1. Schau doch mal Tank Girl 🙂 Der ist zwar sehr schräg und ganz schön 90s, aber da geht’s um ne starke Frau, die ich echt cool finde!^^

    1. Danke für den Tipp, merk ich mir 🙂 Hab ich über dich ja schon häufiger von gehört in letzter Zeit, aber bisher noch nicht wirklich verfolgt 😉

  2. Oh, Skylar war echt ätzend. Immer diese Zickereien. Ich empfand sie genau deswegen aber auch weniger als eine „starke“ Fau. Ihre Situation mag zwar realisitsch sein, aber zu einem (charakter-)starken Charakter gehört für mich auch immer ein bisschen Coolness. Jemand, der halt genau weiß, was er tut.

    1. Am Anfang der Serie fand ich Skylar auch ätzend, so war ihre Rolle wohl auch angelegt, aber je bedrohlicher Walter wurde, desto mehr konnte ich mich in Skylar hinein versetzen und sie verstehen. Das „starke“ Frauen in der Überschrift ist vielleicht etwas missverständlich gewählt, denn es geht mir in erster Linie um interessante Frauen, authentische Frauen, die eben nicht nach Schablone X funktionieren und ich denke, da kann man Skylar durchaus dazu zählen. Alleine schon, dass sie so polarisiert spricht dafür, dass ihr Charakter irgendwie interessant ist.

  3. Erstmal: Schön, dass du auf meine Auswertung der Villains-Blogparade verlinkt hast! 🙂

    Ich stimme dir auf voller Linie zu: ich mag starke Frauenrollen, nicht zuletzt deswegen mag ich z.B. das, was Joss Whedon erschaffen hat. Das ging mit „Buffy“ los, in der es nur so wimmelt von starken Frauenfiguren, ging über „Dollhouse“ bis zu den „Agents of S.H.I.E.L.D.“. Für mich ist Whedon einer der Vorreiter auf diesem Gebiet, einer der feministischsten Schaffenden in Hollywood.

    Gerade habe ich auch wieder eine starke Frau in einer Nebenrolle (in „Suits“) entdeckt, die zwar auch unglaublich sexy ist, aber gleichzeitig so stark ist: Donna Paulson (Sarah Rafferty) ist zwar absolut loyal ihrem Chef Harvey Specter gegenüber, sagt ihm aber auch immer wieder gehörig die Meinung, auf die er auch in der Regel hört, oder er muss zumindest hinterher zugeben, dass sie Recht hatte. In der Hierarchie steht sie unter den Männern in dieser Anwaltskanzlei, aber trotzdem ist sie ihnen mindestens ebenbürtig. Schwierig zu erklären, wenn man die Serie nicht kennt.

    Ich finde, generell betrachtet, schon, dass es heutzutage deutlich mehr starke Frauenfiguren gibt als noch in den 80er Jahren, z. B. Trotzdem könnte und sollte es noch weitaus mehr solche Figuren wie Imperator Furiosa geben!

    1. Ja, Joss Whedon wird in dem Zusammenhang wirklich häufig genannt. Deswegen finde ich es auch schade, dass er für Age of Ultron und Black Widows Rolle darin so kritisiert wird, weil ich nicht glaube, dass das seine Absicht war. Ich kann auch nur betonen, dass ich Black Widow gerade in AoU gut fand, weil sie menschlicher wurde (wie zB Hawkeye auch). Ich schau gerade „Firefly“ von Whedon und auch da mag ich seine Frauenfiguren (und generell alle Figuren 😉 )

      Suits muss ich uuunbedingt mal schauen! Aber zwar die ersten drei-vier Folgen schon gesehen, aber wie das immer so ist mit der Zeit, die man nicht hat… 😉

  4. Hi!

    Danke für die lobenden Worte und das Verlinken.

    Ich denke der Begriff Feminismus ist deshalb oft so negativ besetzt, weil es zu viele verschobene Personen gibt, die sich selbst „Feminist/in“ nennen. Das ist wie mit den religiösen Fanatikern auch, die eine eigentlich positive Glaubensrichtung in Verruf bringen.

    Aber zur Filmproblematik:
    Ich als Mann brauche jetzt nicht unbedingt nur der ausgleichenden Gerechtigkeit wegen auch noch weitere Marvelfilme mit weiblichen Superhelden. Trotzdem habe ich ja in meinem Artikel ausführlich beschrieben, dass ich auf jeden Fall mehr „gute“ weibliche Figuren in Filmen sehen würde. Das müssen aber meiner Meinung nach nicht unbedingt „starke“ Frauen sein. Natürlich ist es erfreulich, wenn auch mal Figuren wie Furiosa in „Mad Max“ im Kino zu sehen sind, die durchaus auch mal den Männern in den Arsch treten.

    Ich finde es aber ebenso wichtig, schwache Frauen zu zeigen. Allerdings mit einem persönlichen Profil und keine Abziehbilder oder austauschbare Stereotype. Als gutes Besipiel würde mir da „Still Alice“ einfallen, der für mich eines der Highlights des bisherigen Kinojahres war. Darin spielt Juliane Moore eine Alzheimer-Patientin, die einen aussichtslosen Kampf gegen ihre Krankheit führt und dabei langsam aber sicher sich selbst und den Kontat zu ihrer Familie verliert. Im Film ist Alice hilflos, verletzlich und ihr Dasein beinahe würdelos. Denoch handelt es sich hier um eine gute weibliche Figur, da sie ein sehr persönliches Profil hat, was es dem Zuschauer erlaubt mit ihr gemeinsam zu leiden und sich in sie hineinzudenken und zu fühlen. Als Hauptfigur des Films ist Alice für die Handlung essenziell und nicht einfach nur eine austauschbare Schablone, die nichts zu sagen hat.
    Obwohl Alice ihr Leben nicht alleine meistern kann und die Pflege und Hilfe ihrer Familie abhängig ist, halte ich den Film für ein gelungenes Beispiel dafür, wie gute weibliche Figuren in Filmen aussehen können.

    Liebe Grüße,

    Ma-Go

    Hier noch mal der Link zu meinem Artikel zum Thema:
    https://magofilmtipps.wordpress.com/2015/06/06/sexismus-in-hollywood-oder-konnen-frauen-keine-helden-sein-ein-gesprach-uber-frauenrollen-in-filmen/

    1. Ja da stimme ich dir zu, das habe ich an der Stelle vielleicht falsch ausgedrückt. Es geht nicht immer nur um starke Frauen, sondern um interessante Frauen, die ihre eigene Geschichte erzählen und, wie du auch sagst, nicht einfach austauschbar sind. Das meine ich auch, wenn ich im Text schreibe, dass frau nicht immer perfekt sein muss.

  5. Ein sehr schönes Thema das du hier thematisierst.
    Das Thema Feminismus ist wirklich eine Sache für sich und ich habe schon endlose Diskussionen darüber geführt. Mich nervt es auch, wie Feminismus manchmal dargestellt wird (kann man das so sagen) oder die Tatsache, dass er irgendwie negativ behaftet ist, weil es genug gibt die die Augen verdrehen wenn wieder jemand über Feminismus diskutiert. Von daher kann ich mich da Emma Watsons Worten nur anschließen: Es geht um die Idee dahinter.

    Ich denke auch mit deinem Beitrag neulich, wie dicke Menschen dargestellt werden, sieht man da ganz eindeutig den Trend, dass sich die Filmindustrie nur der Klischees bedient.
    Mad Max habe ich nicht gesehen (sollte ich vielleicht mal anschauen). Aber Hermine finde ich eine super starke Person – viel mehr gefällt mir die Entwicklung die sie durchmacht, vor allem finde ich es eine starke Sache, was sie in Teil 7 mit dem Gedächtniszauber „Obliviate“ macht.

    Kurzum – auch Frauen haben den Heldenstatus verdient 😉 Und ja.. Das Thema Feminismus ist so vielschichtig und weitreichend. Es ist es wert, das drüber gesprochen wird – aber auf die richtige Weise.

    P.S. Mir ist da jetzt spontan noch die „Kalendergirls“ eingefallen. Die sind auch super!
    Ich sende viele Grüße 🙂

  6. Ich würde auch sehr gerne öfter starke Frauen in all diesen Filmen sehen – wie wahrscheinlich so ungefähr jedes weibliche Geschöpf. Schade ist dabei ja auch, dass gerade Streifen mit solchen Charakteren als Protagonisten oftmals storytechnisch irgendwie nicht wirklich ausreichen, nicht rund sind – man sehe sich „Colombiana“ und „Haywire“ an, die abgesehen von der tollen Hauptfigur nicht wirklich viel zu bieten haben.

    Ansonsten kann ich dir bei deinen Beispiel nur zustimmen – so selbstbestimmte Frauen, auch wenn sie viel quatschen, wie aus „Gilmore Girls“ gibt es viel zu selten, oder weibliche Heldinnen, die durch Loyalität und Hilfsbereitschaft Heldentaten vollbringen wie eben Hermine.
    Schön also, dass du diese Frauen hier, wie du selbst sagst, einmal würdigst. Das muss auch sein und finde ich gar nicht oberflächlich 😉

    Übrigens, das hatte ich bisher noch gar nicht getan, muss ich dir ja mal mein großes Kompliment für dein überarbeitetes Design aussprechen – was sieht das alles professionell aus, da ist mir ja meins richtig peinlich 😀 Nein, große Klasse, sieht toll aus!

    1. Danke für deinen Kommentar 🙂

      Und du musst dich für gar nix schämen, dein Blog ist gut so wie er ist! <3

  7. Erst mal: super mega toller Header. Find ich super mega klasse 😛 Die Schriftart vor allem 😉 Und wo wir bei starken Frauen sind und du schon ein Bild der Dame da hast. Mad Max war ein genialer Film, aber eigentlich stand sie total im Fokus. Deswegen genial, dass du sie als Beispiel nimmst!!

  8. Gut geschrieben. Meine vollste Zustimmung!

    Starke Frauen finde ich allgemein sehr wichtig, daher natürlich auch in Filmen, Serien und Büchern. Leider nach wie vor selten zu sehen/zu lesen. Es scheint eher wieder das Gegenteil „in“ zu sein – in Zeiten von „Twilight“ und „Fifty Shades of Grey“. 🙁

    Mir ist auch aufgefallen, dass wenn es starke Frauen im Film/Fernsehen gibt, dann selten in einem realistischen Umfeld sondern eher in einer Fantasywelt. Was noch mal mehr deprimiert. Vielleicht schaue ich ja deswegen sogerne Crimeserien weil die Ploizistinnen da genau so tough sind wie ihre männlichen Kollegen. ^^

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