Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Alltag

Zur Europameisterschaft: Ist Fußball rassistisch?

Ich bin kein Fußballfan, aber an der bevorstehenden Europameisterschaft kommt man kaum vorbei. Das fängt bei den Spielen, die im Fernsehen übertragen werden, an und hört bei den mit Fußbällen und Deutschlandflaggen bedruckten Süßigkeiten bei Aldi nicht auf. Von den Balkonen hängen wieder vermehrt Fahnen in den Landesfarben, Fans kaufen Trikots ihrer Lieblingsspieler und Schals, Hüte oder Bierkrüge in Schwarz, Rot, Gold. Und wenn die deutsche Nationalmannschaft am Sonntag gegen die Ukraine antritt, dann fiebern wieder Millionen mit den Spielern mit.

AfD-Politiker Gauland hat mit seiner Aussage, die Deutschen würden Boateng nicht als Nachbarn wollen, das Thema Rassismus im Fußball aufgemacht. Mir ist es aber früher schon begegnet, vor zwei Jahren während der WM, nur in einem anderen Kontext. Da wurden nicht die ausländischen Spieler in unserem Team kritisiert, sondern der Flaggenwahn während der WM. Und dieses Thema schleicht sich nun wieder in mein Bewusstsein, da man an jeder Ecke schwarz-rot-goldene Wimpel am Blumenkasten sieht, Bier mit den Nationalfarben und Autos, die mit Flaggen ausgestattet werden. Die Frage ist also: Wie rassistisch wird man als Fan der deutschen Nationalmannschaft gegenüber anderen Ländern?

Fan sein? Ja, aber fair!

Während einer Europa- oder Weltmeisterschaft kann die (mal mehr, mal weniger) latent vorhandene Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft viel offener zutage getragen werden. Wer wird es einem schon übel nehmen, wenn man während eines Fußballspiels auf die Russen, die Engländer oder die Franzosen schimpft? Wo ist da die Grenze zwischen sportlichem Engangement, Fan-Dasein und Rassismus?

Zuerst einmal ist für mich nichts verwerfliches dabei, mit einem Team mitzufiebern. Dabei ist es mir egal, ob es sich um den 1. SV Pusemuckel, Borussia Dortmund oder die Nationalmannschaft handelt. Ich interessiere mich nur sehr begrenzt für Fußball (dazu unten mehr), aber Fan-Sein finde ich prinzipiell eine gute Sache (Jake Gyllenhaal confirms that). Ich finde es dabei auch vollkommen normal, auf das gegnerische Team zu schimpfen – aber nur solange sich das alles in einem sportlichen, fairen Rahmen bewegt. Wenn ich mich also während des Spiels darüber aufrege, dass sich ein „Gegner“ grundlos auf dem Rasen rollt oder irgendjemand unfairerweise einen Elfmeter bekommt, dann ist das okay.

Aber es ist genau dieses „Wir“ gegen „Die Anderen“, das als Fremdenfeindlichkeit thematisiert wird. „Wir“ schließen uns in einem Kollektiv zusammen, das allein aufgrund unserer Nationalität geformt wird. Unsere Gegner, die Feinde, das sind andere Länder. Wollte man dieses Bild hochstilisieren, gelangt es beinahe Kriegscharakter.

Deutsche Flaggen – in diesen Tagen nicht nur in Fußballstadien zu sehen

Was für mich nicht okay ist: Sportliche Differenzen auf eine Person oder eine Nationalität zu übertragen. So kann man Maxi Meier* von mir aus als Spieler blöd finden, weil er zu hart spielt oder keine Tore schießt oder ein Handspiel verursacht hat. Man darf ihn aber nicht blöd finden, weil er deutsch, russisch, türkisch oder sonstwas ist. Und man darf deswegen auch nicht alle Deutschen, Russen oder Türken doof finden, nur weil einer von denen da mal blöd gespielt hat. (*Name ausgedacht, ich hoffe es gibt niemanden, der wirklich so heißt?)

Dass es sowieso absolut nicht okay ist, eine Person aufgrund ihrer Hautfarbe, Religion, Sexualität o.ä. zu verurteilen oder zu beschimpfen, sollte an dieser Stelle klar sein. Viele Menschen haben sich nach Gaulands Aussage solidarisch gezeigt mit Boateng. Aber wir müssen der Realität ins Auge sehen: Deutsche Flaggen wehen momentan nicht nur in Fußballstadien, sondern eben auch immer noch jeden Montag in Dresden. Es gibt momentan sehr viele, die sich über ihre Nationalität definieren und diese mit „Stolz“ verbinden. Und das gibt diesem Flaggenkult doch einen komischen Beigeschmack – für mich zumindest. Ich fürchte, dass eine Europameisterschaft tatsächlich als Deckmantel rassistischer Äußerung missbraucht wird. Das war auch früher schon so, aber in diesem Jahr sehen wir uns eben in ganz Europa in einer veränderten Situation.

Die Europameisterschaft verfolgen oder nicht?

Ich persönlich werde die EM verfolgen, weil ich mit einigen Freunden ein Tippspiel ins Leben gerufen habe und das bereits zur WM Spaß gemacht hat. Außerdem kann ich ein Sportereignis nicht neutral schauen und ja, vermutlich werde ich die deutsche Mannschaft anfeuern. Ich hege aber deswegen keine nationalistischen Gedanken oder aber Abneigungen gegenüber anderen Nationen. Für mich ist die deutsche Nationalmannschaft ein Team wie jedes andere. Und weil ich mich nicht über meine Nationalität definiere (in diesem Jahr vermutlich weniger als jemals zuvor), gibt es bei mir auch keine Flaggen, Trikots oder sonstiges. Was ich genieße, ist das Erlebnis mit Freunden – gemeinsam grillen, zusammen jubeln oder meckern und danach auf Sieg oder Niederlage einen zu trinken 😉

Sport darf Rassismus nicht salonfähig machen

Ist Fußball also rassistisch? Jein. Nicht jeder, der mit der deutschen Elf jubelt ist Rassist. Auch nicht jeder, der sich eine Flagge ans Auto oder an den Balkon hängt. Aber gerade heute sollte sich jeder über die Wirkung einer solchen Flagge im Klaren sein, über den Kontext, in dem wir sie in letzter Zeit vermehrt gesehen haben. Und es sollte auch jedem klar sein, dass wir es hier letztlich doch nur mit einem sportlichen Event zu tun haben, das nichts über Nationen oder ihre Bevölkerung aussagt.

Sport ist immer auch mit Emotionen verbunden, aber wir sollten darauf achten, dass diese Emotionen nicht überkochen und in die falschen Bahnen gelenkt werden, egal ob es darum geht, die eigene Nation als überlegen darzustellen oder andere Länder als minderwertig. Denn keins von beidem trifft zu. Elf Leute haben ein Spiel gegen andere elf Leute gewonnen – mehr nicht. Kein Land ist dem anderen überlegen, keine Nationalität ist besser als eine andere.

Auch im sportlichen Kontext (und auch über den Fußball als Sport hinaus) dürfen rassistische Äußerungen nicht geduldet werden. Eine Europameisterschaft darf nicht dazu benutzt werden, die eigene Fremdenfeindlichkeit salonfähig zu machen.

Wie seht ihr dieses Thema? Ist euch Rassismus im Fußball schon begegnet? Wie geht ihr mit diesem Thema während der Europameisterschaft um?

13 Kommentare

  1. Ich tippe zwar bei Amerdale mit, aber auch nur, weil dann zwei depperte Bloggerwesen ihr Unvermögen in Sachen Fußball gemeinsam zur Schau stellen. Gucken werde ich wie immer kein Spiel. Während der WM vor zwei Jahren habe ich Bücher gelesen und eine Mütze gestrickt. Flaggen kommen mir nicht ins Haus … Ehrlich gesagt muss ich mich arg anstrengen, meine anti-nationalistischen Reflexe zu unterdrücken und die Schland-Devotionalien nicht von den Autos zu pflücken. (weil ich an die Balkone nicht dran komme)
    Zum Thema Nationalismus und Fußball stellt sich mir die Frage: Wieso muss ich eigentlich für Deutschland sein? Warum darf ich als Deutscher nicht Fan von … Holland … sein? Die Abneigung, die einem bei so einem Gedankenspiel entgegenschlägt, lässt sich meiner Erfahrung nach nicht mit simpler Fanrivalität erklären. Da riecht meine Naseden fauligen Atem des Chauvinismus.

    1. Ich glaube, das kommt tatsächlich stark drauf an, in welchem Umfeld man sich bewegt. Wenn ich mich jetzt entscheiden würde, Holland-Fan zu sein, würde ich in meinem Freundeskreis sicher keine Beleidigungen o.ä. ertragen müssen. Allerdings ist es eben so, dass mir dann beim gemeinsamen Schauen das Kollektiv fehlen würde. Das ist natürlich eben genau das, was bei diesem Thema in der Kritik steht: Das Kollektiv, gebildet aufgrund der Nationalität, das sich vom Frenden (anderen Nationalitäten) abgrenzt. Man muss also kein Deutschland-Fan sein, nein, es ist halt das naheliegendste.

  2. Diese ganzen „SCHLAAAND“-Idioten brauche ich auch absolut nicht, das nervt einfach nur ungemein.
    Ich denke, ich werde die Spiele gucken, aber aktuell bin ich jetzt nicht wirklich dran interessiert. Da stehen doch eher Spiele der Niederlande auf dem Plan (mein Bruder ist großer Fan von denen und irgendwie hat sich das die letzten Jahre so entwickelt :D). Ich hoffe einfach, nicht an einem Montagmorgen um 3 Uhr immer noch Autokorsos hören zu müssen .__. Also, wie du siehst, besonders nationalistisch bin ich auch nicht ^^

    Was mir immer wieder auf die Nerven geht: Warum wird Fußball so gehypt, wenn wiederum andere Sportarten einfach völlig untergehen, obwohl die Deutschen dort mindestens genauso gut sind? Ist mir letztens wieder beim Biathlon aufgefallen: Kennen nur wenige, finden noch weniger interessant, aber gerade die Mädels haben bei der letzen WM gut abgeräumt.

    1. Naja, Fußball ist halt der beliebteste Sport. Das hat sich so entwickelt, warum auch immer. Ich gucke es auch nur zu EM oder WM, ansonsten bin ich quasi allergisch dagegen.
      Biathlon liebe ich, gucke ich regelmäßig. Mein Freund war in einer Klasse mit Maren Hammerschmidt, allein deswegen hat sich das diesen Winter richtig gelohnt 😉 Ich schau sonst halt gerne American Football, das wird momentan auch sehr gehyped, weil es endlich im deutschen TV übertragen wird. Aber ok, da gibts ja keine deutschen Mannschaften.

      1. Ich hab auch gerade traurigerweise festgestellt, dass die Niederlande bei der EM gar nicht dabei ist – so viel weiß ich also von Fußball 😀
        Ja, hast du Recht. Aber warum? Weil das Spielprinzip so einfach ist? Weil im Vergleich zu bspw. Eishockey ist das ja doch echt simpel.

        Yay, noch ein Biathlon-Fan! 😀 Ich bin begeistert! Und das mit deinem Freund ist ja echt cool 🙂 Wenn ihr Party macht, ladet mich bitte ein 😀 Ich bin ja ein kleines Erik-Lesser-Fangirl ^^
        American Football kenn ich mich gar nicht aus. Dafür schaue ich ganz gern mal Eishockey, das finde ich unheimlich spannend. Auch wenn die Deutschen da nicht gerade die besten sind.

        1. Ja, ich denke einerseits weil das Spielprinzip recht einfach ist und weil es in England und damit relativ nah zu Deutschland erfunden wurde und damit in DE und Europa auf eine lange (Vereins-)Geschichte zurückgeht. Eishockey, Football etc, das sind ja Sportarten, die ihre Geschichte eher in den USA, Kanada (Eishockey evtl noch Skandinavien und Russland) haben, aber da ist die geographische und politische Verbindung eine ganz andere. Ich denke, dadurch dass 2 Mannschaften direkt gegeneinander antreten und schnell ersichtlich ist, wer führt (Anzahl Tore) fesselt es die Massen auch mehr, als ein Biathlon, Leichtathletik o.ä. Außerdem ist es für „normale Menschen“ total einfach, selbst mal Fußball zu spielen, dh jeder kann sich da wahrscheinlich identifizieren, weil er schon mal gegen nen Ball getreten hat. Da ist es vielleicht schwieriger, sich mit Biathleten zu identifizieren, weil man selbst vllt kein Ski fährt und schon gar keine Waffe hat 😉 Das wären so meine spontanen Laienhaften Erklärungen.

          Ich kenne mich zB mit Eishockey gar nicht aus, da sehe ich den Puk nie, das geht mir alles viel zu schnell 😀 Mein Freund guckt das aber auch gerne, der mag eh gerne „amerikanische“ Sportarten (auch Basketball zb).

  3. Insgesamt ist Rassismus in Fußballstadien, nach meiner Wahrnehmung, zum Glück auf dem Rückzug. Nationalismus im Sinne von „ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“ ist da für mich noch etwas anderes – im Fußball-Kontext. Aber heute fliegen Gott sei Dank nicht mehr haufenweise Bananen auf die Spielfelder, machen die Idioten keine Affengeräusche mehr und wird auch kein Spieler mehr wegen seiner Herkunft angegangen (unsere „Freunde“ von der AfD vielleicht ausgenommen).

    Ich erinnere mich noch, wie Anfang der 90er, es tobte der Bosnienkrieg, dem Schalker Stürmer Radmilo Mihaijlovic am liebsten eine Waffe und ein Flugticket in die Hand gedrückt worden wäre. Von den eigenen Fans …

  4. Oh, ganz vergessen, dass die EM ja bald losgeht. Da sieht man mal, wie sehr ich mich darauf freue und hin fiebere 😀 Das einzige, worauf ich mich bei solchen Spielen am meisten freue: Aufs Essen! Klingt komisch, is aber so. Ich plane gern, welche Snacks es dazu gibt und suche nach leckeren Rezepten. Und wenn ich nun einen Deutschlandauflauf mache, der aussieht wie die Nationalflagge, dann mache ich das nicht aus Nationalstolz, sondern weil’s lecker schmeckt und eben gerade so gut zur EM passt. Ich war noch nie ein richtiger Patriot und feuere auch gern die anderen Nationen an. Mir ist das ehrlich gesagt wurscht, wer nun gewinnt (Und ich hab vor zwei Jahren sogar das super spannende WM Finale verschlafen: „Deutschland hat gewonnen? Ah ok, danke. Lass mich jetzt bitte wieder weiter schlafen.“). In mir selbst steckt noch tschechisches Blut (Und wie habe ich geweint, als Deutschland mal bei einem EM oder WM Vorrundenspiel die Tschechen rausgeworfen hat), mein Freund ist zur Hälfte Österreicher, der Freund meiner Schwester ist Pole und somit kommt schon mal gar nicht in die Tüte, dass nur Deutschland angefeuert wird. Ich bin dann auch immer gerne für Randgruppen oder Außenseiter. Sollen die doch auch mal ein Erfolgserlebnis haben (Das ist wie mit den Bayern in der Bundesliga. Alle nicht Bayern-Fans finden es einfach nur noch uuuunglaublich langweilig, wenn die Bayern alles gewinnen. Und da gehör ich auch dazu. Von mir aus können die ne eigene Liga aufmachen, dann wär’s für den Rest endlich mal wieder interessant.). Bei meinen Eltern daheim wird übrigens nicht nur eine Deutschlandflagge zu den Spielen gehisst, sondern alle möglichen Fahnen, eben zu jedem Spiel, das gerade läuft, die passende. Da wir früher immer beim Skispringen waren und da schon so ziemlich jede Nationalität angefeuert haben, haben wir noch jede Menge europäische Länderflaggen zuhause und die werden bei solchen Veranstaltungen fleißig gehisst. Die Nachbarn halten uns dann zwar glaub immer für irre, aber wen juckts? 🙂 Naja, und ansonsten interessiert mich Fußball nun auch nicht so wirklich. Ob nun EM, WM oder irgendein normales Bundesligaspiel läuft, macht für mich auch keinen Unterschied. Meine Familie ist da schon verrückter. Die legen sich immer ins Zeug und dekorieren das ganze Wohnzimmer 😀 Ich flücht da dann immer ganz schnell^^
    Rassismus bei Fußballspielen hab ich selbst zum Glück noch nie erlebt. Ich finds erschreckend wie manche das plötzlich bei solchen Großereignissen ausleben. Und die Aussage von Gauland oder auch dieser „Skandal“ mit unseren Nationalspielern auf der Kinderriegelpackung gehen wirklich gar nicht. Ich weiß nicht, ob es nur mir in letzter Zeit so extrem aufgefallen ist, aber dieser Fremdenhass hat in letzter Zeit vor allem in Deutschland wieder ganz schön zugenommen und ich habe echt Angst, wo das noch hinführt. Daher hoffe ich wenigstens mal für die EM, dass wir schöne, faire und friedliche Spiele genießen dürfen und nicht auch noch vor irgendeiner Terrorgefahr Angst haben müssen.

    1. „Ich weiß nicht, ob es nur mir in letzter Zeit so extrem aufgefallen ist, aber dieser Fremdenhass hat in letzter Zeit vor allem in Deutschland wieder ganz schön zugenommen“ – nein, das ist nicht nur dir aufgefallen 😉 Das zeigt sich leider auch in den Wahlergebnissen, die AfD in Deutschland einfährt oder FPÖ in Österreich, ein brennenden Flüchtlingsheimen, in PEGIDA etc. Deswegen war mir dieser Beitrag auch ein Anliegen.

  5. Hallöchen,
    Ein super Beitrag! Wirklich interessant diese Perspektive, da du nicht viel damit zu tun hast.
    Ich bin ein Fußball-Anhänger durch und durch. Der Sport macht einen großen Teil in meinem Leben aus (ich verwende mehrere Stunden wöchentlich mich mit dem Sport und allem drum herum auseinanderzusetzen). Ich gehe ins Stadion, ich sehe es im Fernsehen und ich spiele auch ab und an selbst.
    Das Thema Rassismus ist ein großes im Fußball. Viele Vereine gehen da ganz aktiv vor und fördern die Bekämpfung von Vorurteilen. Es gibt große Kampagnen – No to Racism prangt an den Seiten der Fußballfelder bei vielen Ländernspielen, die Werbung läuft häufig davor. Die Nationalmannschaft wird gerne als Beispiel für gelungene Integration genommen – wie ich finde zurecht. Denn auf dem Platz entscheidet nicht die Herkunft oder Sexualität sondern einzig und allein das Können des Einzelnen und die Harmonie der gesamten Mannschaft, wer gewinnt.

    Allerdings sehe ich in diesem Jahr genau dasselbe, dass du siehst. Die Instrumentalisierung des „Deutschlandfans“ für rechtes Gedankengut. Es gibt einen faden Beigeschmack, dass in Dresden die Flaggen des DFB geschwenkt werden und nun die normalen Menschen mitfeiern möchten. Ich muss zugeben, dass ich mich auch nicht wirklich wohl fühle dabei, dieses Mal. Es war immer ein schönes Fest – bei der EM 2008 wurde ich trotz der Niederlage von einigen Türken zum Essen und Feiern eingeladen. Das ist für mich die Botschaft des Fußballs. Nicht der Rassimus und der falsche Nationalstolz.

    Was sich meinem Verständnis völlig entzieht ist diese Doppelmoral jedes Pegida-Unterstützers und AfD-Wählers: Sie wollen keine Ausländer in diesem Land haben, Deutschland nur den Deutschen, aber werden sicherlich in den nächsten vier Wochen eine Mannschaft anfeuern in deren Mittelfeld ein gläubiger Moslem spielt, ein Deutsch-Tunesier ebenso wie ein Deutscher mit Wurzeln aus Ghana. Sie bejubeln einen Spieler mit albanischen Eltern – alle anderen Albaner sind allerdings in ihren Augen Wirtschaftsflüchtlinge und nicht geduldet. Es ist ein Gedanke, der mich einfach wütend macht, dass nun diese Leute beklatscht werden, aber alle anderen deren Herkunft ähnlich ist, aus dem Land abgeschoben werden sollen.

    Ich hoffe, dass es trotz alle der Sorgen die ich jetzt habe und die wir scheinbar teilen, dennoch das bleibt was es ist: Ein Fußball-Ereignis, dass Begegnungen schafft und Berührungsängste verschwinden lässt. Eine Party, bei dir alle gemeinsam feiern. Nicht nur die eigene Nation oder Mannschaft, sondern den Sport selbst.

    Liebe Grüße
    Nika

    1. Danke Nika, für deinen ausführlichen Kommentar. Wirklich ein interessanter Blick von jemandem, der so „drin“ ist in dem Sport. Ich teile deine Ansichten da und finde deine Einstellung gut. Ich hoffe einfach, dass es genug Menschen gibt, die die falsche Instrumentalisierung der Rechten erkennen und sich 1.) davon nicht anstecken lassen, und 2.) aktiv dagegen vorgehen, wenn sie rassistische Äußerungen hören o.ä. Dann wird es bestimmt ein tolles Ereignis, aber wir sollten dieses Jahr (leider) alle sensibler sein und Augen und Ohren offen halten.

  6. Guter Beitrag, dass sind auch genau meine Gedanken zum Thema! Ich finde Fußball, und ähnliche Sportarten, verleiten durch das „Wir“ gegen „Die“ in gewisser Weise auch zur Trennung und Abspaltung und können sehr leicht rassistische Züge annehmen. Ich glaube, viele Rassisten und Nazis machen sich den aufkommenden Patriotismus zur WM gern zu Nutzen…

    Ich habe bisher noch keine andere Sportart gesehen, die so viel Gewalt und Hass nach sich zieht. Ich war nur einmal in meinem Leben bei einem Fußballspiel dabei und habe all das selbst erleben drüfen. Randalierende Fans und Hooligans, Probleme mit Rassismus, Homophobie und Sexismus sind immer wiederkehrende Probleme beim Fußball. Egal ob bei der kleinen Kreisliga, EM oder WM. Ich hab allgemein nichts gegen Fußball und finde das die Verbände, Spieler und Trainer selbst eher eine weltoffene Einstellung haben, Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber was drumherum passiert, die Fanausschreitungen usw. gehören mittlerweile so dazu, dass ich gar keine Lust mehr auf das Thema habe.

    Die momentanen Berichte aus Frankreich, zur EM, zeichnen ein sehr düsteres Bild des aktuellen Fußballs…

    1. „Die momentanen Berichte aus Frankreich, zur EM, zeichnen ein sehr düsteres Bild des aktuellen Fußballs…“ – Jein. Die Bilder der englischen, russischen und auch deutschen Hooligans waren erschreckend, definitiv. Genau das möchte man nicht sehen. Auch Böller und Bengalos im Stadion gehen gar nicht (da frage ich mich auch: wo ist das Sicherheitskonzept?)

      ABER ich habe auch ganz viele tolle Berichte gesehen von Fans, die gemeinsam feiern. Das beste Vorbild hierbei sind wohl die Iren, aber auch die Schweden, die wohl bekannt dafür sind, friedlich zu feiern. Da hat sich niemand geprügelt, sondern die Fans versammeln sich gemeinsam, um ABBA zu singen 😉 Und diese Bilder finde ich dann wirklich schön, so sollte Fußball sein. Für mich sind diese Bilder auch ein Zeichen, dass die Fans eben nicht mit den Hooligans gleichgesetzt werden wollen, sondern auch zeigen wollen, dass sie weltoffen, friedlich und gut drauf sind.

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