Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
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[Gelesen] Ildiko von Kürthy – Sternschanze

e0e3f-sternschanze-9783805250559_xxlAm Neujahrsmorgen erkennt Nicola sich selbst nicht mehr wieder. Aufgrund extrem ungünstigerUmstände, die mit einem Babyphon und einer unpassenden Kostümierung zu tun haben, ist aus ihr in der Silvesternacht eine Frau ohne Mann, ohne Geld, ohne Wohnung und ohne nennenswertes Selbstbewusstsein geworden. Zurück auf Los. Neuanfang mit dreiundvierzig. Auch nichts, was man sich schon immer erträumt hat. Sie kippt aus ihrem Luxusleben, verlässt das Penthouse mit zwei Taschen, landet in einem Motel mit Raufasertapete und fragt sich: «Wer könnte ich werden, jetzt, wo ich niemand mehr bin?»

Meine Meinung

Ildiko von Kürthy steht für den klugen und witzigen Frauenroman und ist definitiv eines meiner Vorbilder. Eines Tages so gut und so erfolgreich schreiben wie sie – das würde ich auch gerne können. Dabei bleibt sie so viel greifbarer als manch US-amerikanischer Bestsellerautor. Ganz besonders bei diesem Buch, in dem man viele autobiografische Züge vermutet, wenn man ein bisschen was über die Autorin weiß.

Umso schwerer fällt es mir zu sagen, dass dieses nicht mein liebstes Buch von ihr werden wird. Insgesamt fehlt mir ein wenig der rote Faden bzw. der Fortgang der Geschichte. Der Leser erfährt zwar wie es nach Nicolas schicksalshafter Silversternacht mit ihr weitergeht, jedoch eher abgehackt und durch viele Gedankensprünge und Rückblicke durchbrochen. Ildiko von Kürthy bedient sich hier wieder ihrer bekannten „Tagebuch“-artigen Erzählstruktur, bei der sie Datum und/oder Uhrzeit als Überschriften für die Kapitel wählt. Das hat mir bisher immer sehr gut gefallen und hätte hier auch wieder wunderbar funktioniert, jedoch erschienen mir die Gedanken der Protagonistin hier häufig etwas sprunghaft und die Rückblenden in die Vergangenheit lähmten ein wenig den Handlungsverlauf. Man hatte eher das Gefühl, man liest die Vergangenheit als dass man einen wirklich Fortschritt der Geschichte beobachtet.

Ja, die Bewältigung der Vergangenheit spielt für Protagonistin Nicki eine wichtige Rolle, dennoch war mir das hier etwas zu viel. Ausgeglichen wurde dies wiederum durch den gewohnt lockeren und humorvollen Schreibstil, der mit unverblümten Wahrheiten und netten Anekdoten daher kommt. Bereits in ihrer Autobiographie Unter dem Herzen schlägt die Autorin auch sanftere und emotionalere Töne an, und das ist auch in „Sternschanze“ der Fall, was mir doch hin und wieder die Tränen in die Augen trieb, vor allem wenn es um das Thema Familie und (ungeborene) Kinder ging. (Das sind einfach Themen, die mir nahe gehen…)

Insgesamt jedoch muss ich leider sagen, dass mich das Buch nicht so gefesselt hat wie die anderen Werke der Autorin und ich es auch nicht über dem Mittelmaß einsortieren würde. Daher vergebe ich 5 Sterne.

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