Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Bücher

[Gelesen] Irvine Welsh – Trainspotting

„Ich liebe meine Ma, ich liebe sie zu sehr, aber auf eine Weise, das kann ich gar nicht richtig sagen, auf eine Weise, bei ders mir schwerfällt, es ihr auch zu sagen. Aber ich liebe sie. So sehr, daß ich nich will, daß sie so einen Sohn hat wie mich. Ich wünschte, ich könnt ihr einen Ersatz besorgen. Das wünsch ich mir, weil ich nich glaube, daß ich mich jemals ändern kann.“

Trainspotting – Junk Dilemma Nr. 64

Klappentext
Mietskasernen, Arbeitslosigkeit, miese Pubs, viel Alkohol und jede Menge Drogen: Willkommen in Leith! Und im beschissenen Alltag der jugendlichen Außenseiter Renton, Spud, Begbie, Sick Boy und Dianne. Wer kein Junkie ist, wird bald einer werden oder war einer und wird bald wieder einer sein. Neben Suff, Rausch, Entzug, Sex, Frust und Gewalt gibt es aber auch noch die Musik. Und wenn diese Anti-Helden schon alle den Blues haben, so doch zumindest mit 160 Beats per minute.

Meine Meinung
„Trainspotting“ zählt zu den literarischen Klassikern Großbritanniens und wurde 1996 mit Ewan McGregor verfilmt. Ich hab mich echt gefreut, als ich das Buch auf BloggDeinBuch fand und noch mehr, als ich tatsächlich ausgewählt wurde, es zu lesen.

Zunächst muss ich aber erstmal den Klappentext des Buches bemängeln, denn der wurde anscheinend von jemandem geschrieben, der das Buch nicht gelesen hat? Dianne wird als Protagonistin dargestellt, dabei ist sie, wie alle Frauen in diesem Buch, lediglich ein Nebencharakter. Und der Bezug zur Musik im Klappentext erschließt sich mir auch nicht. Es gibt zwar Passagen und Anekdoten im Buch, die von Musik handeln, doch der starke Bezug, der im Klappentext suggeriert wird, bleibt meiner Meinung nach aus.

Doch das macht nichts. Trainspotting kommt mit einem ungewöhnlichen Erzählstil daher, der geprägt ist von Umgangssprache, Schimpfworten und Perspektivwechseln. Gerade die Perspektivwechsel machen das Buch sehr unterhaltsam. Ständig wird aus einer anderen Sicht erzählt, dabei kommen sowohl Protagonisten wie Renton, SickBoy oder Spud vor, aber auch Nebencharaktere, die teilweise sogar nur in einer Szene auftauchen. Außerdem wechselt der Erzählstil häufig von der Ich-Perspektive zur Dritten Person und wieder zurück. Das gibt dem Buch einen ganz besonderen Charme, macht es außergewöhnlich und hat mir wirklich gut gefallen.

Die Charaktere sind Anti-Helden. Sie tummeln sich in einer Welt aus Drogen, Alkohol, Perspektivlosigkeit, Gewalt. Sie teilen verquere Ansichten, haben ein falsches Weltbild und treffen mit ihren Aussagen doch oft den Nagel auf den Kopf. Und obwohl man Rents, Spud, SickBoy und Co oft abstoßend findet, so schließt man sie doch irgendwie in sein Herz – ich zumindest. Denn sie sind vor allem eins: menschlich. Und sie durchleben Höhen und Tiefen, Ängste und Freude und Streit und Zusammenhalt. Sicher durchleben sie das ganz anders als der Normalbürger, aber man kann sich in sie hinein versetzen, man fühlt mit ihnen, oder man fühlt für sie und hofft, dass sie dieses oder jenes eben nicht tun.

Trainspotting hat mir wirklich außerordentlich gut gefallen, denn es ist vom Aufbau und vom Erzählstil her ganz anders als andere Bücher. Es ist immer wieder spannend, unterhaltsam und witzig, und gleichzeitig mit sehr intensiven und menschlichen Charakteren versehen. Hinter der Rahmenhandlung -dem Leben in der Drogenszene- verbergen sich noch viel mehr Themen wie Liebe, Freundschaft oder die Suche nach dem Selbstwert. Das Buch ist sicher nicht jedermanns Geschmack, aber meinen hat er getroffen, und ich bin durchaus interessiert, die Vorgeschichte „Skagboys“ sowie die Fortsetzung „Porno“ zu lesen. Ich vergebe 7 Punkte und danke sowohl BloggdeinBuch als auch dem Heyne Verlag für das Exemplar.

3 Kommentare

  1. Ich habe das Buch auch von Blogg Dein Buch bekommen und heute rezensiert. Und bin komplett anderer Meinung. *ggg*
    Ich mag den Erzählstil und den ständigen (und für mich planlosen) Perspektivenwechsel gar nicht. Aber wie Du genau richtig schreibst, dieses Buch ist wirklich nicht jedermans Geschmack.

    Liebe Grüße
    Emily

  2. Ich habe auch nur den Film gesehen, und er gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen 🙂 Durch deine Rezension hab ich jetzt auch Bock das Buch zu lesen, ich steh auf Perspektivwechsel.

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