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[Gelesen] Janosch – Die Biographie, von Angela Bajorek

Janosch„In seinen Kinderbüchern erschuf Janosch phantastische Welten — und damit einen Kontrast zu seiner eigenen schwierigen Kindheit. 1931 im oberschlesischen Hindenburg (heute Zabrze) geboren, haben die Gewalterfahrung zu Hause und in der Jesuitenschule ihn zu einem Traumsucher gemacht und zu einem zwischen Humor und Sarkasmus schwankenden Eigenbrötler. In ihrer einfühlsamen Biographie präsentiert Angela Bajorek Janosch als faszinierenden Künstler, aber auch als ungewöhnlichen, durch Krankheiten gezeichneten und dennoch optimistischen Menschen — als einen Mann, der nach einem aufregenden Leben heute große Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt.“ (Quelle: Ullstein Buchverlage)


JanoschTitel: Wer fast nichts braucht, hat alles
Originaltitel: Heretyk z familoka
Autor: Angela Bajorek
Übersetzung: Paulina Schulz
Seiten: 320
ISBN: 978 355 008 1255
Verlag: Ullstein Buchverlage

„Oh, wie schön ist Panama, Tigerente und der kleine Bär — Janosch ist der bekannteste deutsche Kinderbuchautor. Sein Werk umfasst über 300 Bücher, übersetzt in 40 Sprachen. Über ihn selbst weiß man nur wenig. Angela Bajorek ist es gelungen, von Janosch Einblicke in sein bewegtes Leben zu erhalten.“ (Quelle: Ullstein Buchverlage)


JanoschWie Janosch selbst sagte, wird er nie wieder jemandem so viel über sich selbst erzählen wie Angela Bajorek. Deswegen ist diese Biographie sehr lesenswert für alle, die etwas mehr über den beliebten Kinderbuchautor erfahren möchten. Das Buch ist persönlich und sehr aufschlussreich, ein sehr gelungenes Werk, das dem Leser einen Mann näher bringt, über den man sonst kaum etwas weiß. Und man kann durchaus noch etwas von Janosch lernen: Optimismus und Bescheidenheit mit Sicherheit, aber bestimmt zieht jeder noch seine eigenen Lehren aus diesem Buch.


Bereits vor einigen Wochen stellte ich die Tagebücher von Astrid Lindgren vor, heute präsentiere ich euch ein weiteres Buch über einen Helden unserer Kindheit. Die Geschichten von Janosch, vor allem die von der Tigerente und dem kleinen Bären, sind sicher vielen Menschen meiner Generation ein Begriff. Ich wuchs mit Büchern wie Oh, wie schön ist Panama, Post für den Tiger und Der kleine Tiger braucht ein Fahrrad auf. Umso schöner ist es, nun in der von Angela Bajorek verfassten Biographie, mehr über Janosch zu erfahren.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, in dem die Autorin beschreibt, wie sie Janosch kennenlernte und wie die Kommunikation zwischen ihnen ablief. „Gespräche mit Janosch sind nicht einfach“, sagt sie, weil er sehr zurückgezogen lebt und Interviews meidet. Er antwortet oft ironisch oder führt seine Gesprächspartner in die Irre. Doch Angela Bajorek hat einen Zugang zu ihm gefunden und er beantwortete auch die schmerzhaften und unangenehmen Fragen, und die gab es ganz sicher.

Ich werde niemals mehr jemandem so viel über mich sagen!

(S. 260)

Janosch hatte keine schöne, behütete Kindheit. Er wuchs in einem Umfeld aus Alkohol und Gewalt auf und die geschilderten Erinnerungen sind oft nur schwer zu begreifen oder zu ertragen. Das Buch schilder Janochs Kindheit einerseits sehr sachlich und chronologisch, andererseits aber auch pointiert durch Janoschs eigene Aussagen. Die zynische und deftige Art scheint schnell durch und macht das Buch lesenswert.

Das Buch schildert das, was eine Biographie schildern sollte: Die Kindheit und Jugend, sowie Janoschs berufliche Laufbahn, die einige Kurven und Windungen nimmt, bevor er zu dem Künstler und Autor wird, den wir heute kennen, auch bedingt durch den 2. Weltkrieg. Janosch lebt in Oberschlesien, in Oldenburg, Paris, München und mittlerweile auf Teneriffa. Angela Bajorek schildert, wie er zum Autor wurde und lässt dabei auch die schwierigen Lebensphasen nicht außen vor. Die Zitate von Janosch, die sie für dieses Buch gesammelt hat, machen diese Biographie besonders und lassen das Buch im Grunde zwischen Biographie und Autobiographie schwanken. Denn Angela Bajorek hat schließlich nicht nur Fakten und Geschichten über Janosch gesammelt und aufgeschrieben, sie hat mit ihm gesprochen, er hat seine Geschichte erzählt und sie hat all das in diesem Buch zusammengefasst. Das macht dieses Werk sehr persönlich.

Im Anhang des Buches finden sich 30 Seiten Interviewmaterial mit Janosch, ein Familienstammbaum sowie ein Verzeichnis aller Werke von Janosch in deutscher Ausgabe. Die Autorin nimmt in der Biographie oft Bezug auf Janoschs Werke und als Leser merkt man einfach, dass sie sein Schaffen und seine Person sehr genau kennengelernt hat.

Wie Janosch selbst sagte, wird er nie wieder jemandem so viel über sich selbst erzählen wie Angela Bajorek. Deswegen ist diese Biographie sehr lesenswert für alle, die etwas mehr über den beliebten Kinderbuchautor erfahren möchten. Das Buch ist persönlich und sehr aufschlussreich, ein sehr gelungenes Werk, das dem Leser einen Mann näher bringt, über den man sonst kaum etwas weiß. Und man kann durchaus noch etwas von Janosch lernen: Optimismus und Bescheidenheit mit Sicherheit, aber bestimmt zieht jeder noch seine eigenen Lehren aus diesem Buch.

5 Kommentare

  1. Janosch begleitet mich seit meiner Kindheit. Zum letzten Geburtstag bekam ich z.B. die komplette Zeichentrickserie, als ich 10 war gabs das Aufklärungsbuch etc.
    Hat er nicht auch einen autobiografischen Roman verfasst? Ich meine, da war mal was. Leider macht er ja in Interviews nur Andeutungen zu seiner Kindheit – aber was er erzählt, klingt heftig. Werde ich vermutlich dann auch mal lesen. Aber zuvor sind die Tiger und Bär Storys dran. Die habe ich zuletzt in der Kindheit gelesen. Leider immer nur aus der Bibliothek ausgeliehen, damals konnten wir uns die Bücher leider nicht leisten (zumindest die Hardcover – Ausnahme: das oben genannte Buch)

    1. Auf die Schnelle konnte ich nichts finden, nur das hier: „Sein autobiografisches Buch >Tagebuch eines frommen Ketzers< wurde bisher noch nicht durch einen Verlag verlegt. Das erste Kapitel wurde jedoch ins Polnische übersetzt und 2005 (...) in der größten polnischen Zeitung Gazeta Wyborcza veröffentlicht." - Wikipedia. Und man findet in vielen von Janoschs Büchern autobiographische Züge, zB in Cholonek. Und es gibt noch ein Buch von Jörg Melk, das wohl auch eine Art Biographie darstellt. Wenn man den Zitaten in dem Buch von Angela Bajorek allerdings Glauben schenken darf, scheint dies schon das persönlichste Werk zu sein.

      1. Habe das mal bei einer Großtante aufgeschnappt. Vermutlich gings um autobiografische Einflüsse. Durchaus ein interessanter Mensch mit großartigem Humor.

  2. Hej, ich hab gleich mal über #MeetTheBloggerDE hergefunden … 😀

    Hat er nicht sogar kurz mal an der FH Augsburg studiert? Ich dachte, ich hätte das mal aufgeschnappt und hab mich total drüber gefreut.

    1. Daran kann ich mich aus der Biographie nicht erinnern und habe jetzt beim Googlen auf die Schnelle auch nichts gefunden.

      Aber schön, dass du hergefunden hast, vielleicht schaust du ja häufiger mal vorbei 🙂

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