Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Bücher

[Gelesen] Mia May – Pole Position: Als Stripgirl um die Welt

Mia May Pole PositionKlappentext

„Ich bin Mia. Ich wohne in Berlin und arbeite als Producerin für Werbespots. Manchmal. Ich habe ein iPhone und ein MacBook, trinke Latte macchiato in meiner Altbauwohnung und in Cafés neben anderen Latte macchiato trinkenden Menschen mit MacBooks, iPhones, Medienjobs und Altbauwohnungen. Manchmal, wie gesagt. Was ich viel lieber mache, ist auf pink beleuchteten Bühnen an Chromstangen zu tanzen. Ich könnte jetzt erzählen, dass ich mich für Geld ausziehe, weil ich ein armes Ding bin. Tue ich aber nicht. Denn das wär gelogen.“

Was sagt Frau Margarete dazu?

Warum ein Buch lesen über eine Stripperin? Von einer Stripperin? Naja, ich bin neugierig und mir gefiel der erste Eindruck, der vermittelte, dass es sich eben nicht um eine Diese-Welt-ist-so-gemein-und-schlimm-Geschichte handelt, sondern dass es um eine Frau geht, die freiwillig Stripperin ist und das gerne tut. Dem ist auch so und prinzipiell finde ich Mia Mays Geschichte auch interessant – das Buch konnte mich leider nicht so ganz überzeugen.

Es handelt sich also um eine Art Autobiographie, allerdings kann ich das Buch nicht so richtig ernst nehmen, denn leider ist es ziemlich schlecht geschrieben. Ich möchte bei einem Buch, das sich um die Stripwelt dreht und das aus der Sicht einer jungen Frau geschrieben ist, keine hochgestochene, spießig-steife Sprache. Ein gewisser Grad an Umgangssprache ist in so einem Buch vollkommen in Ordnung und willkommen, aber leider driftet es bei Mia May so oft ins Lächerliche und Nervige ab, dass ich mich frage, ob dieses Buch überhaupt einen Lektor gesehen hat? Dann denke ich mir: Klar, aber sex sells halt…

Schade, denn das was Mia May zu berichten hat ist eigentlich interessant. Wenn es doch nur ansprechender verpackt wäre. Während ihres Studiums in Australien sammelt die junge Frau erste Erfahrungen in Stripclubs und ist danach überall in der Welt unterwegs, um zu strippen: Paris, New York, Miami. Es hört sich wie ein Traum an und die meiste Zeit ist es das wohl auch für Mia. Aber sie schildert auch die weniger schönen Erlebnisse beim Strippen, von der schwierigen Jobsuche im Ausland über anstrengende Kolleginnen oder dubiose Clubs in Deutschland.

Hier und da hätte ich mir im Buch etwas mehr Tiefgang und Konsequenz gewünscht, aber Mia May sagt von sich selbst, dass sie die Oberflächlichkeit liebt, das Glitzern und Funkeln und die Fassade. Das merkt man ihrem Buch halt auch leider an. So schreibt sie auf der einen Seite, dass sie selbst so akzeptiert werden will, wie sie ist und dass sie ja auch jeden so akzeptiert, wie er ist, und ein paar Seiten später lästert sie über „verweichlichte Männer“ oder eben über Leute, die halt ein anderes Lebensmodell leben. Das finde ich schade und macht Mia May weder glaubwürdig noch sympathisch.

Mein Fazit ist: Das Buch hätte Potential gehabt, Mia Mays Lebensgeschichte ist interessant und bietet genug Stoff um ein Buch zu füllen. Leider gefällt mir der Schreibstil nicht und die Kapitel bleiben größtenteils an der Oberfläche. Schade. Ich vergebe 2 von 5 Punkten.

5 Kommentare

  1. Wenn dich die Thematik des Strippens interessiert, schau dir mal „nackt“ von Diablo Cody an. Ist auch eine Art Autobiografie, die Autorin hat ein ein oder zwei Jahre als Stripperin in Minneapolis gearbeitet. Fand das Buch zwar auch nicht unbedingt rundum gelungen, aber den Einblick in das Leben einer Stripperin nicht schlecht, eben auch weil sie mal einen Blick hinter die glitzernde Oberfläche wirft und das ganze kritisch betrachtet.

  2. Jussu, Katie.
    Interessant wäre ja welche Männer die Autorin als „verweichlicht“ einschätzt; ob sie sie auch unter Ihrer Klientel zu sehen bekommt. Zählt in diesem festgehaltenen Weltbild also einzig der Macho?

    bonté

    1. …post sciptum.
      Eben habe ich ‚Sucker Punch‘ auf dem Thumbnail zu Instagram gesehen – schwere Empfehlung dafür, zumal der Film ausgesprochen vielschichtig ist!
      Ich konnte Dir seitenweise darüber schreiben, sozusagen.
      Auf ähnlich hohem Niveau wären ‚Training Day‘, ‚Walk The Line‘ & ‚L.A. Crash‘.
      Du hast Dir Exquisites ausgewählt.

      bonté

  3. Schade eigentlich, dass es solche Bücher nicht in „gut geschrieben“ und sympathisch gibt, denn so werden wohl doch wieder nur Klischés bedient (was wohl auch der Sinn ist). Sex sells trifft es wohl perfekt..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: