Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Bücher

[Gelesen] Iny Lorentz – Die Pilgerin

1368: Als ihr Vater stirbt, ändert sich Tilla Willingers Leben mit einem Schlag. Von der Sorge um sein Seelenheil getrieben, hat der Kaufherr bestimmt, dass sein Herz nach Santiago de Compostela gebracht werden soll. Tillas Bruder schert sich jedoch nicht um den letzten Willen des Vaters und auch nicht um dessen Wunsch, Tilla mit Damian zu verheiraten. Stattdessen zwingt er Tilla in eine Ehe mit Veit Gürtler. Dieser stirbt jedoch in der Hochzeitsnacht und Tilla entschließt sich zur Flucht. Sie holt das Kästchen mit dem Herzen ihres Vaters, um es nach Santiago zu bringen. Dabei nimmt sie auch die Schatulle mit, in der sie ihren Heiratsvertrag und das Testament ihres Vaters weiß. Sie ahnt allerdings nicht, dass sich noch weit aus brisantere Papiere darin befinden. Tilla verkleidet sich als Mann, schließt sich Pilgern an und begibt sich auf eine gefährliche Reise, auf der sie nicht nur von den Schergen ihres Bruders verfolgt wird…
Meine Meinung
Dieser Roman war sowohl mein erster von Iny Lorentz als auch mein erster Historienroman überhaupt. Schade, hätte ich dieses tolle Genre doch bloß früher für mich entdeckt!
Der Geist des Mittelalters wird sehr gut eingefangen und schon nach wenigen Seiten sah ich mich selbst durch die Gassen des fiktiven Städtchens Tremmlingen schlendern.
Im Laufe des Buches werden auch viele religiöse und politische Hintergrundfakten eingestreut. Ich muss zugeben, dass ich nicht alles um diesen Krieg zwischen Frankreich und England verstanden habe und was politisch in Spanien vor sich ging, blieb mir trotz „Geschichtlichem Überblick“ im Anhang ein Rätsel. Die ausführlichen Beschreibungen und Details um die politische Lage führten in meinen Augen leider zu ein paar Längen und haben mich teilweise verwirrt und überfordert. Mir blieb oft keine andere Wahl, als solche Stellen zu überfliegen und quer zu lesen. Aber trotzdem konnte ich der Handlung gut folgen und der rote Faden der Geschichte, nämlich die Pilgerfahrt, blieb im Fokus.
Die monatelange Reise, alle Strapazen und die vielen verschiedenen Stationen wurden sehr plastisch und glaubhaft beschrieben. Ebenso die Figuren. Am Anfang fiel es mir etwas schwer, alle Namen auseinander zu halten, aber zu jedem Namen formte sich bald ein unverwechselbarer Charakter, sodass man alle Personen behält und wiedererkennt.
Gut gefallen hat mir, dass keine perfekten Figuren dabei waren. Alle haben positive, aber auch negative Eigenschaften. Wie im realen Leben, waren mir einige Charaktere sympathischer als andere und andersrum.
Die Hauptperson Tilla weist zwar einige stereotype „Heldeneigenschaften“ auf, aber trotzdem bleibt sie kein Stereotyp, kein 08/15-Charakter. Zumindest für mich nicht, habe ja noch nicht so viel Erfahrung in dem Genre.
Ebenfalls positiv fand ich, dass oft die Perspektive gewechselt und nicht nur aus Tillas Sicht geschrieben wurde. So wurden neben der Pilgerfahrt auch immer wieder die Geschehnisse in Tremmlingen erzählt. Dies brachte etwas Spannung in die Geschichte, die ansonsten nunmal kein Thriller ist. Doch die Geschichte um Tillas Wallfahrt hat mich schon gefesselt und die beschriebene Welt hat mich in ihren Bann gezogen. Dazu beigetragen hat auch die mittelalterlich anmutende Sprache, die sich konsequent durchs Buch zieht und trotz mancher unbekannter Ausdrücke gut zu verstehen war.
Das Ende, in welchem nochmal deutlich Spannung aufkommt, hat mich positiv überrascht und der Epilog schließt sich harmonisch an.
Ein in sich stimmiges Buch, das mit einer für meine Begriffe, interessanten Geschichte, einer glaubhaft beschrieben Kulisse und gut ausgearbeiteten Charakteren punkten kann. Einzig die vielen, detaillierten politischen Fakten, die meine Aufnahmefähigkeit überstiegen, führen zu einem Punkt Abzug. Ich gebe 6 von 7 Buchpunkten für „Die Pilgerin.“ 

2 Kommentare

  1. Oh, ich liebe ja historische Romane. Iny Lorentz habe ich, wie wohl die meisten, durch „Die Wanderhure“ entdeckt und liebe den Schreibstil der beiden. Das Buch kannte ich auch noch gar nicht, aber ich muss auch sowieso erstmal die Wanderhuren-Reihe beenden.

    Es ist jetzt sicherlich kein Geheimtipp, aber wenn du historische Romane jetzt für dich entdeckt hast, solltest du unbedingt auch noch „Der Medicus“ von Noah Gordon lesen. Das war mein erstes Buch dieses Genres und ich habe es geradezu verschlungen.

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