Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Bücher

[Gelesen] Jojo Moyes – Ein ganzes halbes Jahr

Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.

Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will. Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird. Eine Frau und ein Mann. Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen. Die Liebesgeschichte von Lou und Will.

Meine Meinung
„Ein ganzes halbes Jahr“ ist eins von diesen Büchern, an denen man als Lesekätzchen und als Manchmal-schreibe-ich-auch-über-Bücher-Blogger nicht vorbei kommt. Ein Bestseller eben, der einem von jedem zweiten Blog anlächelt.
Sieht ja auch ganz nett aus. Hört sich an wie „Ziemlich beste Freunde“, soll aber ganz anders und auch viel romantischer sein. Ich gebe zu: Ich hätte mir das Buch wahrscheinlich nicht selber gekauft (einfach nicht mein Lieblingsgenre), aber als ich es bei einer Freundin liegen sah, lieh ich es mir aus. Besagte Freundin schwärmte, wie zahlreiche Blogger, von einem tränenreichen Lesemarathon. Das beste Buch der Welt und so.

Ich möchte ja nicht zu hart oder zu gemein klingen, aber warum dieses Buch ein Bestseller geworden ist, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Es ist nicht schlecht, ist halt so ganz süß, aber umgehauen hat es mich nicht wirklich. Zunächst zu den Charakteren: Da gibt es eigentlich keine großen Überraschungen. Lou, die weibliche Protagonistin, die fast die ganze Zeit aus der Ich-Perspektive erzählt, ist ein bisschen verrückt, ein bisschen planlos, gut drauf und alles in allem sehr sympathisch. Man kann sich gut in sie hinein versetzen.
Auf der anderen Seite haben wir Will, der früher natürlich total sportlich, lebenslustig, Playboy-mäßig unterwegs war und jetzt eben an den Rollstuhl gefesselt ist. Er ist unzufrieden mit seinem Leben und lässt das auch jeden in seinem Umfeld spüren: Er ist gemein, zynisch und gefühlskalt.
Die Nebencharaktere plätschern so vor sich hin. Die reiche Familie ist nach außen natürlich perfekt, innendrin aber unsympathisch, während die mittellose Familie zwar chaotisch, aber sonst ganz liebenswert ist. Stereotypen von vorne bis hinten. Der einzige Nebencharakter, den ich irgendwie greifbar fand, war Nathan, der Pfleger.

Die Geschichte zwischen Lou und Will entwickelt sich und sie entwickelt sich eigentlich genau so, wie man es ahnt. Es gibt kaum überraschende Momente, was aber nicht mal weiter schlimm wäre, wenn wenigstens die Emotionen stimmen würden. Ich weiß ja nicht, vielleicht bin ich auch der Eisklotz, wenn alle anderen von den Gefühlen in diesem Buch schwärmen, aber bei mir kam leider gar kein Tränchen hoch. Auch kein Lacher.
Ich finde die Sprache im Buch recht flach, wenig ausgeschmückt. Viele Dialoge, die recht vorhersehbar und konstruiert wirken. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich zuvor ein Buch von Justin Cronin gelesen habe, und dieser Autor meine Erwartungen an einen Sprachstil einfach unglaublich hoch gesetzt hat.

Insgesamt ist „Ein ganzes halbes Jahr“ in meinen Augen also nur ein mittelmäßiges Buch. Die Protagonistin ist ganz süß, mit Will Traynor konnte ich mich aber nie so richtig anfreunden. Die Nebencharaktere bleiben in ihren Hüllen und die Handlung plätschert so vor sich hin. Alles in allem ganz nett für zwischendurch, aber sicher nicht der ganz große Wurf. Ich vergebe 5 Buchpunkte.

1 Kommentar

  1. Eine tolle Rezension. Bei dir weiß man immer gleich woran man bei dem Buch ist 😉 Mir sagt das Buch ja noch gar nichts, aber es fällt auch nicht wirklich in eine der Kategorien, die ich gerne lese. Und alles, wo es um Romantik und Gefühle geht, ist sowieso nicht so meins. Ich hab nur mal „P.S. Ich liebe dich“ von meiner Schwester ausgeliehen und das hat mir gereicht, weil ich nach den ersten zehn Seiten schon ein ganzes Tempopäckchen verbraucht habe. Echt schlimm^^ Ich bin normalerweise jemand, der nicht gerne Gefühle zulässt und nach außen hin immer als die „Gefühlskalte“ wirkt. Wahrscheinlich lese ich auch deshalb nicht so gerne solche Schnulzen und schau auch kaum Liebesfilme, weil dann immer alles in mir hochkommt und ich heulen muss 😀 Von daher wäre das Buch wahrscheinlich nichts für mich, aber da du schreibst, dass es von den Emotionen her nicht ganz passt, ist es vielleicht doch nicht so „schlimm“ und man könnte es sich vielleicht mal wo ausleihen. Kaufen würde ich es mir aber eher nicht 😉

    Und danke noch für deinen letzten ausführlichen Kommentar bei mir, ich hab mich voll gefreut 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: