Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Bücher

[Gelesen] Jussi Adler-Olsen – Verachtung

Eine Reihe vermisster Personen aus dem Jahr 1987, die durch eine Person und deren entsetzliches Schicksal verbunden sind: Nete Hermansen. Eine junge Frau ohne jede Chance auf ein selbstbestimmtes Leben, von Menschen grausam misshandelt, wird zwangssterilisiert durch einen fanatischen Arzt und verbannt nach Sprogø, der Insel für ausgestoßene Frauen. Sie nimmt grausam Rache …

Meine Meinung
Endlich habe ich es geschafft, den vierten Fall für Carl Mørck und sein Sonderdezernat Q zu lesen. Wieder mal liefert Jussi Adler-Olsen ein Buch ab, dass mich überzeugen konnte – jedoch nicht ganzs so sehr wie seine Vorgänger.

Jussi Adler-Olsens Schreibstil bzw die Übersetzung sind wie immer sehr gelungen. Ich mag seinen Ausdruck einfach, wie er mit den Worten spielt und somit immer wiede eine dichte Atmosphäre schafft. Man hat fast durchgängig das Gefühl, am Ort der Geschichte selbst dabei zu sein, und das ist mir bei einem Buch immer besonders wichtig.

Getragen wird das Buch natürlich durch den Charakter Carl Mørck, der einfach unvergleichlich ist. Sein zynischer, trockener Humor und seine pragmatischen Gedankengänge finde ich absolut klasse. Er ist definitv der beste Ermittler den ich in der Literaturwelt kenne.
Das hat Carl natürlich nicht zuletzt seinen Assitenten Assad und Rose zu verdanken, die mit ihren ganz speziellen Persönlichkeiten immer etwas Schwung in die Handlung bringen. Die Figuren passen einfach zusammen, und obwohl sie allesamt so verschroben sind, schließt man sie doch sehr ins Herz.
Auch neue Charaktere, die im Rahmen dieses neuen Falls auftauchen, fand ich interessant. Nete Hermansen und Curt Wad sind genauso durchdacht wie die meisten von Adler-Olsens Figuren. Weder weiß noch schwarz, sondern irgendwo in der Grauzone.

Schade fand ich dann allerdings, dass man schon sehr früh wusste, hinter wem Carl und sein Team her sind. Zwar ergeben sich im Laufe der Ermittlungen noch einige interessante Wendungen und Verstrickungen, alles in allem würde ich dieses Buch aber nicht als „Thriller“ einordnen, weil der Nervenkitzel einfach fehlte. Wir haben hier eher einen sehr guten, spannenden Krimi. Kritikpunkt wäre hierbei auch, dass sich das Buch doch sehr lange mit der Lebensgeschichte einzelner Figuren aufhält, was für das Tatmotiv letzten Endes zwar wichtig, aber eben nicht sonderlich spannend ist.
Gut finde ich, dass Jussi Adler-Olsen eine heikle Thematik aufgegriffen hat. Die im Roman vorkommende Insel Sprogø, die „Insel der ausgestoßenen Frauen“ gibt es in Dänemark tatsächlich und tatsächlich wurden dort Frauen unmenschlich behandelt, zwangssterilisiert und bis heute nicht entschädigt. Es ist lobenswert, solche ernsten Themen anzusprechen, aber ich glaube, Adler-Olsen hat ein wenig dabei vergessen, dass er einen Thriller schreiben wollte.

Als Fazit kann ich aber sagen, dass „Verachtung“ mir wieder gut gefallen hat, weil ich die Sprache und den Schreibstil einmalig finde. Die Figuren tragen diesen Thriller Krimi, die Handlung ist gut durchdacht und bringt ein paar interessante Wendungen, aber insgesamt zu wenig Gänsehautfeeling. Daher vergebe ich 5 von 7 Buchpunkten.

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