Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Filme

[Kino] Birdman. (Oder: Die unverhoffte Macht des Edward Norton)

Worum geht’s?

Der Schauspieler Riggan Thompson steckt in einer Krise. Früher war er in der Rolle des Superhelden „Birdman“ ein gefeierter Star, heute ist er ein Niemand. Mit einer Inszenierung am Broadway versucht er sich nun als Regisseur und Schauspieler neu zu profilieren und zu neuem Ruhm zu gelangen. Dabei muss er nicht nur seine finanziellen Probleme überwinden, sondern sich auch mit Ex-Frau, Tochter und einem exzentrischen Hauptdarsteller seines Stückes herumschlagen.

Wer hat’s erfunden?
  • Für Regie und Drehbuch zeichnet sich Alejandro González Iñárritu verantwortlich. Der Mexikaner hat vorher zum Beispiel 21 Gramm, Amores Perros und Babel, sowie Biutiful gemacht und ist somit im Filmgeschäft kein Unbekannter mehr.
  • Erwähnenswert – für mich – außerdem Emmanuel Lubezki, der für die Kameraarbeit zuständig war. Diesen Part übernahm er vorher schon bei Filmen wie Gravity, The Tree of Life, Children of Men oder Sleepy Hollow.
Wer spielt mit?
  • Michael Keaton (der war früher mal Batman. Zu der Ironie dahinter komme ich später.)
  • Edward Norton (wer ihn nicht kennt, der kann jetzt aufhören zu lesen)
  • Emma Stone (wer sie nicht kennt, der kann jetzt aufhören zu lesen)
  • Naomi Watts (Die Frau, die sich mit „King Kong“ keinen Gefallen getan hat)
  • Zach Galifianakis (Der Dicke aus „Hangover“)
Was sagt Frau Margarete dazu?

In nicht allzu ferner Zukunft ist es mal wieder soweit: Die Academy Awards, im Volksmund auch gerne „Oscars“ genannt, werden verliehen. Zwar gebe ich auf diesen Filmpreis nicht mehr viel, bis Leonardo DiCaprio nicht endlich einen Wir-entschuldigen-uns-für-unsere-Blindheit-in-den-vergangenen-Jahren-Oscar bekommt, aber neugierig werde ich ob der aktuell nominierten Filme doch immer wieder. So verhielt es sich also auch bei Birdman: 9 Oscar-Nominierungen, zahlreiche begeisterte Kritiker und ein interessanter Trailer lockten mich ins Kino. Ob es sich gelohnt hat, wollt ihr wissen?

Nun, ich fand es ja von Beginn an herrlich erfrischend und selbstironisch, dass Michael Keaton die Rolle des Riggan Thompson alias „Birdman“ übernahm. Schließlich war er in den 90ern Batman und, naja, seither hat man auch nicht mehr allzu viel von ihm gehört. Ein mutiger Schritt, diese Rolle, die ihm nun eine Nominierung für den Oscar einbrachte. Zu Recht, denn Keaton spielt hier wirklich bemerkenswert einen zerrissenen Charakter, der Liebe mit Bewunderung verwechselt und der sich somit selbst ständig in Gefahr bringt.

Die unverhoffte Macht des Edward Norton

Doch mein persönlicher, wahrer Star des Films ist Edward Norton. Ich mochte Edward Norton ja seit ich ihn zum ersten Mal sah und nein, das war nicht in Fight Club oder American History X. Das war in Glauben ist Alles! und er spielte einen Priester. Seine Leistung in Birdman ist mit dieser seichten Komödie natürlich nicht vergleichbar. Ich will ja nicht übertreiben, aber als Mike Shiner spielt er hier wirklich alle an die Wand. Birdman lebt von seinen vielfältigen Emotionen und Edward Norton ließ mich einfach am besten mitfühlen. Ich fand ihn so greifbar und authentisch, eigentlich kann ich das kaum in Worte fassen.

Gut besetzt bis in die Nebenrollen

Emma Stone zeigt, dass sie neben Edward Norton und Michael Keaton standhalten kann und beweist, dass ihr eine tolle Zukunft im Filmgeschäft bevor steht. Das hat sie sicher auch zuvor schon gezeigt, aber meiner Meinung nach bringt sich Emma mit ihrer Leistung hier nochmal auf ein ganz neues Level.

Doch auch die anderen Nebendarsteller sind gut besetzt. Zach Galifianakis gibt den Anwalt-Berater-Kumpel-Allrounder und war herrlich unaufdringlich (hat der eigentlich abgenommen?). An Naomi Watts, Andrea Riseborough und Amy Ryan habe ich ebenso wenig auszusetzen – ich weiß, das ist ein bisschen langweilig, aber es ist nunmal die Wahrheit.

Der tolle Cast wird übrigens nicht nur vom grandiosen Soundtrack unterstützt, sondern vor allem von der Kamera. Der Film konzentriert sich auf lange Plansequenzen, das heißt lange Szenen ohne Schnitt (so wie das Spice-Girls-Musikvideo zu „Wannabe“). So bleibt man als Zuschauer permanent bei den Charakteren, verfolgt fast jeden ihrer Schritte. Das macht den Film für mich umso besser.

Was Jeremy Renner mit der ganzen Sache zu tun hat

Wie oben schon erwähnt lebt Birdman von seinen Emotionen. Man kann lachen und schmunzeln über die bösen Gags und frechen Sprüche, und besonders amüsiert haben mich die Anspielungen auf andere, reale Schauspieler Hollywoods. („Hol mir Jeremy Renner!“ „Wen?“ „Jeremy Renner, der Typ aus Hurt Locker!“ „Das geht nicht, der ist ein Avenger.“ „Selbst dem haben sie ein Cape umgehangen!?“)

Doch Birdman ist nicht nur leichte Kost. Gemäß dem Titel des Broadwaystückes, das Thompson auf die Bühne bringen will, ist auch das Motto des Films: What we talk about when we talk about love. Es geht um die Liebe – zu anderen Menschen und zu sich selbst -, um Bewunderung, Ruhm, um Kunst und Karriere und viele Facetten, die dazwischen liegen.

Obwohl Birdman an vielen Stellen humorig anmutet, ist er doch ein ernster Film mit ernsten Themen. Alejandro González Iñárritu konnte das alles in einem sehr starken Film verpacken. Birdman trumpft auf mit großartigen Darstellern, bemerkenswertem Soundtrack und natürlich einer tollen und toll erzählten Geschichte. Ich vergebe 9/10 Punkten mit der Option auf mehr, wenn ich ihn nochmal sehe.

5 Kommentare

  1. Sehr schöner Bericht, ein absoluter Pflichttermin im Kino. Schön auch zu lesen das es Emma Stone geschafft hat die Rolle aus ihren seichten Komödien abzulegen. Irgendwie mochte ich sie schon immer (selbst in den schwachen Filmen)…
    VG Markus

  2. Oha, ich sage dir, du kannst dir gar nicht meinen NEID vorstellen, dass du in diesen Film gehen konntest! Ich wiederhole mich ja nur ungern, aber ER LÄUFT BEI MIR NICHT! Bin schon wieder richtig ärgerlich auf unser Kino und sehe jetzt mal zu, dass ich vielleicht noch nach Hannover komme…

    Das Ganze klingt nämlich sowieso schon ganz toll, und nach deiner Rezension jetzt umso mehr. Ich mag Edward Norton eigentlich nicht besonders [ja, frag mich nicht, ist wie mit Ewan McGregor, ich kann beide nicht leiden und habe keine Ahnung warum], aber hier konnte sogar er mich schon im Trailer überzeugen, Emma Stone liebe ich ja wie du weißt sowieso und Michael Keaton sehe ich sehr gern mal wieder. Und dein eingebrachtes Zitat ist ebenfalls absolute Spitze – was kann da also schief gehen?

    Ja, wenn denn unser Kino nicht wäre…unso. Danke dir trotzdem für deinen tollen Einblick 😉

    1. Oh man, das tut mir echt leid für dich, dass der Film bei dir (wieder) nicht läuft.. voll ärgerlich. Ich drücke die Daumen, dass du ihn doch noch zu sehen bekommst.

      Nur über die Sache mit Edward Norton, da müssen wir nochmal drüber reden…. 😉

  3. Hab ihn erst gestern gesehen und tue mich noch ziemlich schwer meine Worte dazu zu finden. Aber du hast es eigentlich schon bestens auf den Punkt gebracht.

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