Frau Margarete

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[Kino] Demolition

Davis Mitchell verliert bei einem Autounfall seine Frau Julia, während er selbst ohne einen Kratzer übersteht. Nach diesem Unfall und seinem Verlust fühlt er sich taub und leer. In seiner Abgestumpftheit beginnt er, Beschwerdebriefe an eine Firma für Snackautomaten zu schreiben und Dinge in seiner Umgebung in seine Einzelteile zu zerlegen. Sein Umfeld beäugt Davis und seinen Zustand skeptisch und er fühlt sich immer mehr isoliert – bis sich Kundendienstmitarbeiterin Karen Moreno bei ihm meldet.



Originaltitel: Demolition
Kinostart DE: 16.06.2016
FSK: 12
Laufzeit: 101 Minuten
Produktion/Verleih: 20th Century Fox
IMDB-Wertung: 7,5/10 (Stand: 17.06.2016)

Regie: Jean-Marc Vallée

Darsteller: Jake Gyllenhaal, Naomi Watts, Judah Lewis, Chris Cooper uvm.


Der Inhalt des Films ist gut zu verstehen und dennoch schwer auf seine Art und Weise. Wir müssen uns als Betrachter darauf einlassen, eine Form von Trauer zu sehen, die uns in Filmen oder Serien sonst selten gezeigt wird. Aber wenn wir das schaffen, dann können wir einen wunderschönen Film genießen, der uns vom Leben und von der Liebe erzählt. Auf seine ganz eigene Art. Dieses Drama mag nicht für jeden etwas sein, mir hat es aber durchaus gut gefallen, gerade weil hier ein neuer Blick auf die Liebe gewagt wird. Mich hat der Film berührt, bewegt, zum Nachdenken angeregt. Die Darsteller sind wie erwartet sehr gut, die Regie in Bild und Ton herausragend, das Setting mit seiner Farbgebung und Komposition gelungen. Alles in allem ein sehr guter Film, der aber (zumindest für mich) sicher beim zweiten Sehen noch intensiver wirken wird. 8/10 Punkte.


Endlich war es soweit. Ein neuer Film mit Jake Gyllenhaal in unseren Kinos und – ihr kennt mich mittlerweile – natürlich musste ich den pünktlich zum Deutschlandstart sehen. Deswegen kann ich euch bereits heute erzählen, wie mir der Film gefallen hat.

Jake Gyllenhaal spielt in diesem Film den Investmentbanker Davis Mitchell, der im Laufe der Handlung eine Wandlung durchmacht, die sich nicht nur auf seinen Charakter und sein Gefühlsleben auswirkt, sondern auch auf sein Aussehen. Von der gradlinigen, ordentlichen Erscheinung wandelt er sich zu einem Menschen, der schon optisch viel offener, gelassener, freier wirkt. Die Trauer um seine Frau bewegt Davis, auf die Suche zu gehen: nach sich selbst, nach einem Sinn und danach, was er bisher gemacht hat und was er in Zukunft gehen will. Demoliton, oder: Mach kaputt, was dich kaputt macht, das treibt Davis an. Überflüssig zu sagen, dass Jake Gyllenhaal auch hier wieder überragend spielt, oder?

Und dann ist da Karen Moreno (Naomi Watts) mit ihrem Sohn Chris (Judah Lewis), die ebenso kaputt sind. Eigentlich erfahren wir als Zuschauer nicht viel über die beiden, aber doch werden sie schnell vertraut, weil man einfach spürt, dass sich hier Menschen getroffen haben, die sich gerade brauchen, die sich gut tun, weil sie alle irgendwie kaputt, demoliert sind und dabei nicht allein sein wollen. Die erkennen, dass sie vielleicht ein wenig demoliert sind, aber deswegen nicht weniger wertvoll. Dabei wird Demolition nicht zum Liebesfilm, nicht zur kitschigen Rom Com. Die Liebe spielt sich hier auf einer anderen Ebene ab, drückt sich aus durch Verständnis, durch Vertrauen. Die Macken des Anderen werden nicht in Frage gestellt, nicht problematisiert, aber auch nicht romantisiert. Auch Naomi Watts und der junge Judah Lewis sind sehenswert in ihren Rollen.

Den Gedanken, dass da irgendetwas falsch ist, nicht normal, wird durch Dritte an Davis herangetragen, vor allem durch seinen Schwiegervater Phil (Chris Cooper), der Erwartungen an Davis heranträgt, die er nicht erfüllen kann. Doch Davis ist taub in seiner Trauer, realisiert kaum, was um ihn herum geschieht. Und das ist auch das zentrale Thema des Films: Trauer und wie die Menschen mit diesem Gefühl, mit einem Verlust, umgehen. Demolition erzählt unkonventionell, ohne Klischees, abseits des Mainstreams, wie ein Mensch mit Trauer umgehen kann und was der Verlust eines Menschen – vielleicht der Verlust des bisher gekannten Lebens – anrichten kann. Über den Schock und die Leere, bis hin zu den Zweifeln an allem, was war, bis hin zu Erkenntnissen, Versöhnungen und Formen des Abschiednehmens.

Bild- und Tonregie sind in Demoliton großartig. Regisseur Jean-Marc Vallée und Yves Bélanger als Chef-Kameramann greifen die meiste Zeit auf Handkamera zurück, was dem Film eine intime, persönliche Perspektive und Atmosphäre gibt. Ton und Musik spielen eine wesentliche Rolle im Film, denn während die Gegenwart zuweilen sehr laut sein kann, durch die Umgebung, durch Musik oder durch das Geräusch der Zerstörung, versinken die Erinnerungen zunächst in beinahe bedrückender Stille. Diese Komposition von Bild und Ton unterstützen Davis‘ Gefühlslage außerordentlich gut.

Der Inhalt des Films ist gut zu verstehen und dennoch schwer auf seine Art und Weise. Wir müssen uns als Betrachter darauf einlassen, eine Form von Trauer zu sehen, die uns in Filmen oder Serien sonst selten gezeigt wird. Aber wenn wir das schaffen, dann können wir einen wunderschönen Film genießen, der uns vom Leben und von der Liebe erzählt. Auf seine ganz eigene Art. Dieses Drama mag nicht für jeden etwas sein, mir hat es aber durchaus gut gefallen, gerade weil hier ein neuer Blick auf die Liebe gewagt wird (sowohl auf Davis‘ Liebe zu Julia, als auch zu Karen).

Der Film hinterfragt und kratzt an den Standards, wie Menschen zu trauern und zu lieben haben und gleichzeitig zeigt er, wie ein Leben durch einen Schicksalsschlag aus seinen Fugen geraten wird. Mich hat der Film berührt, bewegt, zum Nachdenken angeregt. Die Darsteller sind wie erwartet sehr gut, die Regie in Bild und Ton herausragend, das Setting mit seiner Farbgebung und Komposition gelungen. Alles in allem ein sehr guter Film, der aber (zumindest für mich) sicher beim zweiten Sehen noch intensiver wirken wird. 8/10 Punkte.

6 Kommentare

  1. Ich bin schon wieder so ärgerlich, dass der bei mir nicht läuft, den hätte ich so so gerne im Kino gesehen! Ich meine, dass du den mögen würdest, wusste ich eigentlich vorher und ich hätte jetzt gerne gesagt: Ich auch! Aber kann ich nicht, denn es ist mir ja nicht möglich, ihn zu schauen -.-

    Trotzdem freut es mich, dass du nach dem Nice Guys-Desaster wieder so etwas Gutes im Kino gesehen hast. Überrascht mich eigentlich aber auch kaum, denn ich bin mir relativ sicher, dass ich auch noch nie etwas Schlechtes mit Jake gesehen habe. Und die Geschichte finde ich so toll, weil mit der Trauer hier so anders und neu umgegangen wird. Hach.

    Danke also, dass du mich daran erinnert hast, dass ich den erst auf DVD sehen kann 😀

      1. Das war keine Kritik an dir, sondern nur an unserem dämlichen Kino 😀 (Bald ist das ja vorbei, ein Glück.) Ich mochte deine Rezension trotzdem und freue mich jetzt einfach auf die DVD 😉

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