Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Filme

[Kino] The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Worum geht’s?

Großbritannien im 2.Weltkrieg. Der herausragende Mathematiker Alan Turing bewirbt sich beim britischen Geheimdienst – um einen Code zu knacken, der weltweit als unlösbar gilt. „Enigma“ ist das Verschlüsselungssystem der Deutschen, durch das sie den Alliierten stets einen Schritt voraus sind. Denn es handelt sich nicht um irgendein Verschlüsselungssystem: Die Kodierung ändert sich jeden Tag um Mitternacht, und Alan Turing und sein Team müssen immer wieder aufs Neue anfangen, das Rätsel zu lösen. Gleichzeitig trägt Turing selbst ein großes Geheimnis mit sich herum…

Wer hat’s erfunden?
    • Für das Drehbuch waren Graham Moore und Andrew Hodges verantwortlich. Hodges ist selbst mathematischer Physiker und maßgeblicher Verfasser der Turing-Biographie. Moore verfasste zuvor das Theaterstück, auf dem The Imitation Game beruht.

 

    • Regie führte der Norwerger Morten Tyldum, der bis jetzt eher unbekanntere Filme gedreht hat (im Mainstream-Sinne), nun aber dank zahlreicher Oscarnominierungen für sein Werk auf der großen Bühne Fuß fassen könnte.

 

Wer spielt mit?
  • Benedict Cumberbatch (Sherlock)
  • Keira Knightley (Die aus Fluch der Karibik)
  • Matthew Goode (könnte man aus Watchmen kennen, sollte man sich als weibliche Zuschauerin merken)
  • Charles Dance (Lord Tywin Lennister von Casterlystein)
  • Mark Strong (der böse Dad aus Kick Ass)
Was sagt Frau Margarete dazu?

Anfangs war ich von der Idee gar nicht begeistert, mir The Imitation Game anzusehen. Ein Film über Mathe und Krieg? Geht’s vielleicht noch schlimmer? Benedict Cumberbatch hin oder her, das sind so ungefähr die zwei übelsten Themen für einen Film, die ich mir vorstellen konnte. Als mein Freund jedoch ganz begeistert rief „Oh, ein Film über Alan Turing!“ und dieser Film dann auch noch für 8 Oscars nominiert wurde, nagut, da hab ich mich doch überzeugen lassen.

Das war vermutlich eine der besten Entscheidungen meines Kinojahres und das wage ich zu behaupten, obwohl das Kinojahr erst 27 Tage alt ist. Vielleicht bin ich gerade noch zu überwältigt von den Eindrücken, vielleicht ist die Erinnerung noch zu frisch, aber ich sage es jetzt so, wie ich es empfinde: The Imitation Game ist einer der besten Filme, die ich je gesehen habe.

Der Film erzählt die Geschichte um den Mathematiker Alan Turing und seiner Arbeit am Enigma-Code und seiner Turingmaschine so überzeugend, dass mich jede Minute fasziniert hat. Es geht um Politik, um Mathematik, um Sprache, ja, aber es geht auch um die Menschen, um ihr Leben, ihre Gefühle und Wünsche und Träume. Und das alles wird in diesem Film so feinsinnig miteinander verwoben, wird in so schöne Bilder und Formen und Szenen gebracht, dass es schlicht sprachlos macht. Mich zumindest.

Schauspielerisch bewegen sich hier alle auf einer Ebene, und die Oscarnominierung für Benedict Cumberbatch kann ich gut nachvollziehen. Besonders zum Ende des Films wird sein Talent deutlich, wenn sein Spiel mich so berührte wie kaum ein anderes zuvor. Doch es ist nicht Benedict Cumberbatch der als Schauspieler fasziniert, es ist die Figur, die Person des Alan Turing, die er so authentisch verkörpert. Ein Mann, so falsch und doch so richtig in seiner Zeit. Ein Genie, ein stiller Held, ein Revolutionär – der doch erst 2013 von der Queen posthum für seine Leistungen geehrt wurde. So spät erst, weil er eben war, wer er war.

The Imitation Game ist ein Film, der berührt und der spannend ist. Er bringt einem die Schrecken des Krieges aus einer anderen Sicht näher, bewegt sich auf dieser mathematischen Ebene, ohne die Menschen aus dem Blick zu verlieren. Oder ist es gerade andersrum? Bewegt er sich auf einer menschlichen Ebene und schafft es dennoch, die Mathematik näher zu bringen? Ich weiß es nicht, und im Grunde ist es auch egal: Dieser Film hat mich zutiefst berührt, er hat mich mitgenommen, mich bewegt und mich zum Denken angeregt. Ich vergebe 10/10 Punkten für diesen Film, den ich eigentlich gar nicht gucken wollte.

16 Kommentare

  1. Ich kann die endlose Begeisterung nachvollziehen. Ich würde mir auch lieber einen Oscar für Benedict Cumberbatch wünschen, obwohl Eddie Redmayne (THE THEORY OF EVERYTHING) allem Anschein nach das Rennen machen wird.

    Liebe Grüße von Franzi von filmkompass.wordpress.com

    1. „The Theory of Everything“ habe ich leider noch nicht gesehen, aber Eddie Redmayne ist wohl (spätestens seit den Globes) sehr gut im Rennen. Ich mag ihn aber auch aus anderen Filmen, deswegen sei es ihm gegönnt 🙂

  2. Freut mich ja, dass dir der Film so gefallen hat. Ich fand ihn auch gut, dennoch muss ich sagen, dass er mich weniger berührt hat, weil einem der Mensch Turing so wenig nahe gebracht wurde. Was ihn bewegt, was ihn berührt. Und auch seine Entdeckung, Erfindung wird nicht deutlich im Film.

    1. Findest du? Also ich konnte mich doch recht gut in Alan Turing einfühlen, durch den Rückblick in seine Vergangenheit und seine Handlungen zu Kriegszeiten kam er mir als Mensch schon nah. Seine Erfindung wird nicht detailliert beleuchtet, das stimmt, aber ich finde, es wird deutlich, dass er Großes geleistet hat und das genügte mir. Um so eine komplexe Erfindung dem „Otto-Normal-Zuschauer“ näher zu bringen, bräuchte es mehr Zeit oder weniger Emotionen, denke ich 😉

      1. Die Rückblicke fand ich zum Beispiel verhackstückt.
        Und: Turings Homosexualität. Da wurde ja schon viel drüber geschrieben. Dass sie für einige Kritiker zu wenig thematisiert wurde. Das finde ich auch. Ich brauche keine expliziten Sexszenen aber einen Allen außerhalb des Bletchley-Tüftlers zu sehen, hätte dem Film gut getan.

        1. Ich fand die Rückblicke gut, sie gaben Stück für Stück ein bisschen mehr preis und trugen, für mich, so zum Verständnis von Turings Person bei.
          Seine Homosexualität fand ich gerade richtig dargestellt, es passt zum Film und zu der Zeit, in der er spielt. Das war schließlich nichts, was man frei ausleben konnte oder mit dem man hausieren ging, das wurde ja deutlich. Vielmehr spiegelte sich dieser Widerspruch dann in Turings Charakter dar, eine innere Zerissenheit, die ihn zu dem Menschen gemacht hat, der er war. Turing war Wissenschaftler, Mathematiker, und das was (in Bezug auf seine Homosexualität) in seinem Privatleben geschah, passierte im Verborgenen. So bleibt es auch im Film eher im Hintergrund und ist doch immer präsent. So war mein Empfinden.

          Aber das ist das interessante an Filmen (oder auch Büchern oder anderen Kunstformen): Jeder sieht es mit seinen eigenen Augen. Wenn jemand den Film anders wahrnimmt als ich, dann ist das eben so. Ich glaube da gibt es keine „Wahrheit“.

          1. Gerade eine innere Zerissenheit gab es ja in dieser Dimension für Turing nicht, der mit seiner Homosexualität recht offen umging. Weil alles im Verborgenen bleibt, man aber nicht sieht, wie er Dinge im Verborgenen halten muss oder hält, bleibt dieser Aspekt seines Lebens für mich im Film recht oberflächlich.
            Natülich sind Geschmäcker verschieden, ist ja hier auch kein Angriff auf Geschmack. Nur unterschiedliche Auffassungen.

  3. Hach, das ist wieder einer der Filme, die ich UNBEDINGT sehen will – und dann läuft er bei uns natürlich nicht -.- Ich finde die Geschichte von Alan Turing unheimlich spannend, genau wie dein Freund, und da macht es mich ja noch neugieriger auf die Verfilmung, wenn du dich trotz der großen Skepsis auch begeistern lassen konntest!
    Auch wenn ich an einigen Stellen gelesen habe, dass sich der Film leider zu stark auf einen Thriller verlegt hat anstatt richtig auf das Drama, das das Leben des Mannes war, einzugehen, werde ich irgendwann – vielleicht ja noch im Kino für Kenner oder so, falls er da läuft – selbst sehen, was ich davon halte.
    Danke für den schönen Einblick jedenfalls 😉

    1. Oh schade, dass er bei dir in der Nähe nicht läuft 🙁
      Dass der Film zu viel Thriller und zu wenig Drama ist kann ich nicht unterschreiben. Es gibt spannende Momente, ja, aber das Genre „Drama“ überwiegt doch deutlich. Ich hoffe, dass du den Film bald sehen kannst, er würde dir bestimmt auch gefallen!

  4. Servus, Katie.
    Die Homosexualität Alan Turings hatte ja such insofern eine tragische Bedeutung, weil die Gesellschaft, die er mit half zu verteidigen, ihn deswegen später zwang Medikamente „dagegen“ einzunehmen. Die daraus resultierenden Depressionen trieben ihn in den Tod.
    Nach dem Siegel der totalen Geheimhaltung die zweite, schlimmere Geringschätzung seiner Person.

    Meine Randnotiz noch: Die Jungs & Mädels sind für die Kriegszeit einen Hauch zu neuwertig gekleidet. 🙂

    Freut mich, daß der Film Deine volle Aufmerksamkeit erringen konnte. Allein das Thema ist es bereits wert etwas darüber zu erfahren.

    bonté

    1. „Die Homosexualität Alan Turings hatte ja such insofern eine tragische Bedeutung, weil die Gesellschaft, die er mit half zu verteidigen, ihn deswegen später zwang Medikamente “dagegen” einzunehmen. Die daraus resultierenden Depressionen trieben ihn in den Tod.
      Nach dem Siegel der totalen Geheimhaltung die zweite, schlimmere Geringschätzung seiner Person.“
      – Das wurde im Film (meiner Meinung nach) sehr gut dargestellt, weswegen ich wirklich mitfühlen konnte und ob dieses Schicksals sehr bewegt war.

      Zu der Kleidung kann ich leider nicht viel sagen, da kenne ich mich nicht gut aus – ich fand es authentisch 😉

      1. …authentisch, keine Frage! Nur, daß sich die Kostümabteilung das „Altern“ erspart hat. Die Anzüge wirken, wie eben vom Herrenschneider abgeholt.
        Zugegeben – eine winzige Kleinigkeit. 🙂

        bonté

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