Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Filme

[Kino] Who Am I – Kein System ist sicher

Benjamin Engel lebt in Berlin, ist aber für seine Umwelt unsichtbar. Er ist ein ruhiger, schüchterner Typ, der seine Zeit hinterm Rechner verbringt und sich mit Programmieren und Hacken beschäftigt. Als einer seiner Hacks schief geht, lernt er den charismatischen Max und dessen Freunde kennen. Gemeinsam gründen sie eine Hackergruppe, die zunächst durch spaßige Aktionen ins öffentliche Interesse gerät. Doch irgendwann läuft alles aus dem Ruder und die kleine Gruppe CLAY sieht sich Ermittlungsteams von Europol und der russischen Cybermafia gegenüber…

Meine Meinung

Im Allgemeinen stehe ich deutschen Produktionen sehr skeptisch gegenüber, zumindest denjenigen, die zuletzt so im Kino zu sehen waren. Dass der deutsche Film doch was kann, hat er mir schon bewiesen, nur bisher eben zu selten. Der Trailer zu „Who Am I“ hat mich aber direkt neugierig gemacht und so ging ich tatsächlich vorfreudig in einen deutschen Kinofilm.

„Who Am I“ wird aus Benjamins Sicht erzählt, der einer Ermittlerin der Vereinten Nationen gegenübersitzt. Der Zuschauer weiß also direkt: irgendwas scheint schiefgelaufen zu sein, warum sonst wird Benjamin dort verhört? Dass Benjamin hier selbst erzählt gibt dem Film einen persönlichen Flair und bringt einem vor allem den Hauptcharakter, aber auch die Nebencharaktere näher.

Die Geschichte wird flott erzählt, mit vielen Schnitten, die manchmal im Takt der Musik zu pulsieren scheinen. Apropos Musik: Der Film hat einen tollen Soundtrack, der das Geschehen immer wieder passend untermalt. Gerade am Ende zieht der Film sein Tempo nochmal ordentlich an, die Ereignisse scheinen sich geradezu zu überschlagen, aber genau dieses Ende hat ein Film wie dieser verdient und gebraucht und er hat dem ganzen Streifen noch die Kirsche aufs Sahnehäubchen gesetzt.

Sicher ist hier nicht alles perfekt und man stolpert auch in diesem Film über logische Stolpersteine, dennoch wird die Welt rund um das Hacken und das Dark Net authentisch dargestellt. Und daran hat Benjamin, gespielt von Tom Schilling keinen geringen Anteil. Nun ist es ja immer einfach zu sagen „Ich war schon viel früher Fan von Tom Schilling“, aber das glaubt einem dann ja sowieso keiner mehr. „Fan“ wäre auch übertrieben, aber ich kannte ihn schon bspw. aus „Crazy“ und mochte ihn damals schon sehr, und nun steht für mich fest, dass ich mir definitiv noch einige weitere Filme mit ihm ansehen will. Auch wenn sein Charakter Benjamin eine eher blasse, graue Figur ist, die im Laufe des Films nur langsam ein wenig an Farbe gewinnt, so belebt Tom Schilling ihn doch auf faszinierende Weise.

Neben ihm runden Elyas M’Barek, Wotan Wilke Möhring und Tech-Nick den Cast ab. Tech-Nick heißt in Wirklich übrigens Antoine Monot Jr., und obwohl er -genau wie Wotan Wilke Möhring- recht sympathisch rüber kommt, vermochten mich die beiden nicht hunderprozentig zu überzeugen. Elyas M’Barek erfüllt seine Standardrolle gewohnt souverän und bleibt eigentlich nur deswegen hinter Tom Schilling zurück, weil man diese Rolle eben schon zig-mal von ihm gesehen hat. (Wie wäre das wohl gewesen, wenn M’Barek den schüchternen Hacker gespielt hätte und Tom Schilling den coolen Frauenhelden? …)

Abschließend kann ich aber nur ein außerordentlich positives Feedback ziehen. Tom Schilling trägt hier, unterstützt von einem soliden Cast, einen spannenden, schnellen Thriller, der authentisch wirkt und über seine Länge hinweg fesselnd bleibt. Das Ende setzt dem Film seine Krone auf und zeigt, was deutscher Film könnte, wenn er wollte. Bitte mehr davon in Zukunft! Ich vergebe 9 Punkte.

3 Kommentare

  1. Wirklich eine tolle Kritik. Ich war mir bei diesem Film ja sehr unsicher ob ich ihn mir anschauen solle oder nicht. Einfach weil ich diese typischen Deutschen Filme auch nicht unbedingt mag. Es ist halt meistens immer der gleiche Käse, bei dem man sobald man einen Film gesehen hat, alle kennt. Hier finde ich es gut, dass man einmal in ein völlig anderes Genre geht, aber trotzdem war ich mir nicht sicher, ob sich ein Kino Besuch wirklich lohnt und ob der Film es schafft abzuliefern. Deine Kritik hat mich nun doch neugierig gemacht und mal schauen, vielleicht gebe ich dem Film auf Dvd dann eine Chance. Ansonsten hoffe ich aber auch, dass es mehr Filme dieser Art bei uns geben wird. Der Standard Komödie bin ich einfach überdrüssig.

  2. Ich freue mich, dass es von dir mal wieder eine Filmrezension zu lesen gibt – und dann auch noch grade zu diesem Film! Den habe ich nämlich anfangs des Monats ebenfalls gesehen und ich war positiv überrascht. So viele Punkte wie du würde ich jetzt nicht vergeben [bei mir 3,5 also bei dir 7], aber normalerweise sind wir Deutschen ja nicht unbedingt bekannt dafür, glaubwürdige Thriller hinzubekommen. Hier wurde das ganze Netz aber recht realistisch dargestellt, auch, weil die Sprache komplett auf englisch war. Oft werden ja Dialoge etc auch in anderen Ländern eingedeutscht, das war hier zum Glück nicht der Fall…
    Tom Schilling mag ich auch, aber meine Lieblings-Figur war ja die vom Möhring, den mochte ich da irgendwie sehr gern 😉

    Schön, dass wir so einer Meinung sind!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: