Frau Margarete

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[Kino] Les Misérables

Frankreich, zur Zeiten der Französischen Revolution. Der mittellose Jean Valjean wird aus der Haft entlassen, doch Inspektor Javert bleibt ihm auf den Fersen. Bis Jean Valjean ein neues Leben beginnt und auf die arme Fantine trifft. Fantine, ihre Tochter Cosette und die Französische Revolution verändern Jean Valjeans Leben – doch Inspektor Javert lässt sich niemals von seiner Jagd nach dem ehemaligen Häftling abbringen.

„This is the land that fought for liberty
Now when we fight, we fight for bread
Here is the thing about equality
Everyone’s equal when they’re dead
Take your place!
Take your chance!
Vive la France!
Vive la France!“

Meine Meinung
Die Story von Les Misérables, im Original von Victor Hugo, ist wahrscheinlich vielen von uns bekannt. Ich sah das Stück erst im letzten Jahr auf der Freilichtbühne und war recht positiv überrascht. Als jetzt die Hollywood-Verfilmung mit einer Starbesetzung in die Kinos kam, war klar dass ich diesen Musicalfilm sehen muss. Und jetzt muss ich euch eine Frage stellen: Wo soll ich anfangen, diesen Film zu loben?

Les Misérables ist für acht Oscars nominiert, unter anderem könnte Hugh Jackman den Preis für den besten Hauptdarsteller ergattern. In meinen Augen wäre dies mehr als gerechtfertigt, denn Jackman spielt absolut authentisch. Sein Minenspiel ist beeindruckend, fesselnd und emotional berührend. An seine Gesangsstimme musste ich mich erst gewöhnen, aber auch hier macht er eine gute Figur. Hugh Jackman übernimmt die Rolle des Jean Valjean und verkörpert diese Rolle so beständig und gleichzeitig vielseitig, dass mir wirklich fast die Worte fehlen.
Doch die anderen Darsteller stehen ihm in nichts nach. Anne Hathaway, ohnehin eine meiner liebsten weiblichen Darstellerinnen, überzeugt in diesem Film ebenfalls mit ihrem starken Ausdruck. Dass sie sich tatsächlich die Haare hat abschneiden lassen macht sie in ihrer Rolle nur noch glaubwürdiger. Bereits nach 30 Minuten rührte mich Anne Hathaways Solo zu Tränen. Es sollte in der 2 Stunden und 40 Minuten dauernden Spielzeit nicht das letzte Mal gewesen sein.
Russel Crowes Gesangsstimme gefiel mir persönlich am allerbesten. Hinzu kommt, dass auch er perfekt in die Rolle des Javert passt. Wirklich, der Mensch, der das Casting durchgeführt hat, sollte einen Ehrenpreis bekommen. Denn hier hört die Reihe der erstklassigen Darsteller nicht auf.
Die Wirtsleute – wer könnte in diesen fiesen, verrückten, abgedrehten Rollen besser glänzen als Helena Bonham Carter und Sacha Baron Cohen? Wer hätte die kleine Cosette besser verkörpern können als die reizende und zuckersüße Isabelle Allen? Und müssen wir wirklich über Amanda Seyfield sprechen, welche die erwachsene Cosette spielte? Sie war natürlich perfekt, wenngleich mich Samantha Barks als Eponine noch etwas mehr überzeugen konnte. Ich mag aber den Charakter der Eponine auch etwas mehr als die naive Cosette. Dann wäre da noch der kleine Daniel Huttlestone, der mich nicht nur an Ed Sanders erinnerte, sondern mich ebenfalls zu Tränen rührte. Und nicht zuletzt haben wir da natürlich Eddie Redmayne als Marius, der schon irgendwie ziemlich süß war und mich in seiner Rolle sowohl sehr überzeugt als auch sehr gerührt hat.
Es war jetzt vielleicht viel, all die Schauspieler aufzuzählen und zu loben – aber sie alle haben es einfach so sehr verdient – meiner Meinung nach dürfte jeder einzelne einen Oscar bekommen!

Über die Geschichte muss man nicht mehr groß schreiben, denn die ist ja einigermaßen bekannt. Wem sie nicht bekannt ist, dem möchte ich nicht viel vorweg nehmen, denn dieses Meisterwerk ist voll von Irrungen und Wirrungen, was schon dadurch klar wird, dass sich die Handlung über knapp 20 Jahre erstreckt. So weit ich es beurteilen kann, hält sich der Film sehr gut an die Vorlage, was mir durchaus gefallen hat.

Die Kulisse ist natürlich einwandfrei, man fühlt sich versetzt in die dunklen, dreckigen Gassen von Paris 1815. Was möchte man von Hollywood anderes erwarten? Was mir besonders gut gefallen hat: Der Film setzt nicht auf Effekthascherei, nicht auf große Action oder epische Schlachten. Nein, dieser Film setzt auf Emotionen. Viele Szenen setzen auf Close-Ups und zeigen lediglich das Gesicht des Protagonisten. Verständlich, dass hier also absolut begnadete Schauspieler eingesetzt werden mussten. Die Tränen der Charaktere rührten auch mich zu Tränen. Die Emotionen und Gefühle wirken so echt und authentisch, dass man meinte, man müsse nur die Hand ausstrecken und könne Anne Hathaways Tränen wegwischen. Ich hätte es so gern getan.

Was mich am Anfang etwas irritiert, aber nach einem kurzen Moment doch nicht mehr gestört hat: Dieser Film ist kein Musicalfilm, sondern ein Musical. Das heißt, wer in diesen Film geht, sollte sich bewusst sein, dass wirklich nur gesungen wird. Ich hatte eher etwas im Stil von bspw. „Sweeney Todd“ erwartet – gesprochene Szene und dann Gesang. Doch die gesprochenen Sätze lassen sich in Les Misérables wirklich an zehn Fingern abzählen. Der Gesang wurde (Gott sei Dank) nicht übersetzt, sondern nur untertitelt. Ich hatte eigentlich keine Probleme, den englischen Gesang zu verstehen, aber für diejenigen, die im Englischen nicht so fit sind, sind die Untertitel sicher hilfreich. Sie helfen natürlich auch die kleinen Wendungen zu verstehen, welche die Geschichte dann voran bringen. Der Gesang ist toll, stimmig, meist dramatisch, aber oft auch romantisch und manchmal lustig. Privat bin ich zwar eher nicht so, dass ich mir Musicalsongs anhöre, aber hier bleiben mir doch einige Stücke im Gedächtnis, die ich mir sicher nochmal anhören werde.

Mit 2 Stunden und 40 Minuten ist der Film natürlich sehr lang und wenn nur gesungen wird, kann das schon etwas anstrengend sein. Das ist aber nur mein subjektives Empfinden, am Film lag es nicht. Der Film ist konstant spannend und entwickelt sich weiter, Längen weißt er überhaupt nicht auf. „Les Misérables“ ist eben eine komplexe Geschichte, die seine Zeit braucht um erzählt zu werden.

Kommen wir (endlich) zum Fazit. Ich hatte erwartet, dass mir der Film gut gefallen würde, aber dass er mich wirklich so beeindrucken würde, hätte ich nicht gedacht. Es ist gewöhnungsbedürftig, dass ausschließlich gesungen wird, aber durch die fantastischen Darsteller machte es mir nichts aus. Die Geschichte nach Victor Hugo ist natürlich ein Klassiker und von Hollywood in toller Kulisse sehr gut umgesetzt. Ich vergebe 10 Oscars und hoffe, dass Les Miserables heute Abend auch einige abräumen wird!

9 Kommentare

  1. Der Film ist einfach großartig. 🙂
    Hatte durch meine Reise ja das Glück, ihn Anfang Januar schon sehen zu können. Einer der guten Musicalfilme, finde ich. Auch, wenn er mit einer Inszenierung in London (wie ich sie ebenfalls sehen durfte 😉 ) bei weitem nicht heran kommt.

    War aber auch total geflashed, als ich aus dem Kino kam und hatte die Melodien noch so lange im Ohr.

    Liebe Grüße

    EsKa

  2. Der Film steht bei mir auch ganz oben auf der Liste. Mir war bis zu deinem Post gar nicht bewusst, dass es wirklich ein Musical-Film ist. Ich dachte, dass sie ihn komplett zum „Film“ umgewandelt haben, also nur mit Sprechszenen.
    Um so mehr bin ich nun gespannt! 🙂

    Schade nur das ich nun wohl alleine ins Kino muss. Mein Männe hasst Musicals und meine Freundinnen konnte ich für den Film bisher auch nicht begeistern. ^^“

    Liebe Grüße
    Sani

  3. Möchte mir den FIlm auch noch anschauen & habe jetzt wegen deiner Rezension große Lust darauf bekommen!
    Schaust du heute nacht ebenfalls die Oscars? Ich freu mich schon drauf!!

  4. Wirklich eine wunderschöne Rezension und der Film klingt gar nicht schlecht – aber ich kann, wie du ja vielleicht weißt – mit Musicals sehr, sehr wenig anfangen. Daher bin ich mir jetzt wirklich nicht sicher, ob „Les Misérables“ etwas für mich wäre, auch wenn die Darsteller, allen voran Jackman und Hathaway, noch so genial sind. Ich werde da wohl noch mal meditieren und schauen, ob sich jemand findet 😉
    Danke dir auf jeden Fall für deine aufschlussreiche Meinung!

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