Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Alltag

Marcel Reif und das Victim Blaming

Ich interessiere mich nicht wirklich für Fußball. Allerhöchstens wenn mal Europa- oder Weltmeisterschaft ist, aber selbst da geht es mir eher um das gemeinsame Erleben als um den Sport an sich. Trotzdem kenne ich Marcel Reif, seines Zeichens Fußballkommentator und ausgezeichneter Sportjournalist. Da sich mein fußballerischer Sachverstand eher auf der Ersatzbank denn auf dem Spielfeld befindet, kann ich die Qualität von Reifs Kommentaren zu Fußballspielen nicht beurteilen. Viele andere können das aber oder meinen zumindest es zu können. Und sie sind nicht einverstanden mit der Art und Weise, wie Marcel Reif „ihre“ Spiele kommentiert. Das hat dazu geführt, dass Marcel Reif in dieser Woche nach zwei Fußballspielen angegriffen wurde, einmal im Auto, ein anderes Mal wurde er mit Bierbechern beworfen.

Marcel Reif gab dem Tagesspiegel ein Interview zu diesen Ereignissen, welches über Zeit Online in meine Facebook-Timeline gespült wurde. Und es ist gar nicht Marcel Reif selber, der mich veranlasst hat, diesen Beitrag zu schreiben, sondern die Kommentare unter dem Link zu seinem Interview.

Da ist dann davon die Rede, Marcel Reif möge doch „bitte in Rente gehen und leise heulen“, es wird von „Elfenbeinturmgejammer“ gesprochen und davon, dass Herr Reif „abgehoben“ sei.

„Wenn dieser Fussballlaie nicht so viel dummes Zeug erzählen würde, wäre die Situation auch eine andere. Mein Tipp Marcel: Häng das Mikro an den Nagel und kümmer dich um Dinge, von denen du Ahnung hast, falls es sowas geben sollte.“

„Wenn es solche Ausmaße annimmt, könnte man sich auch mal selbst hinterfragen, warum das so eskalieren muss. Warum muss ein Herr Reif so viele BVB-Spiele kommentieren, trotz dieser Vorfälle? Will er Aufmerksamkeit?“

Marcel Reif ist also offensichtlich selber Schuld daran, dass er angegriffen wurde, zumindest wenn es nach einigen Facebookkommentatoren geht.

Victim Blaming

Dass sich Facebook nicht unbedingt eignet um sachliche Diskussionen zu führen, dürfte fast jeder von uns schon erlebt haben. Trotzdem (oder gerade deswegen?) zeichnet sich dort unter dem Artikel über Marcel Reif aber ein bestimmtes Phänomen ab: Victim Blaming.

Victim Blaming bezeichnet ein Vorgehen, dass die Schuld für eine Straftat oder für Gewalt beim Opfer sucht und die Rollen von Täter und Opfer somit umkehrt. So wie es in den oben genannten Kommentaren passiert ist: „Selbst Schuld, dass das passiert ist.“

Häufig kommt Victim Blaming zum tragen, wenn es um sexualisierte Gewalt oder Rassismus geht. Gerade nach Vergewaltigungen hört man häufig Fragen und Anschludigungen wie „Warum war sie denn um diese Uhrzeit noch in diesem Viertel unterwegs?“ oder „Wenn man so kurze Röcke anzieht, dann legt man es doch drauf an.“

Nein zur Rape Culture

Nein. Niemand hat das Recht, ein Opfer zum Täter zu machen oder jemandem aufgrund seines Aussehens, seiner Kleidung oder seiner Äußerungen anzugreifen und Gewalt anzutun. Dabei ist es vollkommen egal, ob es sich um eine junge Frau im Kleid handelt oder um einen Journalisten, der ein Fußballspiel nicht zur eigenen Zufriedenheit kommentiert hat. Womit nehmen sich Menschen das Recht heraus, darin eine Entschuldigung, gar eine Rechtfertigung, für Gewalt zu sehen? Und wie können Menschen die Täter so in Schutz nehmen, dass sich am Ende das Opfer schuldig und beschämt fühlt?

All das sind Aspekte einer Rape Culture. Rape Culture – zu deutsch „Vergewaltigungskultur“ meint eine Kultur, in der sexuelle Übergriffe und sexualisierte Gewalt legitimiert und tabuisiert werden.

„Wenn der Vorwurf der Vergewaltigung nicht ernst genommen wird, ist das auch Teil der rape culture, der Kultur, in deren Norm sexualisierte Gewalt gehört. Es heißt, Frauen übertreiben, sie sollten sich nicht so anstellen, vielleicht sei ihre Anzeige ja nur ein Racheakt.“ (Quelle) Eindringlich zeigt das die Liste an männlichen Prominenten, die Gewalt (gegen Frauen) angewendet haben und trotzdem noch gefeiert werden. Vom aktuellen Fall um Bill Cosby, über den recht bekannten Fall um Roman Polanski bis hin zu Männern, von denen ich das weder wusste noch erwartet hätte (Bill Murray und John Lennon zB).

Da muss sich was ändern

Nun sitze ich hier, kopfschüttelnd, ratlos. Ich frage mich: ist mir auch schon so sein Satz über die Lippen gerutscht? „Wenn sie sich so anzieht, muss sie sich nicht wundern.“ Ich weiß es nicht. Vielleicht. Sicher ist aber, ich habe niemandem bisher Gewalt angetan und ich will und werde niemanden in Schutz nehmen, der sowas tut. Von jetzt an werde ich noch viel mehr darauf achten, wo und wann Victim Blaming betrieben wird – denn sicher finden sich da auch viele kleine Beispiele in unserem Alltag.

Natürlich sind nicht nur Frauen Opfer von (sexualisierter) Gewalt oder von Victim Blaming – man sieht es ja am Beispiel von Marcel Reif, der nun zum Täter umgekehrt wird. Im Falle von sexuellen Übergriffen sind aber doch häufiger Frauen die Opfer, daher habe ich mich im Text darauf bezogen. Aber davon abgesehen, sollte Victim Blaming nicht toleriert werden, egal welches Geschlecht, welche Nationalität, welches Alter oder welche Religion betroffen ist.

Und ich würde mich freuen, wenn auch Du dich mit diesem Thema auseinander setzt und dir überlegst, wer wirklich Schuld trägt an solchen Taten. Egal ob es um eine Vergewaltigung oder einen geworfenen Bierbecher geht.

Wo habt ihr bereits Victim Blaming erfahren? Was ist eure Meinung zu diesem Thema? Schreibt es mir in die Kommentare!

Wenn du noch mehr über die Themen aus diesem Artikel erfahren möchtest, lies doch hier weiter:

Headerbild: pixabay

11 Kommentare

  1. Hallo Frau Margarete,
    dein Beitrag und solche Situationen geben einem schon sehr zu bedenken.
    Auch Herr Reif mag mal einen Tag oder ein Spiel haben, was nicht so gut moderiert ist. Aber „schlechte“ Tage haben wir alle mal. Ich frage mich im Zeitalter von Shitstorms und öffentlichen Anfeindungen. Wo bleibt eigentlich der Respekt, dem man ja nun jedem Menschen mal entgegen bringen sollte. Denkt da mal jemand drüber nach, was man damit anrichten kann?

    Freitag war Lea Linster im Fernsehen und sie erzählte, wie mal eine Frau (ein Gast) auf sie zukam und sie fragte, ob sie denn nicht mal abnehmen wolle. OK, sie hat es nicht im Netz oder im Fernsehen gemacht. Das wurde erst durch Frau Linster erzählt. Aber, was geht es einen Gast denn an? Welchen Respekt haben wir heute denn noch unserem Mitmenschen gegenüber?

    Markus Lanz ist auch so ein Beispiel, der in der Öffentlichkeit auf eine nicht mehr erträgliche Art kritisiert wurde/wird. Man hat ja schnell mal eben eine Petition gestartet. Man kann so ja schnell jemanden „fertig machen“. Wer da möglicherweise zarter besaitet ist, den könnte das auch schnell krank machen.

    Schuld? Mal unterstellt, Herr Reif hat schlecht kommentiert. Rechtfertigt das doch noch lange nicht, dass man ihn mit Bierbechern bewirft oder im Auto angreift. Er ist dafür verantwortlich. Aber er trägt doch keine Schuld. Schlechte Leistung hat er mit seinem Arbeitgeber zu klären. Dieser muss entscheiden, ob er auf Grund von Kritik Handlungsbedarf sieht.

    Ich finde das öffentliche „an den Pranger stellen“ sehr bedenklich. Ich denke auch über Deine Einladung nach, mal den ein oder anderen Gedanken zu (ver)fassen.
    HG Hans

  2. Feinen Sonntag, Katie.
    Du bist fleißig – ein interessierender Post folgt dem anderen. Chapeau, Madame!

    Sport als Ereignis versteht es, mich nicht die Bohne zu interessieren. Sportpolitische Aspekte dagegen schon, ist der der – Achtung: Satire! – Tanz um goldene Kälber auch immer ein Spiegelbild der Gesellschaft.

    Wenn da ein gefeierter Ex-Balltreter in der medialen Öffentlichkeit sich davon Überzeugt gibt, daß Doping im Fußball (ausgerechnet nur!) keinen Sinn mache – mit einer wahrlich sinnfreien Argumentation – , dann läßt mich das aufhorchen.
    Gut, lachen kann ich darüber auch! 🙂

    In puncto Unflat & offenen Hass gegen Marcel Reif isr es wohl das alte Spielchen, daß der kommentierende Überbringer einer schlechten Nachricht (daß der Verein z. Zt. nix reißt) für die Misere verantwortlich gemacht wird. Eben weil die Realität manchmal ein schmerzhafter Prozess des Erkennens ist. Wobei de „weitsichtigeren“ Fans traditionel lieber auf den Trainer einprügeln.

    Ich schätze einige der Filme Roman Polanskis sehr. Ich denke aber, daß er als Midvierziger alt genug war, um sich der Tragweite seiner Geilheit bewußt zu sein. Er hat sich dennoch an einer 13 Jährigen vergangen. Seine Filme kann man/frau schätzen – seine Person nicht!

    Eigentlich ist jede „Rechtfertigung“ Frauen & Mädchen zu vergewaltigen, unterdrücken, auszugrenzen nur dem geschuldet, daß sich manche „Männer“ gern gehen laßen wollen. Schwanzgesteuert ohne den Funken Anstand, Respekt oder gar Empathie für andere.

    Merci für den Post wie seine Themenbreite.

    bonté

  3. Hallo Maggie 😉
    Ich stimme dir vollkommen zu. Aber es geht vielen Fans nicht nur darum, dass Marcel Reif überkritische Kommentare von sich gibt, zu nennen wäre da z.B. die Bewertung des Superhelden-Torjubels der beiden Dortmunder Aubameyang und Reus als „Albernheit“ für die Marcel Reif „[…] wohl zu alt […]“ sei, sondern auch dass er alle Fans über einen Kamm schert und sie als „unverbesserliche Idioten“ bezeichnet, während die Kamera auf ein Dutzend dieser gerichtet ist und ihre Gesichter bestens zu erkennen sind. Und DIESE Fans hatten mit der Gewalt und Pyrotechnik über die Herr Reif während des laufenden Spiels geredet hat nichts zu tun. Dass daraus Probleme für die Einzelperson, die ins Stadion geht um sich friedlich ein Fussballspiel anzugucken, entstehen können, wird dabei natürlich völlig vernachlässigt. Erfährt z.B. der Chef davon, dass sein Angetellter regelmäßig ins Stadion geht, nimmt er u.U. gleich an, es handle sich um einen gewaltbereiten Menschen. Und das nur, weil ein bekannter Sportkommentator solche Äußerungen von sich gibt und die 97% der „normalen“ Fans auf eine Stufe mit den 3% gewaltbereiten Idiotenfans stellt. Daher resultieren dann solche Fanaussagen wie der genannte „Elfenbeinturm“, da seine Berichte teilweise wirklich von oben herab getätigt werden. Da wird selbst der Familienvater auf seinem Sitzplatz, der niemals was mit den Ultra-Gruppierungen zu tun hatte, als potentieller Gewalttäter und Prolet dargestellt. Und das finde ich wiederum absolut verwerflich!
    Marcel Reif sieht ja sogar von einer strafrechtlichen Verfolgung seiner Angreifer ab und dass obwohl deren Gesichter deutlich zu erkennen sind und eine Anzeige demnach schnell zu den Tätern führen würde. Stattdessen fordert er für sich persönliche Schutzmaßnahmen auf dem Weg und innerhalb des Stadions. Was soll man dazu noch sagen?!
    Ob die Aktionen oder besser gesagt die Angriffe der Fans gerechtfertigt sind steht natürlich ausser Frage, aber ich kann die Wut vieler dann doch verstehen.

    1. Hallo Mars 😉 ,
      wie gesagt – ich kann nicht beurteilen was Marcel Reif in seinen Kommentaren von sich gibt. Das kann schon gut sein, dass das Schwachsinn ist und es geht auch nicht darum, ob man ihn kritisieren darf. Im Gegenteil: Sich über einen schlechten Kommentator, der die Fans anscheinend von oben herab behandelt, zu ärgern, finde ich ganz natürlich. Das ist auch eine Kritik bzw eine Form der Auseinandersetzung, der sich Marcel Reif dann stellen muss. Für mich ist dabei klar, dass die Diskussion dabei möglichst sachlich bleiben sollte, was schwer werden könnte, da Fußball ja auch ein emotionales Thema ist und sich in so einer Debatte beide Seiten schnell angegriffen fühlen.

      Abgesehen davon, ging es hier aber um mehr oder weniger körperliche Angriffe, die ich absolut nicht in Ordnung finde – vollkommen egal, was Marcel Reif gesagt hat. Und in dem Zusammenhang finde ich es dann auch nicht ok, wenn man sagt „Naja, er ist selber Schuld, wenn er angegriffen und Becher nach ihm geworfen werden.“ Das finde ich nicht. Ja, er muss sich Kritik stellen als Kommentator/Journalist/Person des öffentlichen Lebens, aber er trägt keine Schuld daran, wenn jemand ihn körperlich angreift.

      Du schreibst: „Stattdessen fordert er für sich persönliche Schutzmaßnahmen auf dem Weg und innerhalb des Stadions. Was soll man dazu noch sagen?!“ – Ja, was soll man denn dazu noch sagen? Ist das irgendwie verwerflich, dass sich jemand schützen möchte, nachdem man angegriffen wurde? Verdient er in deinen Augen keinen Schutz, weil er ein schlechter Kommentator ist? Sorry, aber auch du suchst du Schuld beim Opfer 😉

      Dass ich den Fall Marcel Reif nicht so tiefgehend behandelt habe, wie du es dir gewünscht hättest, tut mir Leid 😉 er diente ja eigentlich nur als Aufhänger zum Thema „Victim Blaming“.

      1. Du musst mich falsch verstanden haben. Ich finde die körperlichen Angriffe keinesfalls legitim, ebenso bin ich nicht der Meinung, dass ihm Schutznahmen verwehrt werden sollten. Ich wollte keinesfalls darauf hinaus, dass er selber an dieser Situation Schuld hat sondern vielmehr habe ich seine Verallgemeinerung kritisiert. Dass er Schutz fordert ist absolut nachvollziehbar, aber eine Anzeige gegen die wahren Täter mit anschließender Verurteilung sollte der erste Schritt sein. Wenn man von einer einzelnen Person verprügelt wird verurteit man ja auch nicht die ganze Familie oder schlimmer noch die gesamte ethnische Gruppe (was ja leider viel zu oft passiert). Und in so einem Fall kann das Opfer auch keinen persönlichen Schutz gegen eine Gruppierung fordern sondern sich lediglich der gängigen strafrechtlichen Verfolgung bedienen. Marcel Reif allerdings fordert viel mehr. Den Eingriff in die Intimsphäre bei JEDEM Stadionbesucher (denn auch Kinder können ja zum Schmuggeln verbotener Gegenstände verwendet werden) durch genauere Kontrollen im Stadion ist da noch ein weiteres Beispiel. Betrachtet man allerdings die Statistiken fällt auf, dass in den Stadien fast gar nichts passiert. Solche Überspitzungen stören mich dann wirklich und sorgt für ein Unverständnis bei seiner Vorgehensweise auf die Anzeige zu verzichten, im nächsten Moment aber die Gesamtheit der Fans an dem Pranger zu stellen.

        Das ist mir klar… Ich wollte eigentlich auch nur wichtige Hintergrundinformationen zur Entwicklung dieser Auseinandersetzung beitragen und klarstellen, dass Marcel Reif ebenso seinen Teil dazu beigetragen hat. Und das wird in den Medien gerne unter den Tisch gekehrt.
        Ok jetzt hab ich die Schuld bei ihm gesucht, aber das soll wiederum nicht bedeuten, dass ich die körperlichen Angriffe als gerechtfertigte Reaktion ansehe 😉

        Und ich will diesen Fall auch keineswegs mit den anderen von dir genannten Beispielen vergleichen oder meine geäußerten Ansichten übertragen. Dabei stimme ich dir nämlich vollkommen zu.

        1. Okay, dann habe ich dich tatsächlich falsch verstanden, sorry 😉

          „Dass er Schutz fordert ist absolut nachvollziehbar, aber eine Anzeige gegen die wahren Täter mit anschließender Verurteilung sollte der erste Schritt sein. Wenn man von einer einzelnen Person verprügelt wird verurteit man ja auch nicht die ganze Familie oder schlimmer noch die gesamte ethnische Gruppe (was ja leider viel zu oft passiert).“ – richtiger und wichtiger Aspekt! Das kam bei mir vorhin nicht so an, jetzt finde ich durchaus nachvollziehbar was du meinst.

          Danke für die Klarstellung von deiner Seite. Ich weiß doch, dass du bei dem Thema insgesamt meiner Meinung bist. 🙂 (Zumindest würde ich dir nichts anderes zutrauen)

  4. Ein wirklich guter Artikel.

    Ich musste erstmal eine weile darüber nachdenken bevor ich dir jetzt Antworte, und vielleicht lehne ich mich jetzt auch zu weit aus dem Fenster mit meiner Antwort.
    Ich bin schon länger der Ansicht das unsere Gesellschaft sich in eine Richtung entwickelt die mir nicht gefällt. Kaum einer Interessiert sich heute noch für den anderen, das einzige was zählt ist man selbst und vielleicht noch die nahe stehenden Personen. Hauptsache uns geht es gut, Hauptsache wir profitieren davon etc.pp

    Das spiegelt sich meiner Meinung nach auch im Victim Blaming wieder. „Die Frau wurde vergewaltigt ?“ „Warum zieht sich sich auch so an“ etc.
    Ist leicht gesagt und schiebt die eigene „Verantwortung“ schnell wieder beiseite. Es ist einfach als sich zu fragen „habe ich mein Kind richtig erzogen ?“ , „hätte ich geholfen ?“ oder andere Fragen, ich muss nicht weiter über das (Gesellschaftliche) Problem nachdenken wenn doch ganz offensichtlich das Opfer schuld hat. Meine kleine (Seifenblasen) Welt ist weiterhin in Ordnung.

    Ich habe dazu mal einen Interessanten Tweet auf Twitter gelesen (als Bild hochgeladen) in dem ein Mann beschreibt wie er Nachts von einer Party nach Hause geht, ein Stück vor Ihm geht eine Frau. Als sie Ihn bemerkt merkt er wie sie ihre Schritte etwas beschleunigt, sie biegt nach links ab ebenso er. Sie wird wieder schneller, erreicht ihr Haus und schlägt hinter sich die Tür zu. Er wohnt drei Häuser weiter, sie hatten einfach nur den selben Heimweg. Und er beschreibt wie peinlich es ihm ist, das Frauen mit solch einer Angst nach Hause gehen müssen.

    ein recht ungeordnetes Kommentar (entschuldige bitte)

  5. Über dieses Thema habe ich gerade erst mit einigen Freunden diskutiert – nicht im Bezug auf Marcel Reif, weil ich von dem Fall noch gar nichts gehört habe [wobei ich Gewalt gegen jemanden, nur weil dieser etwas nicht zur eigenen Zufriedenheit tut, genau wie du unmöglich finde] -, aber bei uns ging es um die junge Frau, die vor drei Jahren in Indien in diesem Bus vergewaltigt und getötet worden ist, und deren Mörder keine Reue empfinden. Stattdesse werden genau diese Phrasen raus gehauen, von denen du auch schreibst: "Warum war sie so angezogen?", "Was hat sie so spät noch da gemacht?", "Sie hätte sich nicht wehren sollen" etc. Und was mich am meisten schockiert: Dass es ganz oft Frauen sind, die so etwas über andere sagen. Weil das anscheinend irgendwie mittlerweile von der Gesellschaft so vorgeschrieben wird.

     

    Schön, dass du dich diesem Thema angenommen hast – schön geschrieben trotz des unschönen Inhalts.

  6. Anna schrieb auf fraumargarete.wordpress.com :

    Hallo,
    ich tue mich gerade sehr schwer mit einem Kommentar. Inhaltlich kann (und werde) ich was schreiben, was mich aber (mal wieder) sehr irritiert: diese Betroffenheit. Und das meine ich jetzt wirklich nicht speziell auf dich bezogen oder die Kommentatoren vor mir. Mal ganz allgemein, wenn es alle so schlimm finden, warum passiert es dann immer wieder?! Bei Facebook ist schnell was in die Welt hinausgetönt, in Diskussionen hinterher, hört man nur noch Entrüstung… Und kommt man damit einen Schritt weiter?

    Ich selbst kann mich von Vorwurf des Victim Blaming nicht freimachen, insbesondere auf das Thema Mobbing bezogen. Jemanden selbst gemobbt zu haben, würde ich vehement für mich verneinen. Die Augen verdrehen, wenn jemand von seinen Erfahrungen erzählt, Gedanken wie: “War klar, das ausgerechnet DIR so was passiert…”, oder vielleicht noch ein zynischer Kommentar?! Da fällt die Verneinung eher schwer…

    Das dies nicht korrekt ist, weiß ich, morgen aufwachen und der perfekte Gutmensch sein? Auch eher unwahrscheinlich.

    Vielleicht widerspricht das Ganze aber auch meiner inneren Auffassung, nicht hilflos dem Schicksal/anderen ausgeliefert zu sein, sondern durchaus alle Situationen beeinflussen zu können…

    Gewalt, in welcher Form auch immer, ist nie akzeptabel.

    1. Hallo Anna,
      danke für deinen Kommentar. Ich verstehe was du meinst. Das Ding ist jedoch, wenn du schreibst “Mal ganz allgemein, wenn es alle so schlimm finden, warum passiert es dann immer wieder?!” – ich glaube nicht, dass “alle” das so schlimm finden. Sondern, dass viele tatsächlich davon überzeugt sind, was sie sagen oder tun. (Dass also jemand selbst daran (Mit)Schuld trägt, wenn ihm/ihr etwas passiert) Deswegen passiert da dann auch keine weitergehende Reflektion oder ein Umdenken. Vermutlich, weil sich viele damit einfach nicht auseinander setzen, was Victim Blaming überhaupt ist oder bedeutet.

      Auch ich kam ja eher von Hölzchen auf Stöckchen auf das Thema und war mir dessen nicht wirklich bewusst. Daher der Blogeintrag, um dafür evtl Bewusstsein zu wecken. Wie ich auch geschrieben hab: Ich weiß nicht ob ich nicht auch schon mal so eine victim-blaming-Aussage o.ä. von mir gegeben hab. Bestimmt hab ich das, rutscht einem vermutlich schneller raus als einem lieb ist. Aber ich zumindest werde jetzt darauf achten, wie ich auf entsprechende Situationen reagiere.

      Ich hoffe ich hab den Kern deines Kommentars verstanden und getroffen 😉

  7. Thomas schrieb auf fraumargarete.wordpress.com ;

    Herr Reif, puh – also wenn der moderiert schalte ich auf Stadionton um, das tue ich mir nicht an. Er haut eigentlich einen Klops nach dem anderen raus und zwar beständig und konstant.

    Nur, das ist meine Meinung und somit auch meine Konsequenz – also das mit dem Stadionton. Es würde mir im Traum nicht einfallen Herrn Reif deswegen anzugreifen, persönlich zu beleidigen oder mit Dingen zu bewerfen. Das ist einfach nur unterste Sohle.

    Auf der anderen Seite ist Herr Reif ein Mensch, der in der Öffentlichkeit steht und da auch gerne als Experte im Rampenlicht steht. Da muss er auch, natürlich in einem angemessenen Maß, Kritik von seinem Publikum einstecken können. Nur, wie schon gesagt, wenn dies persönlich beleidigend wird oder gar in Sach- oder Körperverletzung endet, dann ist das nicht akzeptabel.

    LG Thomas

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