Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Alltag

Matratzen im Wohnzimmer und Chili in der Nacht

Es war Oktober und draußen nieselte es. Es war dunkel und kalt und die Leute hatten ihre Jacken zugezogen, die Kapuzen über dem feuchten Haar. Dieser Oktober war nicht golden, kein Spätsommer oder irgendetwas, was man mit dem Wort „mild“ in Verbindung brachte. Er war regnerisch und windig, grau und dunkel und all das, was ich am Herbst hasste.*

In der Bar war die Musik laut, die Luft stickig und das Bier schal.* Das orangefarbene Licht versuchte zu wärmen, vermochte aber nicht durch die dunklen Schatten der Menschen zu mir durchzusickern. Es war einer dieser Abende, die besonders hätten werden können, die früher besonders gewesen waren. Heute waren wir alle müde, das verrieten unsere Blicke und das Tempo, in dem wir tranken. Es war nicht mehr wie früher – wir waren nicht mehr wie früher. Aber wir waren noch hier und das war alles, was zählte.

Und es war egal, wie kalt es draußen oder wie stickig es hier drin war. Es war gut und es war schön, denn es fühlte sich richtig an. Mein Körper schien zu schreien, schien mit jeder Faser nach einem Bett zu verlangen, doch mein Herz wollte bleiben, wollte noch eine Runde bestellen und die ganze Nacht mit Euch zusammen sitzen und für immer reden und zuhören. In meiner Kehle spürte ich ein Kratzen, das angenehm unangenehm war, weil es mich daran erinnerte, wie wir die ganze Nacht gemeinsam gesungen hatten. Gesungen und gelacht und geweint vor Lachen.

56565-20140928_034722Und eigentlich wollte ich über etwas ganz anderes schreiben. Darüber, wie Du mich gefragt hast, ob ich noch bloggen würde und wie mich deine Nachrichten dann motiviert haben, wieder mehr zu schreiben. Aber dann dachte ich an diesen Abend und all die Wochen und Jahre davor. Danke dafür und für durchgesungene Nächte. Danke für Matratzen im Wohnzimmer und Chili in der Nacht. Für so viel mehr – so viel, dass ich nicht wüsste, wo ich anfangen sollte. Danke für ganz viel Geduld, mehr als zwei offene Ohren und ganz viel Freundschaft.

Ich schreibe meistens besser als dass ich rede. Vor allem über sowas. Wollt‘ ich nur mal gesagt haben, obwohl ich weiß, dass es nicht hätte gesagt werden müssen.

*Wetter- und Bierverhältnisse aus dramaturgischen Gründen geändert. Die Redaktion.

 

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