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Nerds in freier Wildbahn: Quedlinburg, oder: Durch die Hölle gehen.

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Ich unternahm letztens eine Reise. Es war nur eine kurze Reise, aber dafür eine sehr schöne und deswegen möchte ich euch darüber berichten. Für vier Tage fuhr ich in den Harz, was ich natürlich nicht alleine tat, sondern in Begleitung des Nerdmanns. Wir besuchten dort einen Kumpel (um genau zu sein meinen Gastautor Mars), der erstens Geburtstag hatte und zweitens ebenfalls von seiner Freundin begleitet wurde. Ein Pärchenwochenende quasi. Für tageslichtscheue Nerds wie uns war das alles schon ganz schön aufregend! OMG!

Dazu müsst ihr wissen, dass Mars ein sehr ambitionierter Gastgeber ist und sehr viele (sehr, sehr viele) Besichtigungen plante. Wir schafften bei weitem nicht alles, was er uns vorgenommen hatte, aber ich fand unser Pensum doch ganz gut. Wie und warum ich in Quedlinburg durch die Hölle ging, das erzähle ich euch in diesem 1.Teil meines kleinen Reiseberichts…

Rathaus Quedlinburg Weltkulturerbe
Rathaus Quedlinburg

Zunächst beschenkte Quedlinburg uns mit dem besten Wetter, das man sich im Harz wünschen kann. Mir wurde gesagt, die Harzer sind mit der Witterung ungefähr so gesegnet wie die Briten.

Quedlinburg jedenfalls ist in Sachsen-Anhalt und trotzdem Weltkulturerbe 😉 Wir fanden uns dort ein um eine Stadtführung mitzumachen und anschließend die Stiftskirche zu besuchen. Der Stadtrundgang startete am Rathaus auf dem schönen Marktplatz der Stadt – und führte uns direkt durch die Hölle.

Quedlinburg Hotel Vorhof zur Hölle
Hotel „Vorhof zur Hölle“
Höllenhof Quedlinburg
Gasthaus „Höllenhof“

Natürlich läuft man nicht wirklich durch die Hölle (ach…!?). Das Wort „Hölle“ stammt vermutlich vom mittelniederdeutschen Wort „helle“ was so viel wie „abschüssig“ bedeutet. Die Straße, die heute eben als Hölle oder Tor zur Hölle bekannt ist, wurde mit dem Namen „Helle“ jedenfalls 1521 erstmals erwähnt.

Hölle hin oder her – ich war jedenfalls im Himmel in dieser traumhaften, mittelalterlichen Stadt. Erst seit diesem Jahr trägt Quedlinburg die Bezeichnung „Welterbestadt“ – vollkommen zu Recht, meiner Meinung nach. Aber seht selbst.

Altstadt Quedlinburg Fachwerk Weltkulturerbe Altstadt Quedlinburg Fachwerk Weltkulturerbe Adelshof Altstadt Quedlinburg Fachwerk Weltkulturerbe Altstadt Quedlinburg Fachwerk Weltkulturerbe Altstadt Quedlinburg Fachwerk Weltkulturerbe Denkmal GutsMuths Quedlinburg WeltkulturerbeIch liebe solche Städte einfach: Enge Gassen, schiefe Fachwerkhäuser, unebenes Kopfsteinpflaster. Diese Umgebung finde ich inspirierend und belebend, da steckt so viel Geschichte drin und unweigerlich stelle ich mir vor, wie die Menschen wohl damals hier gelebt haben. Dass dabei der Müll und schlimmeres einfach auf die Straße geworfen wurde, ignoriere ich dabei meist sehr gezielt. Aber wenn ich mal die Möglichkeit hätte, eine Zeitreise zu machen, dann würde ich ins Mittelalter reisen.(Oder in die 60er um George Harrison zu heiraten, aber das ist eine andere Geschichte…)

Der werte Mann, den ihr auf dem untersten Bild von oben seht ist nicht nur genau 230 Jahre vor mir geboren, sondern auch der Grund, warum wir uns alle in den Schulsport quälen mussten. Sein Name ist GutsMuths und er gilt als einer der Mitbegründer des Turnens. Danke für Nichts, Herr GutsMuths.

Wie ich bereits erwähnte, wollten wir uns auch noch die Stiftskirche ansehen. Vielleicht wisst ihr nicht was eine Stiftskirche ist, das ist nicht schlimm, denn dann geht es euch so wie mir. Ich habe ja generell nicht so viel mit der Kirche am Hut und interessiere mich daher auch nur bedingt für Gotteshäuser. Die Architektur und Kunst lockt mich dann schon hin und wieder in die ein oder andere Kirche oder einen Dom, aber – sagen wir es so wie es ist: Die Stiftskirche in Quedlinburg fand ich von außen interessanter als von innen.

Stiftskirche Quedlinburg Domschatz Schlossberg WeltkulturerbeIch höre schon die Empörungsschreie. Denn die Stiftskirche in Quedlinburg ist ja nicht irgendeine Kirche, nein! Man kann dort nämlich den Domschatz bewundern, der zwischendurch abhanden gekommen war, aber jetzt eben wieder zuhause ist. Außerdem wurde Heinrich I. dort begraben, der ist aber nicht mehr da. Positiv auf dem Schlossberg waren jedoch der schöne Garten, die tolle Aussicht und auch das Schlossmuseum – das war sehr interessant! (Was eine Stiftskirche jetzt eigentlich ist, weiß ich übrigens immer noch nicht.)

Schlossgarten der Stiftskirche Quedlinburg
Schlossgarten der Stiftskirche Quedlinburg

Nach der Stadtführung und der Besichtigung von Kirche inklusive Garten, Schatzkammer und Krypta sowie Schlossmuseum gönnte uns unser Reiseführer Mars endlich eine Pause. (So viel sei gesagt: Der heißt nicht ohne Grund genauso wie der Kriegsgott 😛 ) Nach dem leckeren Mittagessen und einem Bier namens Pub-Arsch-Knall im Brauhaus Lüdde erkundeten wir weiter zu Fuß die Stadt.

Unser Ziel war der große grüne Turm, der über der Stadt aufragte. Wie sich herausstellen sollte, hieß dieser Turm Sternkiekerturm und ist die höchste Aussichtsplattform in Quedlinburg. Wir wurden für den langen Aufstieg belohnt mit einer traumhaften Aussicht über die Stadt und auf die Kirche.

Sternkiekerturm Quedlinburg Weltkulturerbe Aussichtsplattform Aussicht Quedlinburg Sternkiekerturm Altstadt Stiftskirche Aussicht Altstadt Quedlinburg WeltkulturerbeUnd nach diesem langen (aber sehr schönen!) Tag fühlte ich mich dann wirklich ein bisschen, als wäre ich durch die Hölle gegangen. Mein Rücken schmerzte und ich wollte wirklich keinen Meter mehr gehen – aber gelohnt hat es sich auf jeden Fall. Und nach einer erholsamen Nacht waren auch die Rückenschmerzen vergessen. Was wir sonst noch so erlebt haben im Harz, das erzähle ich euch dann demnächst.

16 Kommentare

  1. Wow… die Stadt ist ja wirklich hübsch! Da würde ich gerne mal mit meiner Kamera durchwandern 😀
    – dann aber ohne Reiseführer und auf jeden Fall ohne einen Reiseführer namens Mars *g*

    1. So schlimm ist der Mars gar nicht 😀
      Ich empfehle Stadtführung mittlerweile (wenn sie gut gemacht sind), denn man erfährt viel mehr über die Geschichte der Stadt oder eines Ortes anstatt nur vor die Fassaden zu gucken.

      1. Da hast du natürlich Recht… wenn man sich richtig für die Geschichte interessiert, ist das sicherlich ne tolle Sache. In Lüneburg werden sogar historische Stadtführungen angeboten, im Dunkeln. Das ist sicherlich auch ne tolle Erfahrung 😀

  2. Hehe freut mich, dass es dir (trotz schmerzender Beine) gefallen hat 😀 Na ich hab mir gedacht, wenn die Nerds sich schon einmal raus trauen, wir uns auch ordentlich was angucken und uns ganz viel an der frischen Luft bewegen müssen 😛

    P.S.: Ein Stift ist jede mit Vermächtnissen und Rechten ausgestattete, zu kirchlichen Zwecken bestimmte und einer geistlichen Körperschaft übergebene (gestiftete) Anstalt mit allen dazugehörigen Personen, Gebäuden und Liegenschaften. (lmgtfy :-P)

    1. Ich hab das gegoogelt, aber da kam so viel langweiliger Text. Too long, didn’t read 😛 Aber danke für deine Kurz-Erklärung 😉

  3. Das sieht ja aus wie im Bilderbuch! 🙂
    Ich weiß gar nicht, ob ich schon mal in Quedlinburg war – wenn, muss das 20 Jahre her sein (omfg, ich werd alt oO ). In Halberstadt war ich öfter, und zum Wandern will ich definitiv auch nochmal in den Harz.

    1. Nach Halberstadt wollten wir eigentlich auch noch, haben wir dann aber leider nicht mehr geschafft. Steht dann aber für den nächsten Besuch auf der To-Do-Liste 🙂

  4. Das ist wirklich eine hübsche Stadt und deine Bilder machen Lust darauf, dort selbst zu fotografieren. Quedlinburg wird auf jeden Fall gemerkt, falls wir auch mal in der Gegend sind.
    Liebe Grüße, Kirsten

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