Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Alltag Bücher

Nicht zu lesen ist in etwa so cool wie nicht zu duschen.

Meine lieben Freunde und Leserlis,
ihr wisst, Lesen ist eines meiner größten Hobbys. Und auch dem Schreiben widme ich mich gerne.
Was kann ich also nicht nachvollziehen? Richtig: Warum Menschen nicht gerne lesen.
Oder besser gesagt: Warum sie sich cool fühlen, wenn sie nicht lesen.
Okay, das manche Menschen nicht gerne lesen, kann ich zwar nicht verstehen, aber akzeptieren. Allerdings glaube ich, dass man jeden Menschen zumindest ein bisschen zum Lesen bewegen kann. Mein Papa und mein Bruder sind militante Nicht-Leser und jedes Jahr versuche ich es aufs Neue, sie zum Lesen zu bewegen, indem ich Bücher verschenke. Man muss halt die richtigen Bücher wählen, natürlich werden sich lesefaule Menschen kaum durch 1000seitigen Sagen quälen oder hochkomplexe Werke der Weltliteratur durchlesen. Meinem Bruder schenkte ich den „Bro-Code“ von Barney Stinson, welches er hier bei mir im Regal bereits gefunden und für lustig befunden hat. Denn solange man nicht nur die Fernsehzeitung liest, glaube ich, dass so ziemlich jedes Buch die Phantasie anregt, den Wortschatz prägt und erweitert und auch das eigene Ausdrucksvermögen stärken kann. Mal abgesehen von elementaren Dingen wie Rechtschreibung und Grammatik. Unter diesem Gesichtspunkt sollten deutlich mehr Menschen Bücher lesen.
Aber gut, der „Bro-Code“-Versuch ist gut gegangen und vielleicht folgt ja irgendwann noch das „Playbook“ unter dem Tannenbaum. Zum Lesen zwingen möchte ich gewiss keinen, schließlich kann man auch gebildet und schlau, lieb, nett und toll sein, ohne zu lesen.
Was mir jedoch vollkommen gegen den Strich geht sind Aussagen wie „Bücher – kann man das essen?“, „Buch – was ist das?“ oder „Wer immer Bücher liest, hat keine Freunde“… Solche und ähnliche Sätze sind uns wohl in den modernen Freundschaftsbüchern von heute, den sozialen Netzwerken, allen schon begegnet. Und ich frage mich, was soll das? Nicht zu lesen ist okay. Aber es ist nicht cool. Zumindest nicht cooler als zu lesen und meiner Meinung nach halt definitiv uncooler. Und oben gezeigte Sätze lassen einen nicht unbedingt klüger erscheinen. Wenn jemand nicht liest, ist das okay, dann soll er das Feld mit „Lieblingsbuch“ doch einfach leer lassen. Denn mit solchen Sätze untermauert sich bei mir die Vorstellung, dass mit den Leuten, die nicht lesen, irgendwas nicht stimmt 😉
Viel cooler wäre es doch wenn da stünde „Komasaufen – was ist das?“ oder „Kiffen – kann man das essen?“ (kann man das essen?? Achso, ja, Haschkekse =D)
Naja. Ich glaube, ihr wisst was ich meine. Ich versuche Menschen in meiner Umgebung zum Lesen zu bewegen – wenn sie nicht wollen, ist es okay. Wenn sie jedoch damit prahlen oder sich cool fühlen, weil sie über den Leseratten, Brillenschlangen und Streberkindern stehen, dann find ich das nervig, peinlich, unreif und einfach nur ziemlich dumm.

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8 Kommentare

  1. Da kann ich dir nur zu stimmen! Lesen macht so viel Spaß, wenn es das richtige Buch ist! 😉
    Und es zeigt wirklich von unreife, wenn man Menschen die lesen als Streber oder sonstiges bezeichnet. Aber irgendwie scheint das momentan wirklich als cool zu gelten! Vermutlich sind schon zu viele Gehirnzelen durch das Koma-saufen zerstört worden 😉

  2. Ich hab lange Zeit nicht gerne Gelesen und hab dann einfach die „Ich lass das Feld leer“-Variante gewählt. Wenn leute Dinge wie „Bücher, kann man das essen?“ schreiben, denke ich eigentlich sofort das sie dumm und ungebildet sind. Ein mießes Vorurteil, aber es hat sich auch leider so oft bestätigt. 😀

    Mittlerweile bin ich auch kein Vielleser, aber ich lese. Ich schaffe maximal ein Buch pro Monat (je nachdem wie dick) weil ich nur Morgens beim warten auf den Bus und Abends im Bett ein paar Seiten lese. Aber immerhin ^^

  3. Ich bin ganz genau deiner Meinung!
    Fast jeder Mensch (oder zumindest jeder in meinem Umfeld) konnte sich, wenn er genug Ruhe und Zeit zum Lesen hatte, schonmal für ein Buch begeistern.
    Über das Thema haben wir auch mal in der Schule gesprochen und da waren viele (gerade die Jungs, die eher nicht so gerne lesen) der Meinung, dass das Gezwungen-werden in der Schule bestimmte Bücher zu lesen eher noch abschreckt als das Lesen zu fördern.
    Klar, manche Bücher sollte man einfach gelesen haben, aber ich finde es könnte in der Schule vielleicht (zumindest in den jüngeren Klassen) alles ein wenig freier gestaltet werden (also die Buchwahl). Ich glaube, dass das einige dazu bewegen würde sich dann vielleicht doch für das ein oder andere Buch zu interessieren.

  4. …ich verstehe auch garnicht wie man nur lesen als Hobby haben kann O.o
    Ist ja schrecklich sichmit sowas die Zeit zu vertreiben.
    Und was man alles in der Zeit tun könnte…
    Z.B. TV sehen… Vor allem Nachmittags… diese tollen TalkShows … und sowas 😀 😀 😀

  5. Ich kann das, was du schreibst, absolut nachvollziehen. Nur bezogen auf mein Hobby: Playstation spielen. Ok, ist nun nicht unbedingt so bildend, wie ein Buch zu lesen. Aber da bekommt man auch gerne zu hören, dass das ja langweilig sei, man ja gar nicht rauskommt oder man keine Freunde hat usw. Also natürlich ist das Spielen von Videospielen an sich nicht so mit dem Lesen eines Buchs zu vergleichen, aber ich verstehe die Problematik absolut, die du da beschreibst. Denn irgendwo wird man immer in so eine Schublade gesteckt und dann ist man eben abgestempelt als „Leseratte“ (was ja gleichzeitig auch öde und besserwisserisch beinhaltet) und so gehts mir eben mit dem Spielen. Da ist man dann gleich jemand, der keine sozialen Kontakte hat, der nur drinnen rumhockt, womöglich auch noch übel riecht und … naja, die Beschreibung eines Nerds eben (allerdings im negativen Sinne).
    Früher habe ich auch sehr sehr selten gelesen und habe auch nicht wirklich verstanden, was denn am Lesen so toll sein soll. Meine Schwester hat Bücher ja geradezu verschlungen. Aber darüber lustig gemacht hab ich mich nicht, soweit ich weiß. Im letzten Jahr habe ich dann selber mal ein Buch gelesen und festgestellt, dass mich das auch sehr fesseln kann, wenn es eben das richtige Buch ist! Und ich denke, wenn man erstmal herausgefunden hat, WAS man gerne liest, weiß man auch, wie viel Spaß das macht und dass man dann teilweise echt stundenlang einfach nur dasitzen und lesen kann. Früher nie verstanden, jetzt gehör ich auch dazu. Vielleicht nicht so „extrem“, aber … ach, du weißt bestimmt, was ich meine. ;D

  6. Schöner Beitrag, Katie.

    Ich finde Lesen unglaublich wichtig.
    Hatte als Kind die größten Probleme mit der Rechtschreibung, aber Lesen hat mir sehr geholfen!

    Wir lesen vielleicht lieber nen Buch im Zug als laut die „krasse Gangsmucke“ zu hören, aber das macht uns für meine Auffassung von Coolheit def. nicht weniger cool 😉

  7. Gut gebrüllt, Löwin! 😉 Ernsthaft, ich habe noch nie verstanden, wieso manche mit ihrer Dumm…ähäm, Abneigung für Bücher kokettieren müssen. Es ist ja in Ordnung, wenn man nicht gerne liest, aber „Bücher, was ist das?“-Kommentare sind einfach schon ein wenig arg dämlich.

  8. Ich kann Dich da sehr gut verstehen, denn ich hatte früher eine sehr gute Freundin, die nicht zum Lesen zu bekommen war. Auch heute, wo wir erwachsen sind, besitzt sie alles in allem vielleicht drei Bücher. Ich habe mich immer bemüht, das richtige für sie zu finden, aber sie war generell gegen das lesen. Vielleicht hat sie das aus ihrem Elternhaus mitbekommen, da gab es auch keine Bücher, obwohl beide Eltern höhrere Schulabschlüsse hatten. Sie fand es einfach doof und jemanden von einer einmal gefassten Einstellung wegzubekommen ist wahnsinnig schwer.
    Ich weiß noch eine kleine Geschichte von vor zehn Jahren: Wir saßen in meinem Zimmer und sie sah mein Bücherregal hoch. „Hast Du die alle gelesen?“ fragte sie. Und als ich zustimmte: „Und? Weißt Du auch noch was drin stand?“
    Schon beinahe ehrfüchtig. Aber da sieht man mal …
    Ansonsten … sei jeder wie er will, wir haben alle unsere kleinen Laster und solange es nur das Lesen ist *g* Bei den anderen am besten einfach weghören. Dümmer gehts ja fast nimmer …

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