Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Alltag

Schlafparalyse

Ich öffne die Augen, bin wach. Obwohl es ein sonniger Frühlingstag war, ließ mich der Schlaf den ganzen Tag nicht los. Ich weiß, es ist ungefähr 19.30 Uhr, keine Zeit zum Aufwachen. Aber dieses Nickerchen, das musste sein.

Ich öffne die Augen, bin wach. 19.30 Uhr. Doch irgendetwas stimmt hier nicht. Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht. Mein Körper gehorcht mir nicht, ich kann nichts bewegen außer meinen Augen und meinen rechten Zeigefinger. Unruhig zuckt er. Doch ansonsten nichts. Ich bin wach in einem toten Körper. Nichtmal meinen Kopf kann ich drehen. Kann ich überhaupt atmen?

Neben mir liegt mein Freund, er schaut einen Film und hat mir den Rücken zugewandt. Er schaut mich nicht an, will mich nicht wecken. Ich höre den Film, der im Fernsehen läuft, ich sehe meinen Freund und das flackernde Licht des Fernsehers. Aber ich kann mich nicht bewegen. Es geht einfach nicht. Also will ich schreien – doch kein Laut kommt aus meiner Kehle.

Die Panik wächst, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ich gerade nicht atme. Und gleichzeitig versuche ich einen kühlen Kopf zu bewahren, denn ich habe das schonmal erlebt, schon mehrere Male. Ich weiß, dass ich diesen Zustand beenden kann, wenn ich mich konzentriere. Ich will noch mal schreien, will irgendeinen Laut von mir geben, damit mein Freund sich umdreht und meinen Körper schüttelt, mich aus meiner Starre befreit.

Dann platzt der Knoten. Ein unförmiges Krächzen kommt aus meiner Kehle, meine Beine treten gegen die Bettdecke und meine Lungen holen tief Luft. Und die Panik klopft in meiner Brust, während sich mein Freund lächelnd zu mir dreht: „Du bist ja wieder wach!“

Schlafparalyse, Schlaflähmung, Schlafstarre oder Wachanfall. So nennt man das, was ich seit kurzer Zeit regelmäßig verspüre. Dabei ist die Schlafstarre etwas vollkommen natürliches: Sie tritt ein, während wir träumen, damit wir die Bewegungen unseres Traums nicht im Schlaf nachahmen und uns durch zu heftige Bewegungen selbst verletzen, und damit wir uns im Schlaf auch wirklich erholen. Doch manchmal passiert es, da dauert diese Schlaflähmung über den Traum hinaus an. Man wird wach, aber man kann sich nicht bewegen. Bei manchen Menschen tritt diese Schlafstarre auch vor dem Einschlafen auf, zum Teil ist sie auch mit Halluzinationen verbunden.

Obwohl ich in letzter Zeit häufiger solche Wachanfälle hatte, und ich theoretisch weiß, dass sie vorübergehen, überkommt mich jedes Mal aufs neue eine enorme Panik. Denn oft spüre ich meine Atmung nicht (obwohl Augen und Atmung von der Schlafstarre ausgenommen sind). Generell lässt mich diese Bewegungsunfähigkeit panisch werden. Solange keine neurologische Ursache vorliegt, kann man diese Schlafparalyse nicht behandeln bzw. gibt es eigentlich keinen Grund, sie zu behandeln. Viele Menschen erleben dies im Laufe ihres Lebens mal – ich dachte, ich schreibe meine Gedanken dazu heute mal auf, vielleicht kennt ja jemand dieses Phänomen?

7 Kommentare

  1. Kannte ich bis jetzt noch nicht, aber irgendwie logisch dass es sowas gibt. Wobei manchmal wenn meine Haare in alle Himmelsrichtungen absteht nachm Schlafen denk ich mir so: Nun jaaaa…

    Ich würde wohl auch Panik bekommen, wenns bei mir so wäre wie bei dir.

  2. Oh Gott Katie ich musste gerade richtig schlucken als ich den Titel deines Posts gelesen habe! Jeder dem ich davon erzähle hält mich nur für verrückt, hatte das schon sehr oft, schon seit dem ich klein bin. In dem letzten Jahr Gott sei Dank nur ein oder zwei mal, manchmal – wenn wir im Urlaub oder an Orten sind die ich nicht kenne – auch mehrmals in wenigen Tagen. Ich kann das alles vollkommen nachvollziehen, man möchte schreien und versteht nicht warum kein Ton kommt, allein die Augen zu öffnen kostet so eine Kraft! Man weiß nicht ob man atmet… Ich projezier in diesem Zustand oft noch Trauminhalte nach außen, lag einmal im Urlaub in Schlafparalyse und habe deutlich einen Mann vor mir gesehen der mich erwürgen wollte, ein anderes mal bin ich mir sicher dass etwas oder jemand neben mir steht, kann mich aber mit aller Macht der Welt nicht zur Seite drehen und sehen was dort steht. Ach ich könnte einen halben Roman schreiben dazu! Wenn man in sich selbst gefangen ist, den Körper nicht spürt. Habe bis jetzt noch niemanden „getroffen“ der das kennt… Fühl dich umarmt ♥

  3. Das mit den Trauminhalten hatte ich zum Glück noch nicht, ich habe nur gelesen, dass das recht häufig vorkommt, und oft eben mit eher gruseligen Trauminhalten verbunden ist. Verständlich, dass die Panik da noch größer wird. Schön, dass ich dir zeigen konnte, dass wir nicht alleine sind und dass wir garantiert nicht verrückt sind! 🙂 ♥

  4. Ich selbst habe keine Schlafparalysen, allerdings einiges darüber gelesen. Zum Glück siehst du dabei keine Monster, oder? Viele halluzinieren dabei ja.

    Anyway… schläfste aufm Rücken? Wenn ja: schlaf mal auf der Seite. Rückenlage begünstigt Schlaflähmungen…

    Schlaf ist schon seltsam… so ein Zustand zwischen Leben und Tod, bei dem man allem ausgeliefert ist. Uhh.

  5. Das war wirklich mal ein interessanter Post. Da läuft es mir fast schon eiskalt den Buckel runter. Das Gefühl muss wirklich schrecklich sein, vor allem, wenn man es öfters hintereinander hat.
    Ich kann mich vage daran erinnern, dass ich so etwas mal vor Jahren erlebt habe. Man versucht wirklich irgendwas von sich zu geben oder etwas zu bewegen, aber es passiert einfach nichts und man wird fast irre dabei. Zum Glück hatte ich so etwas schon sehr lange nicht mehr. Ich bin dafür ein luzider Träumer, kann meine Träume beeinflussen und mich auch selbst aus Albträumen aufwecken. Früher ging das mal besser, heute nur noch ab und zu. Aber es ist schon verrückt, was Körper und Verstand mit einem machen…
    Hoffentlich wird das bei dir bald wieder seltener mit diesen Wachanfällen! 🙂

  6. Nein, zum Glück sehe ich keine Monster/Schatten oder sonstige gruselige Menschen. Habe auch schon gelesen, dass viele dabei halluzinieren bzw. Traumsequenzen in diese Wachphase projizieren, aber das hatte ich zum Glück noch nicht!

    Ich schlafe normalerweise immer auf dem Bauch, und die Schlafparalyse hatte ich schon in allen Schlaflagen, ich glaube damit hat das bei mir nichts zu tun.

    Und obwohl es mir in der Situation Angst macht, ist es wirklich ein interessantes Thema, daher wollte ich auch mal darüber schreiben 😉

  7. Darüber habe ich auf meinem alten Blog auch mal geschrieben. Ich hatte das früher auch eine Zeit lang sehr extrem (vor allem mit Halluzinationen, die zusätzlich aufgetreten sind). Per Zufall hab ich dann mal einen TV Bericht darüber gesehen und habe es danach mithilfe dieses Begriffs „Schlafparalyse“ googeln können.
    „Sowas kann man ja keinem erzählen“, hab ich gedacht. Aber offenbar ist das gar nicht so selten…
    Diese starke Panik dabei hab ich noch sehr gut in Erinnerung!

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