Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Bücher

[Gelesen] Stephan M. Rother – Ich bin der Herr deiner Angst

Die Kommissare der Hamburger Mordkommission, Jörg Albrecht und Hannah Friedrichs, werden zu einem erschreckenden Tatort im Rotlichtviertel gerufen. Das Opfer: Ein Kollege. Und es wird nicht der einzige Tote bleiben. Die Ermittlungen scheinen ins Nichts zu verlaufen. Für die Kommissare beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, der Kampf gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner und vor allem gegen die innersten Dämonen: die eigene Angst.
Meine Meinung
Der Thriller des mir bisher unbekannten Autoren Stephan M. Rother spielt in Hamburg und in Teilen Niedersachsens. Normalerweise bin ich skeptisch gegenüber deutschen Thrillern, doch hier muss ich meine Befürchtungen wirklich zur Seite räumen und ein Lob aussprechen: Ein unterhaltsamer, spannender und außergewöhnlicher Thriller!
Allen voran hat mir der Sprach- und Schreibstil des Autoren wirklich gut gefallen. Wie ich diesen beschreiben soll, weiß ich gar nicht richtig. Stellenweise kam es mir vor, als schreibe er so, wie man denkt. Das hat mir ein Einfühlen in die Situation meistens sehr leicht gemacht. Abwechslungsreich war auch, dass teilweise aus Hannah Friedrichs Sicht in der Ich-Perspektive erzählt wurde (durchaus gelungen, wenn man bedenkt, dass es von einem Mann geschrieben wurde). An anderen Stellen wurde dann über Jörg Albrechts Situation berichtet, allerdings in der dritten Person. In den sogenannten „Zwischenspielen“ bekam man Einblicke in die Sicht und die Handlungen des Täters, was die Spannung steigerte. 
Die Story fand ich wirklich außergewöhnlich und obwohl die Ermittlungsarbeit in bester Krimi-Manier stark im Vordergrund stand, kam die Spannung nicht zu kurz (was mir bei Krimis eben meist fehlt). Hilfreich war hierbei sicher das Motiv der Angst, was zu einem Handlungsstrang führte, den ich so noch nicht kannte und auch nicht erwartet hatte. 
Es gibt jedoch auch zwei Kritikpunkte, die ich ansprechen möchte. Zum Einen ist das die Figur des Hauptkommissars Jörg Albrecht. Albrecht war mir sympathisch und eine passende Titelfigur für diesen Thriller, aber leider ist er ein ebenso genialer Ermittler wie eine gebrochene Figur. Ich hätte dem Autor hier einfach noch etwas mehr zugetraut als dieser stereotype Ermittler, den man ja heute leider in jedem zweiten (v.a. skandinavischen) Thriller findet: Genialer Denker, aber auf der zwischenmenschlichen Ebene irgendwie hinterher, geschieden, verbittert, mit irgendeinem versteckten Trauma in der Hinterhand…! Erinnerte mich ein bisschen an Carl Morck von Jussi Adler-Olsen, das war schade.
Der zweite Kritikpunkt ist das Ende und die Auflösung des Thrillers. Zum einen war mir ziemlich früh klar wer der Täter ist, zum anderen fand ich das Ende, das fast schon einem Showdown glich, ein bisschen zu dick aufgetragen. Der Thriller bewegt sich über die meiste Zeit hinweg in einem Rahmen, den ich als durchaus realistisch eingestuft hätte, aber am Ende kommen dann so ein paar Situationen rein, die ich einfach unpassend fand.
Alles in allem können wiegen diese zwei Kritikpunkte aber nicht so schwer, dass sie meinen Gesamteindruck vom Buch schmälern würden. Die Story bleibt kreativ und innovativ, gefällt mir vor allem weil sie so bodenständig und realistisch wirkt und gleichzeitig neue Elemente einbringt. Die Figuren sind insgesamt sympathisch und gut gezeichnet, vor allem auch die Nebencharakter, die meiner Meinung nach immer sehr viel zu einem Buch beitragen, wenn sie gut durchdacht sind.
Mich konnte dieser deutsche Thriller überzeugen, gut unterhalten und fesseln. Ich würde ihn weiterempfehlen und vergebe daher sehr gute 5 Buchpunkte.

5 Kommentare

  1. Habe das Buch auch schon oft im Laden gesehen, aber aufgrund des doch eher typischen Klappentext und unbekannten Autoren immer wieder stehen gelassen. Aber deine Kritik hört sich gar nicht so schlecht an, wer weiß vielleicht lese ich es auch irgendwann ;).

    Aber diesen Stereotyp Ermittler mag ich auch nicht so, aber meist das Übel das man auf sich nehmen muss bei Krimis.

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