Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Alltag

Stillos

Ich gehöre zum Team „Jeans und T-Shirt“.winterfell

Das war schon immer so, aber in letzter Zeit frage ich mich: Soll das für immer so bleiben? Das möchte ich eigentlich nicht. Und wenn ich mich so umgucke, dann gehört auch meine Wohnung in die Kategorie „Jeans und T-Shirt“: Langweilig, belanglos, stillos.

Das Problem ist: Ich kann mich nicht für einen Stil entscheiden. Als ich letztens den neuen Elbenwald-Shop in Essen betrat, wollte ich das ganze Ding am liebsten leer kaufen. Überall Shirts und Pullis und Accessoires von meinen liebsten Helden, Filmen und Serien: Star Wars, Batman, Game of Thrones, Nintendo und unzähliges mehr. Letzten Endes wanderte ein Winterfell/Stark-Shirt in meine Tasche und ein Joker-Shirt für meinen Freund. Das ist was mein Herz mir sagt.

Und dann wiederum hört man Kommentare wie „Bist du nicht langsam mal zu alt dafür?“. Und ich sehe andere Mädels in meinem Alter, die schick und feminin gekleidet sind in Blusen und Röhrenjeans, mit tollen Accessoires wie Schals und Ketten und tollen Schuhen. Dann denke ich: So erwachsen und schick willst Du auch aussehen. Das ist was mein Kopf mir sagt.

Ganz clevere Menschen werden jetzt sagen: Kombinier das doch einfach – ein schickes Nerdgirl quasi. Leider kann ich das nicht, weder in Bezug auf Kleidung noch in Bezug auf meine Wohnung, die über fast keine Dekoration und keine liebevollen Details verfügt, weil ich einfach kein Händchen für sowas habe. Andere Leute stellen ihre Deko irgendwie hin und es sieht aus, als hätten sie stundenlang dekoriert. Ich hingegen dekoriere stundenlang und es sieht aus, als hätte ich es notdürftig irgendwie hingestellt.

Selbstverständnlich ist das eins dieser sogenannten First-World-Problems. Nichts, was irgendwie die Welt bewegt, aber es bewegt mich. Und ich weiß ja, dass dort draußen in der Bloggosphäre viele Mädels mit einem tollen Stil unterwegs sind.

Würdet ihr sagen, dass ihr einen Stil habt? Und wenn ja, wie hat sich dieser entwickelt, gefunden, durchgesetzt? Habt ihr ein paar Inspirationen oder Tipps für mich?

9 Kommentare

  1. Oh ja, das kenn ich nur all zu gut. Ich bin auch das klassische Jeans und T-Shirt oder Pulli Mädchen. Dazu noch globige Sneakers und ich bin happy 🙂 Wobei ich zugeben muss, dass ich da „zwei Gesichter“ hab. Im Alltag, wenn ich mich mit den Mädels treffe oder zur Arbeit gehe, trage ich eigentlich immer nur Blue-Jeans und Pulli oder T-Shirt. Hauptsache nicht auffallen. Wenn jedoch mal etwas festliches ansteht oder es auch in den Urlaub geht, dann findet man in meiner Auswahl alles andere als Jeans und Pulli. Da trage ich dann gern mal eine Lederhose, Boots und Fellweste. Oder im Urlaub das schickste Kleid mit süßen Sandalen und Perlenkette. Manchmal frag ich mich ob das dann schon noch ich bin, die ein und die selbe Person. Aber ich mag sowohl den chilligen Jeans-Look als auch mal diesen schicken (mein Freund nennt ihn auch gern „bitchy“) Look. Auch wenn ich ganz bestimmt nie mit einer schönen Bluse, Blazer und Stiefeln in die Firma gehen würde, so geh ich damit am Wochenende gern mal schick frühstücken. Echt unheimlich. Aber irgendwie brauch ich das ab und zu auch mal. Schicke Klamotten werten mein Selbstwertgefühl unheimlich auf. Ich fühle mich gut und groß und schön und interessant. Und bin dann für ein paar Stunden mal nicht das langweilige Jeans-Girl sondern mal die bitchy Tante mit 1,90m Größe weil sie die mega Absätze ausgepackt hat 😀 Und sobald ich die wieder ausgezogen hab, bin ich wieder der kleine schüchterne Computernerd, der sich kaum traut jemandem in die Augen zu sehen. Ich bin glaub echt verkorkst^^
    Aber zurück zu deiner Frage: Ich kann von mir nicht behaupten, dass ich Stil hätte. Ich hab keine Ahnung ob das so zusammen passt, was ich da manchmal kombiniere. Und oft schmeiße ich alles wieder über den Haufen und gehe dann doch wieder mit meiner Lieblingsjeans und dem verwaschenen Pulli aus dem Haus. Weil ich mir eh denke, dass die gewagte Kombi überhaupt nicht zu mir passt. Aber ich lasse mich doch gerne von den Fashion-Bloggern im Netz inspiereren, auch wenn es glaub nur drei oder vier Mädels sind, denen ich in Thema Fashion folge. Aber die machen ihre Sache echt gut und ich beneide sie um ihr Stil-Gefühl. Manchmal versuche ich das ein bisschen nach zu stylen. Mal gelingt es (mehr oder weniger) und mal überhaupt nicht. Aber hey, wär ja auch langweilig wenn jeder gleich rumlaufen würde. Es ist doch gut, dass jeder seinen eigenen Stil hat, ob nun in der Klamottenwahl oder im Dekorieren (oh Gott, da bin ich auch so schlecht drin). Solange man sich selbst wohlfühlt, dann ist doch alles gut. Ich jedenfalls freu mich am meisten drüber wenn mein Freund mir sagt, ich würde heute mal wieder echt schick aussehen. Obwohl ich nur andere Schuhe anhab und eine Weste, die mindestens schon fünf Jahre alt ist. Aber es tut gut so etwas zu hören. Und dann ist es mir auch wurscht was ich in dem Moment anhab 😉
    Also inspirieren kann ich dich daher leider nicht 🙁 Aber vielleicht haben die anderen Mädels ein paar Tipps für dich.

    Ach so und ja, mit unserem Häuschen geht es erst nächstes Jahr so richtig zur Sache 🙂 Momentan gibt es einfach viele Entscheidungen zu treffen, wie später alles aussehen soll. Ich denke, so ab Juli/August wird sich dann erst was auf dem Grundstück tun, mit dem Kellerbau und so. Aber bis dahin haben wir trotzdem noch ne Menge zu erledigen. Ich bin auch mal gespannt wie gut alles klappt und welche Herausforderungen da noch auf uns zukommen.

    Liebe Grüße,
    Lia

  2. Wow, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar 🙂 Ich erkenne mich da sehr wieder. Wenn festliche Anlässe anstehen, dann kleide ich mich natürlich auch gerne mal etwas schicker, aber ich muss zugeben, dass sich da auch nicht so die Auswahl in meinem Kleiderschrank findet. Ich traue mich auch zT nicht mal was anderes anzuziehen, da ich mich mit meiner Figur nicht wohl fühle. Oft denke ich mir dann „Du willst ja noch abnehmen, dann musst du dir jetzt nicht so schicke/teure Klamotten in XL kaufen“ – wenn ich denn dann auch mal weiter abnehmen würde…!

  3. Ich habe das große Glück, dass ich mich in meinem Studium öfter mit Stil beschäftigen musste – zwar in Bezug auf Sprache, aber das lässt sich ja übertragen.
    Die tolle Nachricht: Alles hat irgendwie Stil. Es gibt kein Ding ohne Stil. Im Alltag neigen wir aber dazu, den „unmarkierten Normalfall“ nicht mehr wahrzunehmen, sondern nur bestimmte Ausprägungen überhaupt als besonderen Stil zu betrachten und dann von gutem oder eben schlechten Stil zu sprechen, abhängig davon, ob es nach oben oder nach unten von dem abweicht, was wir als normal empfinden.
    Ich hoffe, dass war irgendwie verständlich. Stilistik ist unglaublich spannend!

    Das heißt für mich: Ich muss mir keine Platte machen. Ich habe einen Stil, auch ohne Blüschen, Blümchen und Röhrenjeans. Mein Stil besteht aus Jeans, T-Shirt und Cardigan oder Hoodie. Alles super.
    Mein Kleidungsstil passt zu meinem Leben, er ist unkompliziert und bequem, ich kann mich in meiner Kleidung gut bewegen und mühelos zur Straßenbahn rennen. Er zeigt, dass Mode mich nur entfernt interessiert – was auch stimmt. Und das ist auch überhaupt nicht schlimm, weil mich andere Dinge interessieren.
    Wenn man erstmal bei dem Motto “ Whatever floats your boat.“ angekommen ist, dann ist alles super. Ich hab meine Interessen, cool. Das andere Mädel im Hörsaal interessiert sich für Mode und zeigt das durch ihre Kleidungswahl – auch cool. Die Hauptfunktion von Stil ist ja, etwas über das Wesen seines Trägers auszusagen.

    Manchmal denke ich mir, dass ich vielleicht etwas anderes kaufen sollte als unifarbene schwarze T-Shirts – vor allem, weil mir das von außen so nahegelegt wird. Ich hab's dann auch echt versucht und bin total uneingenommen in diverse Läden gegangen, hab mir Oberteile angeguckt und dachte mir ständig „Aha, es liegt also im Trend, ganzjährig als Weihnachtsbaum verkleidet auf die Straße zu gehen.“ – so wirkt der Großteil an gemusterter Kleidung nämlich auf mich.
    Am Ende wurden es dann drei uni-schwarze Shirts – und eins in Altrosa, für den nächsten Sommer.

  4. Vielen Dank für deinen tollen Kommentar. Deine Erklärungen zur Stilistik waren verständlich und was du aus deinen Erfahrungen dazu erzählt hast, „beruhigt“ mich ein wenig. Oder, nein, vielmehr machst Du mir bewusst, was man sich (ich mir) viel häufiger zu Herzen nehmen sollte: So sein, wie man sich wohlfühlt.
    Du hast Recht, auch ich bin nicht das super-schicke, bunte Mädchen. Ich finde es toll, wenn sich jemand so kleiden kann. Aber ich mag die schlichten Sachen lieber, oder eben die Nerd- und Fanshirts. Und zumindest solange ich noch keinen Job habe, der mir vielleicht diktiert, was ich tragen sollte, sollte ich das noch in vollen Zügen ausnutzen 🙂

  5. Ich finde, auch kein Stil ist ein Stil. Ich kann mich mit dem, was du schreibst, schon recht stark identifizieren – ich trage auch Jeans und einen Pullover oder ein Shirt, je nachdem, was mir so gefiel im Laden und da achte ich ganz bestimmt nicht drauf, ob das jetzt zu meinem „Ruf“ passt oder nicht. Ich meine, klar, es gibt Frauen, die sich richtig toll anziehen, aber dann gibt es auch die vielen Leute, die sich als so stilsicher bezeichnen und irgendwie alle das gleiche tragen: Leggins, kurzes Top, Wolljacke, dicker Schal. Das ist doch auch irgendwie nichts.

    Ich finde das nicht schlimm, keinen bestimmten Stil zu haben, aber das liegt sicher einfach auch daran, dass ich eben auch keinen habe und mich da wohl fühle. Ich habe ein paar bunte Sachen, ich habe ein paar einfarbige Sachen, ich habe ein paar Nerd-Sachen. Und das mag ich, daher würden mir bestimmt auch deine Klamotten gefallen 😀 [Insbesondere die Film und Serien-Sachen…]

    Asche auf dein Haupt übrigens, dass du auf diesen Laden verlinkt hast. Jetzt muss ich doch Geld ausgeben >.<

  6. Ich kann total gut nachvollziehen, was du schreibst. Mein Kleiderschrank ist kunterbunt gemischt und unsere Wohnung auch … Ich weiß selbst nicht genau, wie ich mich stilistisch sehe und was zu mir passt, damit ich mich wohlfühle, aber gleichzeitig halt auch „schick“ aussehe …

  7. Diesen Gedanken hab ich auch oft, mit diesen „erwachsen werden“. Während der Schulzeit dachte ich mir immer: Das kommt später bestimmt von alleine.
    Ja, ne… irgendwie halt doch nicht 😀

  8. Dieser Artikel haette grad von mir sein koennen 🙂
    Ich habe jetzt im letzten Jahr genau 15 Kilo abgenommen… wirklich mir passen alle meine Jeans nicht mehr… also war ich letztens MEGA SHOPPING machen…. Zu Hause habe ich mir noch voll die Gedanken gemacht, „Ey jetzt kannst du auch endlich mal die stylischen sachen anprobieren!“ Ich habe mir soviel vorgenommen… Am Ende komme ich mit tausend Tueten nach Hause mit… JEANS UND PULLOVER… und Sneakers… hahahaha 🙂
    Ich haette auch so gerne Stil, und wenn ich mich hier so in Italien umsehe… fast alle haben hier einen coolen Stil und ich mit 28 Jahren mit einem fast 2 Jaehrigen Sohn renne ganz unauffaellig herum und werde fuer ein Teenie gehalten v.v

    Ich mag deinen Blog!

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