Stolz & Vorurteil: Buch, Film, Serie – ein Rundum-Vergleich

Ich hatte es in den letzten Beiträgen hier auf dem Blog bereits angedeutet: ich bin einem Klassiker der englischen Literatur verfallen. Stolz und Vorurteil – wer kennt es nicht? möchte man sagen. Tja, leider kannte ich es bis letzten Monat tatsächlich nicht. Ich wusste natürlich, dass es von Jane Austen geschrieben wurde und dass ein gewisser Mr Darcy eine Rolle spielt – da hörte mein Wissen dann allerdings auch auf. Und das obwohl das Buch schon seit einer Weile (und damit meine ich: Jahre!) bei mir im Regal stand.

Nun, im Rahmen meiner selbst gesetzten Challenge, zum Jahresende mal wieder mehr zu lesen, griff ich mir also endlich mal den Klassiker – und war sehr schnell sehr begeistert. Um genau zu sein, so begeistert, dass ich, nachdem ich das Buch gelesen hatte, auch gleich den Film von 2005 sowie die BBC-Miniserie von 1995 geschaut habe. Diese drei Formate möchte ich euch heute einmal vorstellen und miteinander vergleichen.

Das Buch

Dieser Roman mit dem Originaltitel „Pride and Prejudice“ ist der wohl bekannteste von Jane Austen. Er erschien 1813 zunächst auf Austens Wunsch anonym. Das Buch war bereits damals beliebt und innerhalb eines halben Jahres ausverkauft, sodass eine zweite Auflage gedruckt wurde. Doch worum geht es in diesem Roman überhaupt?

Elizabeth Bennet ist eine von fünf Schwestern im England Ende des 18.Jahrhunderts. Hauptthema ist die Suche der Schwestern nach einem geeigneten Ehemann, die nicht nur romantische Begegnungen mit sich bringt, sondern ebenso skurrille Personen, Intrigen und Missverständnisse. Der Leser steigt zu dem Zeitpunkt in die Geschichte ein, als der junge, reiche und gutaussehende Mr Bingley ein Anwesen in der Nähe der Bennets kauft und sich die Mutter, Mrs Bennet, wünscht, dass eine ihrer Töchter eben jenen Mr Bingley heiraten solle. Gemeinsam mit Mr Bingley kommen außerdem seine Schwestern sowie sein Freund Mr Darcy auf Netherfield an. Während die Chemie zwischen Mr Bingley und Elizabeths Schwester Jane sofort stimmt, muss sich Elizabeth über den stolzen Mr Darcy ärgern. Die Abneigung beruht zunächst auf Gegenseitigkeit…

Das Besondere an Stolz und Vorurteil ist, dass es eben nicht nur ein Liebesroman ist, sondern ein Entwicklungsroman, der uns außerdem die gesellschaftlichen Verhältnisse der damaligen Zeit näher bringt und diese kritisiert. Mit Elizabeth haben wir eine weibliche Hauptperson, von denen sich heutige weibliche Charaktere noch eine Scheibe abschneiden könnten. Natürlich ist sie ein Kind ihrer Zeit, aber sie ist sehr klug, selbstbewusst und humorvoll. Immer wieder haben mich ihre spitzen Bemerkungen zum Lächeln gebracht und auf jeder Seite konnte ich mich so unglaublich gut in sie hinein fühlen.

Hier zeigt sich, warum Jane Austens Roman bis heute so beliebt ist und als Meisterwerk gilt: Er ist perfekt geschrieben. Das ist keine Übertreibung und nicht nur mein persönliches Empfinden. Thematik, Komposition, Stil, Unterhaltungs- und Erkenntniswert dieses Romans sind zeitlos. Jane Austen schreibt auf den Punkt, kein Satz ist verschwendet. „Stolz und Vorurteil“ ist amüsant, spannend und romantisch, ohne dabei kitschig zu sein.

Ein schönes Extra, das bei meiner Buchausgabe (insel taschenbuch) enthalten ist, sind die Illustrationen von Hugh Thomas. Ich habe mein Exemplar damals gebraucht gekauft, es ist schon recht alt und nicht mehr im allerbesten Zustand, weswegen ich mir vermutlich noch eine neuere, schönere Version zulegen werden. Stolz und Vorurteil wird mittlerweile von vielen Verlagen herausgegeben und kostet zwischen 7 und 12 Euro.

Der Film

Stolz und Vorurteil wurde schon einige Male verfilmt, doch heutzutage ist die Kinoversion mit Keira Knightley und Matthew Macfadyen vermutlich die bekannteste, da sie auch die aktuellste ist. Der Film kam 2005 in die Kinos und wurde im darauffolgenden Jahr für drei Oscars nominiert, Keira Knightley erhielt eine Nominierung als beste Hauptdarstellerin.

Leider hat mir der Film gar nicht gefallen. Ich weiß, dass ich mich generell schwertue mit Buchverfilmungen, weil ich es immer schade finde, wenn tolle Szenen weggelassen werden (müssen) oder andere Szenen hinzu erfunden werden. Bei dieser Verfilmung von Stolz und Vorurteil stimmte für mich aber so einiges nicht.

Matthew Macfadyen war für mich als Mr Darcy absolut nicht überzeugend. Er wirkte auf mich nicht stolz und arrogant, sondern dumm und unbeholfen. Seinem komischen Dackelblick konnte ich nichts abgewinnen. Keira Knightley passte optisch einigermaßen in die Rolle der Elizabeth, allerdings wurde mir ihr Charakter viel zu weinerlich dargestellt. Elizabeth ist nicht so eine Heulsuse. Sie ist emotional, ja, aber sie lässt sich nicht so schnell unterkriegen wie diese Filmversion von ihr.

Manche Szenen waren einfach total überflüssig oder dramatisiert, wie die berühmte Szene im Regen. Es hat mir nicht gefallen, dass man diese klassiche Geschichte so sehr in die Schablonen des modernen Kinos gezwängt hat, nur um einer breiten Masse zu gefallen. Das Wesen und der Charakter der Geschichte gingen dabei verloren.

Im Buch spürt man zu Beginn die heftige Abneigung zwischen Elizabeth und Darcy, vor allem auf Elizabeths Seite. In diesem Film war dem nicht so – durch Blicke, Dialoge und bestimmte Kameraeinstellungen gewann man den Eindruck, dass sich die beiden eigentlich schon verliebt hätten. Das fand ich falsch. Der Film bekommt von mir lediglich 5.5/10 Punkte.

Die Serie

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es handelt sich nicht um eine Serie im eigentlichen Sinne, sondern um eine BBC-Miniserie mit 3 Folgen zu je 100 bzw. 90 Minuten. Die britische Originalfassung umfasst 300 Minuten, die gekürzte deutsche Fassung enthält ganze 30 Minuten weniger. Ich prangere das an und will unbedingt die Originalversion sehen!

Auf Englisch, also mit Originalton, geschaut habe ich es jedenfalls schon mal – und es war herrlich! Okay, zugegeben, die Bildqualität lässt (bei Amazon Prime) echt zu wünschen übrig, aber vielleicht kam gerade deswegen der Flair der Vergangenheit besonders gut rüber? Wer weiß.

Ich möchte nicht lange um den heißen Brei herum reden: Sogar in der gekürzten Fassung finde ich diese Verfilmung der BBC unter Simon Langton schon absolut perfekt. Die Dialoge wurden zu großen Teilen aus dem Buch übernommen und an Kostüm und Kulisse gibt es absolut nicht auszusetzen. Von den Kleidern der Frauen, über die Anzüge der Männer, die Gestaltung der Räume, die riesigen Anwesen Netherfield und Pemberley – einfach unfassbar toll anzusehen.

Was diese Verfilmung aber, neben der Detailverliebtheit, so besonders macht, sind die Darsteller. Diese Miniserie ist wirklich bis auf den letzten Darsteller perfekt besetzt. Besonders hervorzuheben sind hier natürlich Jennifer Ehle und Colin Firth in den Hauptrollen. Ich bin überzeugt, es kann keinen besseren Mr Darcy geben als Colin Firth. Er brachte die arrogante und stolze Art seiner Figur brilliant rüber, gleichzeitig zeigte er die Entwicklung des Mr Darcy ganz wunderbar, indem er auch seine unsicheren Momente so gut spielte.

Und dann – Jennifer Ehle. Genau so habe ich mir Elizabeth Bennet vorgestellt. Mit ihrer frechen, ironischen und klugen Art lässt sie sich nichts so leicht gefallen. Ehle bringt das wunderbar rüber. Sie zeigt, wie selbstbewusst Elizabeth ist und in ihrer natürlichen Art strahlt sie eine enorme Schönheit aus.

Auch die anderen Charaktere sind großartig besetzt (ja, ihr merkt, ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus): Ob es Mr und Mrs Bennet sind oder die Schwestern, über Mr Collins bis hin zu Lady Catherine sowie Mr Bingley und seine Familie – alle Charaktere sind toll umgesetzt und mit markanten Darstellern besetzt.

Ich würde mir diese Miniserie durchaus nochmal ansehen – und das werde ich auch irgendwann, dann nämlich in der ungekürzten Fassung. Von mir gibt es hier 10/10 Punkte.

Meine Empfehlung

Lest das Buch – diese Empfehlung sollte klar sein. Das Vergnügen, das einem das Lesen bereitet, können Film und Serien nur schwer ersetzen. Aber manchmal schaffen sie es eben doch. Das heißt, wenn ihr die Geschichte nicht lesen möchtet, dann nehmt euch immerhin die Zeit für die BBC Serie – sie ist um Welten besser als der Film von 2005 und bringt euch die Geschichte sehr viel näher.

Was haltet ihr von Stolz & Vorurteil? Könnt ihr vielleicht noch andere Umsetzungen des Klassikers empfehlen?

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