Frau Margarete

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Talk nerdy to me #01 – Über Bookstagram und LGBT-Bücher

Unter dem Hashtag #bookstagram findet man auf Instagram über 8 Millionen Beiträge – Bilder und Texte, die sich um das Thema Bücher drehen. Accounts wie infinitelynovel oder _forevermint haben über 30.000 Abonnenten, abookishloveaffair sogar über 100k. Mich persönlich wundert das nicht: Lieblingsbücher toll in Szene gesetzt – das schaut man sich einfach gerne an.

In meiner neuen Reihe Talk nerdy to me möchte ich regelmäßig Menschen vorstellen, die nerdige Hobbys haben und diese leben. Nerdig heißt in diesem Fall: außergewöhnlich, besonders, (für mich) nicht alltäglich und wahrscheinlich irgendwie mit Medien wie Filmen, Büchern, Musik oder Spielen verbunden. Wenn Du auch ein supercooles Hobbys hast, über das du gerne mal plaudern möchtest, dann schreib mir doch in die Kommentare oder an info@frau-margarete.de

Eine, die sozusagen mittendrin ist im Bookstagram-Zirkus ist Kristin. Ihrem Account dielesekatze folgen mittlerweile über 2600 Menschen – und das, obwohl sie erst seit knapp 10 Monaten diesem Hobby nachgeht. Angefangen hat alles, als Kristin im Frühjahr 2016 zwei Wochen krank im Bett lag. In der Zeit hat sie viel gelesen, Bilder von ihren Büchern gepostet und die Zeit auf Instagram totgeschlagem. Und so kam irgendwie eins zum anderen…

Lieblingsbücher in Szene setzen & sich mit Gleichgesinnten austauschen – Harmonie pur?

Der Austausch mit anderen Booknerds nahm zu und der Spaß an der Sache wuchs. „Es gibt eigentlich nichts Schöneres, als Kommentare von Leuten zu bekommen, die die Bücher auf den Bildern genau so lieben und darüber fangirlen möchten. Jetzt wo es die Instastorys gibt, ist der Austausch natürlich noch mal leichter geworden und man lernt die Leute hinter den Accounts besser kennen. Aber natürlich macht es genau so viel Spaß sich die Bilder zu überlegen und hinterher hoffentlich zu merken, dass andere sie auch mögen“, erzählt Kristin mir.

Nicht erst seit gestern spricht man in Fachkreisen 😉 auch von Instabloggern. Oft kann man Bookstagrammer genau in diese Kategorie einordnen: sie geben sich mit ihren Bildern extrem viel Mühe und verfassen oft auch – für Instagram ungewöhnlich lange – Texte dazu. Sie suchen den Austausch mit Gleichgesinnten und stellen ihr eigenes Ego weniger in den Vordergrund. Vielleicht ist die Bookstagram-Welt deswegen so harmonisch? Zumindest nimmt Kristin das so wahr: „Ich bin selbst überrascht, aber bisher hatte ich das Glück dort nur auf sehr liebe und tolle Menschen zu treffen.“

Das heißt aber nicht, dass es nicht auch auf Instagram Probleme gibt: „Ich bin bisher davon nicht betroffen gewesen, aber ich weiß, das Bilderklau leider ein großes Thema ist. Es gibt scheinbar auch Leute, die versuchen sich mit fremden Federn zu schmücken. Das ist natürlich nervig und frustrierend für die Leute, die sich Mühe mit ihren Bildern machen und denen sie dann geklaut werden ohne Credit zu geben.“

Über 400 Bilder in unter 300 Tagen – ein zeitintensives Hobby

296 Tage betreibt Kristin ihren Instagramaccount – und hat dort schon über 450 Bilder gepostet. Also ein bis zwei am Tag. Ein zeitintensives Hobby, oder? „Das ist eigentlich unterschiedlich. Wenn ein Tag ansteht, an dem ich Bilder mache und es gerade gut läuft, können dafür alleine schon gerne mal so 2 Stunden draufgehen. Wieviel Zeit ich mit dem Beantworten von Kommentaren und dem Liken/Kommentieren von anderen Bildern verbringe kann ich ehrlich gesagt gar nicht sagen. Ich bin schon ziemlich viel auf Instagram unterwegs.“

Love is Love – auch in Büchern: Die Leidenschaft für LGBT

Kristins besondere Leidenschaft – und damit auch ein Merkmal ihres Accounts – sind LGBT-Bücher. Ausgelöst wurde diese Leidenschaft durch ein bestimmtes Buch – das übrigens auch das erste Bild ihres Accounts war. „Ich habe letztes Jahr „Das Lied des Achill“ gelesen und ab da ging das Ganze irgendwie los. Ich habe zwar vorher nie aktiv nach LGBT Büchern gesucht, aber es ist dennoch irgendwie schade, wenn man überlegt, dass es das erste Mal war, dass mir ein Buch in die Hände gefallen ist, in dem die LGBT Charaktere die Hauptcharaktere waren. […]

Ich kann ja nur von meinen Leseerfahrungen sprechen, aber ich finde, dass es dort, gerade bei den Liebesgeschichten, ganz andere Charakterdynamiken gibt. Gerade bei den Jugendbüchern ist ja das Schema „Unsicheres Mädchen trifft auf heißen mysteriösen Typen und sie verlieben sich“ sehr verbreitet und ausgelutscht. Bei den LGBT Romanen ist mir das bisher nicht untergekommen. Die Liebesgeschichten waren irgendwie erfrischend, spannend und ich hatte manchmal das Gefühl, dass die Liebenden sich eher auf Augenhöhe begegnet sind. […]

Ich bin bei den LGBT Bücher auf viele außergewöhnliche Charaktere gestoßen, die Fehler hatten, die stark waren, weil sie teilweise damit zu kämpfen hatten, dass ihre Sexualität akzeptiert wird. Es wurden oft psychische Krankheiten thematisiert, es wurde sich Zeit dafür genommen Liebesgeschichten aufzubauen, bei denen man das Gefühl hatte, dass sich die Liebenden wirklich gleichberechtigt behandeln. Das sind natürlich auch Dinge, die in heterosexuellen Liebesromanen zu finden sind, aber ich würde mir davon dennoch mehr wünschen.“

Kristins LGBT-Lesetipps

Simon vs the homo sapiens agenda – „Homosexualität wird dort von Anfang an thematisiert und auch die Schwierigkeiten, die sich dadurch beispielsweise mit Mitschülern ergeben. Dennoch ist das Buch sehr locker und auch lustig geschrieben. Die Liebesgeschichte ist unglaublich süß und zaubert einem über das komplette Buch hinweg ein Lächeln auf die Lippen.“ Das Lied des Achill – „Bei den Büchern die nicht unbedingt ins Jungendbuch Genre fallen würde ich „Das Lied des Achill“ empfehlen, gerade auch für Leute, die sich für griechische Mythologie interessieren. Es ist unheimlich schön geschrieben und die Liebesgeschichte und die Beziehung zwischen Achilles und Patroklos ist wundervoll dargestellt.“

Kristins überaus passendes Schlusswort für unser Gespräch über Bookstagram und LGBT-Bücher: Love is Love.

Wenn ihr Fragen an Kristin habt, dann stellt sie in den Kommentaren 🙂

Welche Erfahrungen habt ihr mit Bookstagram gemacht? Welche Nische auf Instagram reizt euch besonders?

PS1: Wer noch ein bisschen lachen möchte, darf jetzt lesen, wie Michael Buchinger eine Woche wie ein Instagrammer gelebt hat.

PS2: Wer ein tolles Hobby hat und gerne darüber erzählen möchte – egal ob du es „nerdy“ findest oder nicht – schreibt mir bitte in die Kommentare 🙂

7 Kommentare

  1. Ich glaube, ich muss doch noch mal in einen dieser Romane hineinschauen. Die früheren (so von vor 10-15 Jahren, Himmelstürmer-Verlag und so) Veröffentlichungen fand ich ganz furchtbar, weil sie gefühlt noch kitschiger und weiter von der Realität entfernt waren als Hetero-Liebesromane und grässlicherweise eigentlich auch nur heteronormative Verhaltenserwartungen reproduziert haben … Plus ein wenig Coming-Out-Drama.
    Puh … Jetzt hab ich doch erst einmal den ganz großen Holzhammer geschwungen, meine Manieren! Aber keine Sorge – ich habe Vorurteile gegen fast jedes Literaturgenre. 🙂
    Wenn du einen Tipp für mich hast, liebe Kristin womit ich es mal versuchen sollte, um am Ende keinen ideologiekritischen Verriss zu schreiben, bin ich dir sehr dankbar. 🙂 Als gedrucktes Buch, gern aber nicht notwendig auf Deutsch und bittebitte in der Gegenwart spielend.
    Ein sehr schöner Instagram-Feed. Die Bilder sind toll. Ich würde gern auch mehr mit Instagram machen, als „hauptfreizeitlicher“ Blogger mit Vollzeitjob fehlt mir aber schlicht die Zeit dafür, den Kanal anständig und kontinuierlich zu bespielen. Aber ich weiß, wie schwer gute Bilder zu machen sind. Hut ab davor.

    1. Vielen Dank für deine lieben Worte! Es freut mich sehr, dass dir meine Bilder gefallen 🙂
      Zu den Büchern: ich denke ich weiß von was für Büchern du sprichst und solche gibt es natürlich auch immer noch 😀
      Bei Büchern die in der Gegenwart spielen kann ich eigentlich am meisten zwei Jugendbücher empfehlen, falls das etwas für dich ist. Das eine ist, wie im Beitrag schon erwähnt, „Simon vs. the homo sapiens agenda“ (im Deutschen „Nur drei Worte“) von Becky Albertalli und „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ von Benjamin Alire Sáenz. Letzteres ist aber eigentlich mehr ein allgemeiner Coming-of-age Roman, Homosexualität wird da am Rande thematisiert.

      Falls du eines der Bücher lesen solltest, hoffe ich natürlich sehr, dass es dir gefällt 🙂

  2. Erstmal eine ziemlich spannende neue Kategorie, bei der ich sehr gespannt bin welche Hobbies und Menschen du uns noch vorstellst. Werde dich mit diesem Beitrag auch bei meinen Lieblingsklicks verlinken, die im Verlauf der Woche noch online gehen :). Finde das erste Thema schon einmal richtig interessant. Das die Bilder von Kristin sehr aufwendig sind glaube ich sofort. Aber die Arbeit lohnt sich, sie sehen echt super aus. Da bin ich glatt neidisch, dass meine nie so aussehen bzw. mir neben allem auch etwas die Zeit fehlt das so zu intensivieren. Am Ende steht bei mir doch das Schreiben an sich im Vordergrund. Aber ich kenne es auch, dass ich wenn es gut läuft auch mal zwei Stunden Bücher abfotografiere.

    Das Genre finde ich auch interessant. Schaue mir sowas zwar lieber als Film an, aber finde es toll, dass man hier mal von der typischen Klischees abweicht.

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