Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Bücher

Was Filmjunkies lesen: „Der Kinotherapeut“ von Manlio Castagna

Vor kurzem eröffnete das Bloggerportal der Verlagsgruppe RandomHouse seine Pforten. Gemäß meinem Vorsatz, wieder mehr zu lesen, kam ich um eine Anmeldung nicht drumherum und neben vielen tollen Romanen stöberte ich direkt nach Büchern, die sich mit Film und Kino beschäftigen. Gefunden habe ich 2 Exemplare, die ich euch vorstellen möchte. Heute geht es los mit:

Der Kinotherapeut – 70 Filme für alle Liebeslagen

Der KinotherapeutIn diesem Buch von Manlio Castagna finden wir, wie der Titel schon sagt, 70 Filme rund um das Thema Liebe – oder besser gesagt Liebeskummer. Die Kapitel sind unterteilt in Trennung, Untreue, Ehe- und Beziehungsleben, Verzicht und Einsamkeit, Liebeswehwehchen und Persönliche Heilmittel. Warum sollte man dieses Buch lesen? Das beantwortet das Buch direkt selbst: weil man sich mit diesem Buch perfekt zuhause vom Liebeskummer kurieren kann, weil ein Film pro Tag den Doktor ersetzt und weil man die Möglichkeit bekommt, tolle Filme zu entdecken, die man bisher nicht kannte. Das macht das Buch natürlich auch für diejenigen interessant, die gerade nicht unter Liebeskummer leiden. Aber ganz sicher eignet sich das Buch auch als Aufmunterungsgeschenk für eine vom Kummer geplagte Freundin. (Das Buch bezieht sich ganz eindeutig auf weibliches Publikum (oder auf homosexuelle Männer), wenn es darum geht „ihn“ zu vergessen, oder dass der Mann einen betrügt.)

Die Kapitel – Von der Trennung bis zum idealen Partner

Das schöne an diesem Buch (und allen ähnlich gestalteten Sachbüchern) ist ja, dass man nicht chronologisch lesen muss, sondern durch die Kapitel stöbern kann, je nachdem, welches Thema einen gerade am meisten interessiert. Zu jedem Kapitel gibt es eine Einleitung, die darauf eingeht, mit welchem Thema sich das Kapitel nun befasst.

Die einzelnen Kapitel des Buches (Trennung, Untreue, Ehe- und Beziehungsleben, Verzicht und Einsamkeit, Liebeswehwehchen und Persönliche Heilmittel) sind wiederum unterteilt in einzelne Fragen. Im Kapitel „Trennung“ stellt sich uns zuerst die Frage: „Was, wenn ich ihn vergessen will?“ Und zu dieser Frage gibt es dann einen oder mehrere Filmtipps. In diesem Fall besteht der Filmtipp aus Blueberry Nights und neben allgemeinen Infos zu Inhalt, Darstellern, Regie und Produktion wird der direkte Bezug zur Frage hergestellt. Warum ist dieser Film gut geeignet, um jemanden zu vergessen?

„Denn wenn es einem gelingt, zur Essenz dieser Geschichte vorzudringen und sich Elizabeth in ihrer Entwicklung anzuschließen, wird man sehen, dass der Liebeskummer eine Chance darstellt. Und was ist diese Essenz? Sei nicht länger, wer du warst. Kümmere dich nicht weiter um die Vergangenheit. Schau nach vorn. Setz dich in Bewegung. Wage einen Neuanfang.“

Quelle: Manlio Castagna „Der Kinotherapeut“, S. 15 [Ebook]

Ein bisschen wie in einem Beipackzettel – oder vielleicht wie bei einem Besuch beim Therapeuten eben – gibt es außerdem Anwendungsempfehlungen („Schauen Sie diesen Film allein“) und einen Tipp zur weiterführenden Therapie („Backen Sie Ihren eigenen Blaubeerkuchen“). Die weiterführende Therapie enthält aber hin und wieder Spoiler, wenn auch kleine, und sollte deswegen erst nach dem Film gelesen werden. Außerdem werden Warnhinweise ausgesprochen, für wen der Film gerade nicht geeignet ist („Für jemanden, der nicht bereit ist, sich auf die Atmosphäre einzulassen“).

Dieser Aufbau ist in jedem Kapitel gleich und ich finde das gut. Es verleiht dem Buch tatsächlich einen Charakter eines Beipackzettels, aber durch den sympathischen Schreibstil und die kreativen Tipps wird es nicht langweilig.

Finden sich tatsächlich noch neue Filmtipps?

Ohja! Zwar finden sich in dieser kommentierten Filmliste (denn im Prinzip ist es ja nichts anderes) bekannte Liebesfilme wie (500) Days of Summer, PS: Ich liebe dich oder Bridget Jones. Aber auch Filme, die ich bisher nicht kannte, die sich aber sehr interessant anhören, wie A Single Man, Der bunte Schleier oder Last Night konnte ich hier finden.

Da für mich die Liebeskummer-Thematik im Moment (zum Glück) nicht aktuell ist, habe ich die Kapitel nicht nach ihrem Thema durchsucht, sondern eher durchgeblättert und nach interessanten Filmen Ausschau gehalten. Die dazugehörigen Erklärungen, Tipps und Beschreibungen fand ich aber alles in allem schön und ansprechend.

Fazit

Ich weiß nicht, ob man sich dieses Buch selber kaufen würde, wenn man unter Liebeskummer leidet (da hat man ja andere Sorgen), aber als kleines Geschenk zum Trösten einer Freundin ist es sicher gut geeignet. Ich kann mir sogar vorstellen, dass es schön zu lesen ist, ohne die vorgeschlagenen Filme zu gucken. Ging mir ja eigentlich auch schon so, und wenn man sich dann noch mit den jeweiligen Situationen gerade identifizieren kann, gefällt es vielleicht noch besser. Insgesamt ziehe ich als nicht-liebeskummergeplagter Leser, der einfach gerne ein Buch über Filme lesen wollte, ein positives Fazit. Neben den erwarteten, bekannten Liebesfilmen stieß ich auch auf unbekannte Filme, die interessant klingen und auf meine Must-See-Liste gewandert sind.

Vielen Dank an das Bloggerportal und RandomHouse/Goldmann, die mir dieses Rezensionsexemplar als Ebook zur Verfügung gestellt haben. Ich fand das Buch wirklich gut, nicht nur weil ichs umsonst bekommen hab 😉

Der KinotherapeutTitel: Der Kinotherapeut – 70 Filme für alle Liebeslagen

Originaltitel: Pronto soccorso cinematografico per cuori infranti

Autor: Manlio Castagna

Übersetzer: Ingrid Exo

Verlag: Goldmann

ISBN-13: 978-3442174539

4 Kommentare

  1. Salut, Katie.
    Nach Deinem Einblick in besagtes Buch, würde ich es eher zu einem späteren Zeitpunkt, als dem akuten Liebeskummer, schenken. In der Phase des bereits darüber (die Trennung) lachen könnens. Wenn der Ex ein gluteus maximus ist (du es schon immer gewußt hast!) auch früher. Wenn es wahrhaft zu bedauern ist, dann ist die Trauerphase ein nicht unwichtiger Prozess zur Bewältigung. Braucht eben ihre Zeit.

    Mal sehen, ob ich Dich auf einen weiteren Titel aufmerksam machen kann… 🙂

    In der Auswahl:

    ‚Ruby Sparks‘ (Jonathan Dayton &Valerie Faris)*
    ‚Lost And Delirious‘ (Lea Pool)
    ‚Hallam Foe‘ (David Mackenzie)
    ‚Somersault‘ (Cate Shortland)

    bonté

    *in Klammern jeweils die Regie

    1. Ja, richtig, die Trauerphase ist sehr wichtig um eine schmerzhafte Trennung zu verarbeiten. Ob da für jeden dieses Buch ein passendes Geschenk wäre, muss man als FreundIn gut abwägen. Es gibt schließlich auch genug Menschen, die mit dem Thema Film gar nichts anfangen können, da wäre ein solches Geschenk ohnehin fehl am Platz (aber was sind das für Menschen? 😉 ).
      Ich kann nur von mir sprechen: mir gelingt es immer sehr gut, in Filme einzutauchen und dadurch auch meine Emotionen auszuleben, Gedanken weiterzuentwickeln und mir über Situationen in meinem eigenen Leben bewusst zu werden. Wenn eine Freundin eine solche Person ist, finde ich das Buch auch bei akutem Liebeskummer passend, weil ich den Satz „Ein Film am Tag ersetzt den Doktor“ zwar überspitzt aber durchaus treffend finde. Filme (auch Bücher und Musik) können eine therapeutische Wirkung haben. Sei es das Suhlen im eigenen Elend oder der kleine Hoffnungsschimmer am Horizont, den man erleben kann.
      Hach, jetzt werde ich ganz poetisch und verliere mich in den Gedanken darüber. Aktuell habe ich (zum Glück) keine Freundin, an der ich dieses Buch testen könnte 😉

      1. …wenn ich in meinem Fundus wühle:

        „Being abandoned might turn again in a journey of your own. It’s onto you, discovering world’s beauty & kindness – for both didn’t abandone life at all.“
        (Saoirse O’Boinor)

        bonté

  2. Uih ein sehr lustige Idee für ein Buch, das sicherlich sehr angenehm zu lesen ist. Finde es auch super als Geschenk, kommt sicher gut an. Deine Kritik hat mich hier also neugierig gemacht und die Idee dahinter finde ich wirklich gut.

    Danke übrigens auch für dein liebes Kompliment auf meinem Blog.

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