Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Alltag

„Was soll denn schon passieren?“

Ich habe euch letztens, in meiner Freundschafts-Reihe, schon mal ein wenig über mich erzählt. Unter anderem darüber, dass mich der Umgang mit vielen Menschen stresst, insbesondere wenn es sich um fremde Menschen handelt. Auch habe ich euch berichtet, dass mir Small Talk nicht besonders leicht fällt. Dementsprechend nervös und angespannt bin ich, wenn ich weiß, dass ich in Kürze auf eine Gruppe fremder Menschen stoßen werde.

Hinzu kommt, dass mich unbekannte Situationen generell stressen und mir psychisch ziemlich viel abverlangen. Ich bin absolut nicht spontan, egal um was es geht. Ich plane meine Mahlzeiten für die ganze Woche und wenn dieser Plan durcheinander gerät, stellt mich das vor eine mittelschwere Katastrophe. Und wenn ich geplant habe, den Abend mit einem Film oder einem Buch zuhause zu verbringen, dann kann ich einfach nicht spontan mit jemandem einen trinken gehen. In den letzten Jahren ist das etwas besser geworden, bzw. es ist nicht so schlimm, wenn ich in meiner „gewohnten“ Umgebung bin und die Leute, die mich umgeben, gut kenne. Dann weiß ich nämlich, was mich erwartet.

Aber wenn ich nicht weiß, was auf mich zukommt, dann macht mir das Magenschmerzen. Ich glaube, in einem gewissen Rahmen ist das auch nochmal, aber momentan habe ich das Gefühl, dass mich dieses Gefühl lähmt. Ich bin jede Minute kurz davor, einen Nervenzusammenbruch zu erleiden. Und warum? Weil ich umziehe.

Woher weiß ich, was ich in der neuen Studentenbude benötige und was ich bei meinen Eltern lassen kann? Wird beim Umzug wirklich alles gut gehen? Werde ich Freunde finden? Wo soll ich die ganzen Sachen in der neuen Wohnung überhaupt hinstellen? – Ja, das alles sind normale Fragen, und die meisten Menschen werden sich denken „Schaun wir mal“ oder „Wird schon alles gut gehen“. Ich kann das nicht denken, weil ich nicht weiß, was passieren wird. Ich habe keine Kontrolle und das macht mir Angst.

„Ich habe Angst, dass etwas passiert.“
„Was soll denn schon passieren?“
„Das weiß ich ja eben nicht.“

Und jetzt sitze ich hier, zwischen leeren Schränken und halbgepackten Kartons. Fünf Tage bleiben mir noch im alten Zuhause. Ich freue mich auf den Neustart – wirklich! Ich freue mich darauf, wieder mit meinem Freund zusammen zu wohnen, wieder zu studieren, wieder meine eigene Wohnung zu haben und mein eigenes Leben zu führen. Unsere Wohnung ist schön, in einer tollen Lage und bis jetzt hat alles mehr oder weniger gut geklappt. Wenn ich doch nur schon da wäre. Wenn ich schon alles hinter mir hätte.

Ich schreibe das hier auf, weil mich interessiert, ob auch andere Menschen diese (teilweise extremen) Ängste kennen? Oder ob ihr eher die Zähne zusammenbeißt und sagt: Das wird schon. Oder seid ihr da vielleicht sogar ganz optimistisch und startet ganz ungehemmt in neue Situationen?

7 Kommentare

  1. Mensch, da steht aber auch eine Menge an. Ein Umzug bedeutet für fast jeden Menschen Stress. Und wenn man/frau dann noch Angst vor dem Unbekannten/dem Kontrollverlust/allem neuen hat, dann wirds noch komplizierter… Ich hab das letzte Jahr mit einer Depression gekämpft. Und mich zurück ins „normale“ Leben gekämpft. Wenn du mal ein bissel wat zu meinem März und meinen damit aktuellen Schritten lesen magst:
    http://fraeuleinswunderbarewelt.blogspot.de/2014/03/wofur-ich-im-marz-dankbar-bin-biwyfi.html
    und
    http://fraeuleinswunderbarewelt.blogspot.de/2014/03/zeit.
    Ich wünsch dir alles GUTE für deinen Umzug!!!
    Liebe Grüße! Frauke

  2. Was den Umgang mit Menschen, und dass dieser dich stresst, angeht kann ich dich gut verstehen (: Vor Begegnungen mit „Internetmenschen“, also Leuten die ich nur aus dem Netz kenne, bin ich immer mittelschwer am durchdrehen. Was den Rest angeht ist es unterschiedlich. Ich mag Pläne und Kontrolle in manchen Dingen, aber ich habe gelernt in vielen Situationen einfach zu sagen „Egal ob du dich nun ärgerst, stresst oder hyperventilierst, es wird passieren was passiert.“ Zum Beispiel vor Klausuren, wenn alle Angst haben und versuchen noch den letzten Rest zu lernen, das ist unnötiger Stress für mich, den streiche ich einfach 😀 Und genau so ging es mir auch vor meinem Umzug, zwei Tage vorher habe ich demotiviert irgendwie angefangen einzupacken und mir gedacht „Scheiß drauf. Irgendwie wirds laufen.“ Aber ich versteh deine Ängste ein Stück weit… Ich vermisse mein Zuhause momentan auch sehr und auch wenn ich hier viele Menschen gefunden habe die ich mag und mit denen ich etwas unternehmen kann, nichts ist mehr so einfach und unbeschwert wie beim Abitur in der Heimat… und ich wünsch mir wieder so gute Freunde her (: Tut mir leid dass ich so einen Roman da lass, ich versteh dich so gut und hab das Gefühl in manchen Dingen erleben und denken wir ein bisschen ähnlich 😉 Fühl dich gedrückt Katie, ich schick dir ganz viel von meiner Anti-Umzugsstress-Tiefenentspannung! ♥

  3. Dir geht's nicht alleine so. Das Schlimmste ist wohl, dass weitere 5 Tage vergehen, bis du umziehst. Ne Menge Zeit zum Nachdenken. Ganz fatal. Und ich habe mich in so vielen Zeilen wiedergefunden, als wärst du meine verloren gegangene Zwillingsschwester, echt verrückt.
    Beispielsweise Smalltalk halten. Wie macht man so was überhaupt? Mit vertrauten Leuten, kein Problem. Aber was erzählt man fremden Menschen? Ich breche da auch jedes Mal in Panik aus, kaum vorstellbar. Ich habe auch ganz schlimme Angst vor Neuem. Überlege mir vorher schon, in welche Richtungen es gehen könnte, ob ich mich wohlfühlen werde oder ob ich's nicht doch sein lassen soll. Irgendwie kann ich nicht umbefreit an Dinge herangehen und sie einfach so nehmen, wie sie kommen oder mich gar freuen. Total anstrengend und ich wünschte mir in so vielen Situationen einfach mehr Gelassenheit.

  4. Same here. Mein Bruder sagt seite einem Jahre „Du lebst gerade drei Leben….“ Arbeit-Hochzeit-Haus. Und ja, das stieg mir mal über den Kopf, im Februar, und dann mussten Reißleinen gezogen werden. Ich kann nichts abgeben, wenn ich abgebe verliere ich die Kontrolle. Es ist schonf ast heilsam, wenn dann doch mal was schief läuft. Man wird wach, kann sich schütteln und noch mal klar denken und die Sachen zurecht rücken. Freu dich auf den Umzug, es wird vielleicht nicht alles gut, aber alles machbar. Ich sage mir oft „Was wäre das Sclimmste, das passieren könnte?“ und solange das ist „Wenn jemand stirbt.“ ist meine Welt noch in Ordnung. Vielleicht kannst du da ja auch ansetzen 🙂

  5. ICh kann mich auch anschließen.
    Umzug war ganz furchtbar. Ohne meinen Freund hät ich das nie gepackt. Ganz schlimm ist es auch wenn ich am Flughafen bin und mich nicht auskenne. Ich habe da immer extreme Panik, dass ich den Flug verpassen könne. Alleine wohinfliegen ist für mich gar nicht möglich, ich glaube ich würde kollabieren ^^

  6. Ach Katie, mir geht es in solchen Situationen ganz genau so. Vor allem wenn es um etwas völlig Unbekanntes und Neues geht, wenn ich einfach so gar nicht weiß, was auf mich zukommt. Wenn ich mich nicht darauf vorbereiten kann. In meinem Gehirn spielen sich dann tausend Möglichkeiten ab und eine ist natürlich schlimmer als die andere (klar, als geborener Pessimist ist das eben so -.-). Bei mir war es ja im März so schlimm mit meinen Geschäftsreisen. Ich hab mir wirklich seit Anfang des Jahres nur noch den Kopf darüber zerbrochen, bin mit diesem Gedanken eingeschlafen und wieder aufgewacht, hab mir tausend Mal alle möglichen Situationen ausgemalt und mich unnötig verrückt gemacht. Aber ich kann einfach nicht anders. Fremde Menschen und vor allem mit Ihnen zu reden ist der Horror für mich! Ich kann das einfach nicht. Und wenn man dann auch noch an einem fremden Ort ist, wo man vielleicht niemanden von seiner Familie und seinen Freunden um sich hat, ist es noch schlimmer. Dann ist man plötzlich auf sich allein gestellt und noch mehr mit seinen Gedanken allein. Aber Katie, ich weiß auch, dass du das alles schaffst und meisterst. Du hast ja schon selbst so viele positive Aspekte aufgezählt. Und du hast deinen Freund an deiner Seite. Und deine Familie kannst du sicher auch immer anrufen (ziehst du eigentlich weit von zuhause weg?). Du hast bestimmt ganz viele liebe Menschen, die dich unterstützen werden und du darfst immer nur das positive sehen. Verscheuch mal diese bösen Gedanken „Was wäre wenn…“ und versuch dich auf den Neuanfang zu freuen. Ich setz mir dann quasi immer eine Belohnung als Ziel, wenn ich so etwas Schlimmes hinter mich gebracht habe: „Wenn ich den März überstanden habe, dann gönne ich mir im April mal wieder einen Backnachmittag, ein Fotoshooting oder die Sommerurlaubsplanung…“ Irgendetwas, das einem Spaß macht und das einen ganz schnell von fiesen Gedanken ablenken kann. Ich drück dir auf jeden Fall ganz doll die Daumen, du schaffst das und ich denk an dich und den Umzug! *knuddel*

  7. Ich kenne diese Ängste auch. Ich bin vor kurzem bei meinen Eltern ausgezogen in meine erste eigene Wohnung. Ich habe es mir seit jahren gewünscht, aber kurz vorher, als dann alles sicher war, hatte ich eine riesen angst. „Werde ich alles alleine schaffen?“ Ein teil meiner Familie war der Meinung das ich mit meiner Teilzeitstelle nicht ausziehen sollte. So hatte/habe ich teilweise immernoch Angst es finanziell nicht zu schaffen. Das sie alle recht hatten. Oder das ich einfach überfordert bin, alles selber zu managen. Auch hatte ich Angst das ich mich einsam fühle oder unsicher. Wenn hier schließlich jemand einbrechen würde, wäre ich hilflos. Aber ich glaube das sind alles Ängste die man im Leben durchgemacht haben muss. Und jetzt kann ich sagen, dass ich immer noch einige Ängste habe, aber auch das ich an der Herausforderung gewachsen bin. 🙂
    Ich wünsche dir alles Gute für den Umzug. Du wirst das auch packen! 🙂 & was ich eigentlich damit sagen wollte: Ängste sind normal. Aber es wird immer Menschen geben, die sie nicht zugeben 😛

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