Wonder Woman (2017) – Die Heldin, auf die wir gewartet haben?

Die Filmwelt ist, zumindest in meiner Filterblase, voll des Lobes für den neuen Film von DC: Wonder Woman. Unter der Regie von Patty Jenkins hat zum ersten Mal in der neuen Geschichte des Superheldenkinos eine weibliche Heldin ihren eigenen Film bekommen. Auch ich habe den Film endlich im Kino gesehen und möchte meine Eindrücke mit euch teilen.

Trailer Wonder Woman 2017

Wer ist Wonder Woman in diesem Film?

Wonder Woman Filmposter Warner Bros. Ent.
© WARNER BROS. ENT.

Das Herzstück des Films stellen klar die Charaktere dar – allen voran selbstverständlich Amazonenprinzessin Diana. Der Zuschauer wird in ihre Geschichte eingeführt und mit ihrer Figur vertraut gemacht. Von Anfang wissen wir: Sie ist eine Kämpferin. Nicht ohne Schwächen und Zweifel, aber dennoch mit einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein. Diana bietet Identifikationspotential und behält dies über die ganze Strecke des Films. Den Machern ist es gelungen, eine Bad-Ass-Kriegerin zu schaffen, die gleichzeitig mit kindlicher Naivität eine fremde Welt entdeckt und infrage stellt. Gal Gadot als Wonder Woman  ist eine fabelhafte Besetzung und ich freue mich darauf, mehr von ihr zu sehen.

Chris Pine als Wonder Womans Partner

Obwohl Gal Gadot weite Teile des Films trägt, ist ihr Charakter nicht der einzige bemerkenswerte. Ein weiterer Grund zur Freude ist der Begleiter von Wonder Woman: Chris Pine als Steve Trevor. Er ist Soldat und dennoch in seiner Rolle überraschend klischeelos angelegt. Er versucht zwar, Diana die Welt, seine Welt zu erklären – sieht aber schnell ein, dass dies keinen Zweck hat und lässt sie gewähren, vertraut in sie, bestärkt und bewundert sie. Die Chemie zwischen Gal Gadot und Chris Pine stimmte einfach von der ersten Sekunde an auf der Leinwand. Sie bilden kein typisches und anstrengendes Love-Interest-Gespann, sondern etwas viel besseres: Ein Team.

Come to the Dark Site: Die Bösewichte in Wonder Woman

Die Helden des Films sind also außergewöhnlich gut gelungen und zugegebenermaßen der Hauptgrund für mein Lob. Denn leider sieht die Ausarbeitung der Bösewichte nicht so gut aus. Viele Zuschauer kritisieren die Offensichtlichkeit des Antagonisten Ares. Ich persönlich habe zwar nicht geahnt, was es mit dem Gott des Krieges auf sich hat, kann aber verstehen, dass hier einer der großen Konfliktpunkte liegt. Thilo vom NerdWiki merkte an, dass ein guter Bösewicht besser gewesen wäre als 3 halbe und dem kann ich nur zustimmen. Keiner der Antagonisten ist mir besonders stark in Erinnerung geblieben und das ist eigentlich schade.

“I will fight for those who cannot fight for themselves.”

Doch Wonder Woman ist nicht nur aufgrund seiner weiblichen Heldin sehenswert. Auch das inhaltliche Grundmotiv des Films regt zum Nachdenken an. Der Film spielt zur Zeit des 1.Weltkriegs und beschäftigt sich natürlich mit Themen wie Krieg & Frieden, Gut & Böse. Diana wuchs in einer idyllischen Welt auf, kennt Kriege nur aus Erzählungen, hat aber ein umso größeres Gerechtigkeitsbewusstsein. Steve kennt die Schrecken des Krieges kennt und fürchtet, dass die Menschen an ihrem Schicksal selbst Schuld sind. Er konfrontiert Diana mit diesem Weltbild, das ihrem eigenen so fremd ist. Und plötzlich steht sie vor der Frage, ob die Menschheit es verdient, gerettet zu werden, wenn sie selbst an ihrem Elend Schuld trägt. Für wen lohnt es sich zu kämpfen?

Gute Regie, mittelmäßige Story

Obschon diese Fragstellung interessant und spannend ist, ist es der Plot an sich vielleicht nicht unbedingt. Ich wurde über die gesamte Laufzeit des Films gut unterhalten, kann und muss aber eingestehen, dass es sich bei der Handlung um eine recht typische Origin-Story handelt. Das ist nicht besonders innovativ und verdient keine Standing Ovations – es ist aber auch nicht dramatisch, wenn der Film zu unterhalten weiß. Und das wusste Wonder Woman für mich definitiv. Die 2,5 Stunden vergingen für mich viel zu schnell.

Mir gefällt, dass bei Wonder Woman eine Frau Regie geführt hat. Patty Jenkins‘ Stärke zeigte sich in der Umsetzung von Kampf- und Actionszenen. Egal, ob es ein Marsch über das Niemandsland sei oder eine Kampfszene in Slow Motion: die Regie unterstützt Wonder Woman als Figur. Ich möchte nicht sagen, dass der Regiestil außergewöhnlich gut oder gar revolutionär war – er war einfach genau passend für diesen Film. Enttäuscht war ich hingegen von den CGI-Effekten. Nicht nur, dass sie, vor allem am Ende, wieder übertrieben eingesetzt wurden (haken wir das einfach mal als DC-Markenzeichen ab), nein, ich fand sie zum Teil auch sehr schlecht gemacht, in dem Sinne, dass sie mich an ein Computerspiel erinnerten. Das hat mich in 2-3 Szenen doch etwas gestört, muss ich sagen.

Wonder Woman: Kostüm oder Rüstung?

Ein weiteres Detail in der Inszenierung des Films soll nicht unerwähnt bleiben: Wonder Womans Kostüm – nein, ihre Rüstung! In einem Twitter-Thread zeigte sich Kostümdesignerin Amanda Weaver begeistert von Dianas Outfit und erklärte auch warum: diese Rüstung ist durchdacht. Sie ist angelehnt an die Uniformen der alten Römer. Natürlich stilisiert und ja, auch der heutigen Schönheitsideale entsprechend umgesetzt – aber dennoch ist es eine Rüstung. Und so wird sie auch von Diana getragen. Klickt euch mal durch den Twitter-Thread von Amanda Weaver, wenn euch das Thema interessiert:

Fazit: Wonder Woman ist die Heldin, die ich mir gewünscht habe

Zum Abschluss dieses wirklichen langen Berichts – #sorrynotsorry – sei zu sagen, dass mich Wonder Woman unfassbar begeistert hat. Ich weiß, dass die Story nicht die kreativste ist. Ich weiß auch, dass es bereits vor Diana Prince starke Heldinnen in Film und Fernsehen gab. Dennoch ist Wonder Woman für mich persönlich ein stückweit die Heldin, auf die ich gewartet habe. Und das freut mich einfach ungemein. Und auch diejenigen, die nicht auf ihre persönliche Wonder Woman warten, werden sicher gut unterhalten vom bisher besten Film im DC Extended Universe.

Eines noch: Ich habe ja schon länger mal Interesse daran, Comics zu lesen, weil ich Superhelden bislang tatsächlich nur aus Filmen und Serien kenne. Das finde ich schade. Bei der Masse an Comis war ich aber nie sicher, wo ich denn eigentlich einsteigen kann und soll und verlor doch schnell wieder die Lust, mich mit dem Thema zu befassen. Auf dem Blog der fabelhaften Aurea findet ihr Infos über eine Wonder Woman Anthologie, die definitiv einen Blick wert zu sein scheint.

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3 Kommentare


  1. Sehr schöner Artikel, dem ich absolut zustimmen kann. Ich hab „Wonder Woman“ nun schon zweimal gesehen und war auch beim 2. Mal begeistert. Ja, das Bösewicht-Problem bleibt ein, nun, Problem bei den Comic-Verfilmungen (im Kino), aber die Besetzung des Ares fand ich trotzdem herrlich unkonventionell.

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  2. Ich bin mir noch total unsicher, aber wenn, dann gucke ich den Film wenn ehr im TV läuft. Wonder Women ist leider kein Character der mir gefällt und zusagt, was es schwierig macht, unvoreingenommen in den Filom zu gehen.
    Liebe Grüße

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  3. Sali, Katie.
    Stimmt – es ist schon eine lange Weile her, daß eine Superheldin Ihren Solo-Film bekam, der seine unterhaltsamen Qualitäten hat – ‚Electra‘ ist schon zwölf Jahre her.
    Anmerkenswert auch, daß die Sesseletage bei WB endlich den Mumm zusammenkratzen konnte, einer Regisseurin die Zügel für ein 175 Mio-Projekt zu geben. Im Hollywood des Jahres 2017 leider noch immer keine Selbstverständlichkeit. (*)
    So besehen ist der Erfolg nicht unwesentlich.
    Dies zumal, wenn sich – wie üblich – die Mannbarkeitsfraktion mit Unkereien über „Feminismus-Propaganda“ meldet.

    Perfekt ist ‚Wonder Woman‘ in filmischer Hinsicht nicht – ich schätze fast, daß der aufgeblasene FX-Showdown ein verlangtes Extra der WB-Verantwortlichen war; allerdings ein solider Schritt in Richtung Normalitäten innerhalb des Film-Genres „Superhelden“.
    Die Männerfixiertheit war ironischerweise auch der Grund dafür, daß Wonder Woman für Comics erdacht wurde. 1941…

    bonté

    (*)bin gespannt wann Kathleen Kennedy den ersten Star Wars-Film an eine Regisseurin vergibt

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