Frau Margarete

Bunte Geschichten aus Berlin und aus dem Leben
Schreiben

[Writer’s Wednesday] Wie plane ich eine Geschichte?

Heute gibt es mal wieder Neues in der Kategorie Writer’s Wednesday, in der ich Euch in unregelmäßigen Abständen was übers Schreiben und Autorenleben erzählen möchte. Der ein oder andere hat es vielleicht schon mitbekommen: Mein erster Roman, Barfuß durch die Nacht, erscheint im Herbst im Amrûn Verlag. Für mehr Infos dürft ihr gerne meiner Autorenseite bei Facebook folgen (eine eigene Homepage muss ich mir auch demnächst mal basteln…)

So, nun aber genug der Eigenwerbung. Warum ich hier heute mal wieder was schreibe? Ich wurde darum gebeten. Und das finde ich immer total toll, wenn Leute mich fragen, ob ich nicht mal über dies und das schreiben könnte. Wirklich, ich fühle mich dann immer richtig geehrt, dass meine Meinung zu irgendwas gefragt ist 😀 In diesem Fall bat mich Larissa vom NoRobotsMagazin, etwas zum Thema Planung und Plotten zu schreiben und das mache ich natürlich sehr gerne 🙂

Plotter oder Pantser?

Zunächst, einmal, für diejenigen unter Euch, die sich nicht so mit der Materie auskennen: man unterscheidet beim Schreiben gewöhnlich zwischen Plottern und Pantsern. Während die Pantser einfach drauf los schreiben und sich dabei selbst überraschen lassen, wohin die Geschichte führt, planen die Plotter ihre Geschichte vorher mehr oder weniger genau durch und halten sich beim Schreiben an diesen Plan.

Ich bin ein Plotter, durch und durch. Ohne eine Idee davon zu haben, wo die Geschichte hingeht, wie sich die Figuren entwickeln und wie alles enden wird, könnte ich nicht schreiben. Aber am Anfang steht die Idee – das sind bei mir meistens die Figuren, irgendeine Ahnung eines Charakters, den ich gerne ausbauen würde. Bei meinem Roman Barfuß durch die Nacht war da zum Beispiel zuerst die Idee des männlichen Strippers und dann die Frage: Wie könnte ich eine Geschichte um so eine Figur aufbauen?

Wie plottest Du?

Ich habe zum Plotten die 7-Point-Plot-Structure von Dan Wells für mich entdeckt, die er in einem Vortrag (YouTube) erklärt. An den 7 Punkten, die Wells für den Plot ausmacht, umreiße ich meine Geschichte. Die 7 Punkte sehen so aus:

  1. Hook
  2. Plot Turn 1
  3. Pinch 1
  4. Mid Point
  5. Plot Turn 2
  6. Pinch 2
  7. Resolution

Wichtig dabei ist: Bei der Planung beginne ich am Ende, bei der Resolution. Denn die Frage ist: Wie endet alles? Worauf läuft die Geschichte hinaus? Welche Charaktere erreichen ihre Ziele? Und, worum geht es in der Geschichte überhaupt? Wenn ich das definiert habe, dann ist es ganz einfach, den Anfang zu finden: Er ist, ganz simpel, das Gegenteil des Endes.

Dann überlege ich mir, was am Mid Point der Geschichte passiert, denn hier befinden wir uns genau zwischen Anfang und Ende und die Hauptcharaktere sollten sich hier von Reaktion zu Aktion bewegen. Im ersten Teil des Buches/am Anfang wird der Charakter oft mit neuen Ereignissen und Charakteren konfrontiert und reagiert auf das, was geschieht. Im zweiten Teil des Buches sollte er selbst aktiv werden, seine eigene Entwicklung fördern und so die Geschichte voranbringen.

Der Plot Turn 1 bringt mich vom Anfang zum Mittelteil und führt den Konflikt ein. Die Welt des Hauptcharakters verändert sich, es treten neue Leute auf, Geheimnisse werden entdeckt, der Charakter wird mit neuen Ideen konfrontiert. All sowas. Der Hauptcharakter wird aus seinem gewohnten Leben gerissen, auf welche Art und Weise auch immer. In einer Liebesgeschichte könnte dies das Zusammentreffen mit dem Love Interest sein, in einem Thriller vermutlich ein Mord oder ein anderes Verbrechen.

Anschließend überlege ich mir, was im Plot Turn 2 passiert, denn die bringt die Geschichte vom Mittelteil zum Ende. Wells erklärt es so: Im Mittelteil beschließt der Charakter etwas zu tun und am Ende tut man es. Im PT2 erlangt man die Mittel, um das Finale geschehen zu lassen, das Ding/Ereignis, das uns von „trying to succeed“ zu „actually succeed“ bringt (bspw: den Stein der Weisen finden).

Anschließend folgt die Planung für Pinch 1 und 2, die beide eigentlich nur die Aufgabe haben, mehr Druck auf den Hauptcharakter auszuüben und ihn so richtig in die Scheiße zu reiten. Den ein Charakter, egal ob es sich um einen Love Interest, einen Abenteuerhelden oder einen Ermittler handelt, sollte niemals sofort Erfolg haben, das ist langweilig. Lass ihn mindestens 2 mal scheitern, lass ihn grübeln, verzweifeln und immer wieder in die Klemme geraten – dann fiebert der Leser mit. Und wenn dein Charakter Erfolg hatte, hänge stets ein „Aber“ an 😉 (Beispiel: Harry, Ron und Hermine haben es zwar am dreiköpfigen Hund vorbei geschafft [Erfolg], ABER danach wartet direkt eine fiese Schlingpflanze auf sie…)

Der Pinch 1 führt häufig den Antagonisten der Geschichte ein; ist mindestens jedoch dafür da, den Charakter unter Druck zu setzen und den Frieden zu zerstören. Pinch 1 zwingt den Charakter (im folgenden Mittelteil) (gegen seinen Willen) zur Aktion. Im Pinch 2 wird noch mehr Druck ausgeübt. Eigentlich läuft alles so dermaßen schief, dass man schon gar keine Hoffnung mehr sieht. Es scheint, als ob er Bösewicht gewinnt. Der Charakter wird wieder dazu gezwungen, aktiv zu werden und Entscheidungen zu treffen.

Diese Plotstruktur orientiert sich, vor allem in ihren Begrifflichkeiten, eher an klassischen Heldenreisen und Abenteuergeschichten, sie lässt sich aber auch problemlos und mit ein bisschen Nachdenken auf andere Werke anpassen. Die Videos von Dan Wells geben da noch mehr Aufschluss 🙂

Und ja, so strukturiere ich meine Geschichten. Ich notiere mir im Vorfeld, was wann passieren wird, welcher Charakter wo eine Rolle spielt, was die einzelnen Figuren erreichen möchten und wo sie am Ende stehen. Oftmals plane ich auch die einzelnen Kapitel bereits vor dem Schreiben. Bei meinem aktuellen Projekt habe ich 25 Kapitel im Voraus geplant, welche die ganze Handlung umfassen.

Wie behalte ich Details im Auge?

Larissa hat außerdem gefragt, wie ich Details im Auge behalte. Meine Antwort darauf lautet: Gar nicht. Details erarbeite ich während des Schreibens. Deswegen macht das Schreiben, trotz all der Planung, immer noch so großen Spaß, weil ich die einzelnen Kapitel noch ganz kreativ ausgestalten kann. Auch meine Figuren entwickeln sich während des Schreibens erst so richtig. Zwar habe ich ein grobes Bild von ihnen im Kopf, aber was genau sie ausmacht, das finde auch ich erst während des Schreibens heraus 😉 Aber alles, was für die Geschichte wichtig ist, steht vorher fest.


Das waren meine Gedanken und Erfahrungen  zum Plotten. Ich freue mich, eure Erfahrungen zu hören. Und wenn ihr noch weitere Fragen habt: Immer her damit!

 

7 Kommentare

  1. Da bin ich ja tatsächlich komplett anders. Ich bin überhaupt kein Plotter (oder Architekt, wie GRR Martin es nennt), sondern ein Pantser (oder Gärtner, wie GRR Martin es nennt). Ich habe immer eine Grundidee und dann geht es direkt los. Hat natürlich alles Vor- und Nachteile. Die Zeit die du mit dem Plotten vor dem Schreiben verbringst, muss ich hinterher mit dem editieren verbringen, um aus dem Quark, der dabei entstanden ist, eine lesbare Geschichte zu machen.
    Details behalte ich dabei aber schon etwas im Auge. Also im Sinne von „Wer ist wo mit wem und macht gerade was?“. Ansonsten würde ich wohl einfach den Überblick verlieren. Allerdings schreibe ich auch eher Geschichten mit mehreren Perspektiven, wodurch halt viele Handlungsstränge gleichzeitig ablaufen, sich hin und wieder überschneiden und gleichzeitig auf unterschiedliche Ziele hinsteuern. Da würde ich ganz ohne zumindest ein paar Notizen einfach völlig den Überblick verlieren.

  2. Ich bin wohl auch ein Pantser. Deswegen habe ich 1000000000000 angefangene, aber keine fertigen Romane. Obwohl die, bei denen ich schon recht weit gekommen bin, schon automatisch einen halbwegs klassischen Spannungsbogen besitzen. Ich sollte wohl wirklich anfangen, mir zumindest ein Ziel zu überlegen. Dann komm ich vielleicht mal über 2/3 Roman hinaus. 😉
    Vielen Dank für den Einblick!

  3. Ich würde mir das Video ja gerne anschauen, aber bei mir läd das nicht richtig. Hm, später noch mal versuchen.
    Jetzt weiß ich aber, dank des Kommentars von Filmschrott, dass ich ein Pantser bin. Ich bin eben zu faul, um mich um eine richtige, ausgefeilte Planung zu kümmern. Dabei habe ich diverse „Printables“ zum Thema gesammelt und jede Menge Seiten gespeichert. Ich kann mich einfach nicht aufraffen, richtig zu plotten. Wenn ich nur wüsste, was ich dagegen tun könnte. Denn ich hab keine Ahnung, wie meine Geschichte genau enden wird, was es mit den ganzen Dingen, die vorkommen, auf sich hat (aber gestern kam mir immerhin schon eine Idee). Sollte ich jemals ein Buch veröffentlichen, dauert das noch ein paar Jährchen. 😉

    (du hast mich übrigens inspiriert zu meinen jetzt wöchentlich erscheinenden Artikel übers Schreiben)

  4. Freut mich, dass dir die Videos von Dan Wells so viel gebracht haben! 🙂
    Mir haben sie auch unglaublich weitergeholfen.
    Ob nun Plotter oder Pantser – da kann ich mich nicht richtig einordnen. Ich plane gerne und versuche zumindest, einen Handlungsüberblick zu schaffen. Aber ein richtig ausgefeilter Plot ist das auch nicht… Beim Schreiben selbst passiert dann so viel Unvorhergesehenes, dass die ganze Planung eigentlich für den Ar… war ^^
    Ich weiß noch nicht, wie ich das ändern kann. Ich weiß nur, dass ich keine Kapitel im Voraus planen könnte. Daher bewundere ich es total, dass du das machst. Respekt! 🙂

  5. Krass, da bist du sehr anders als ich 😀
    Ich hab zwar so eine Grundidee im Kopf und weiß, was ungefähr am Ende bei rumkommen soll und wer meine Hauptfigur ist. Aber der Rest entwickelt sich dann von allein.
    Wobei es dann durchaus mal vorkommen kann, dass es in kleinen Abschnitten ein Paradox gibt – meist lässt sich das aber ganz gut ausbessern ^^

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